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Den Teufel mit Beelzebub austreiben?


Heute fand ich den Artikel „Lobbyismus in deutschen Ministerien – Verbotene Einblicke in Politik?“ auf tagessau.de (sorry, freudscher Versprecher!) tagesschau.de. Im ersten Bericht über den Einsatz externer Personen in der Bundesverwaltung für das Jahr 2008 listet das Bundesinnenministerium 59 Externe auf. Angeblich ist die Zahl von vormals 100 damit auf fast die Hälfte gesunken. Allerdings beruht dies offenbar auf der Tatsache, dass die Definition dessen, was als externer Mitarbeiter zu werten ist, nun ein wenig enger gefasst wird und schwupps…schon sinkt die Zahl drastisch!

Dieser so genannte Lobbyismus hat sich in der Politik verbreitet wie eine Seuche, sobald man den Konzernen die Möglichkeit eröffnete, ihre (vermutlich verdientesten und am besten geschulten Mitarbeiter) als „Leiharbeitskräfte“ in die Ministerien zu entsenden, sie dann großzügig weiter zu bezahlen und den Staat damit „finanziell zu entlasten“. Besonders kritisch ist der Lobbyismus im Gesundheitswesen, wo die Brüder vom lukrativen Orden der Pharmakonzerne seit mehr als 30 Jahren erfolgreich jede sinnvolle Veränderung torpedieren! Und die Versicherten und Patienten werden im Namen der Krankenkassen ausgenommen wie die Weihnachtsgänse!

Die Frage ist:“Sind unsere Politiker, die von uns gewählten Volksvertreter, wirklich solche Schwachköpfe, dass sie ihre Arbeit von gesponsorten Gastarbeitern erledigen lassen müssen? Oder schickt die Industrie diese Leute um sich selbst das Wasser abzugraben und Gesetze zu erarbeiten, die ihr irgendwelche Fesslen auferlegen? Oder tun diese Leute einfach nur das, wofür sie von den Konzernen bezahlt werden – nämlich deren Interessen vertreten?“ Jedenfalls scheint nicht die geringste Neigung vorhanden zu sein, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Denn wer schön brav den Konzernen zuarbeitet und sich als Politiker nicht in die Gesetzgebung einmischt (außer bei den Abstimmungen über diese industriegerecht vorbereiteten und ausgearbeiteten Gesetze), der kann auch auf deren Dankbarkeit zählen und zwar in Form eines ordentlich bezahlten Jobs in irgendeinem  Verwaltungs- oder Aufsichtsrat.

Das die Initiative zu dieser Invasion der Konzerne in den Ministerien nicht ausschließlich von den Konzernen, sondern auch und vor allem von den Behörden selbst ausgeht, zeigt der Bericht „Einsatz externer Mitarbeiter beim Bund – Auf die Großzügigkeit der Unternehmen angewiesen“. Und da erwartet wirklich jemand, die Regierung sei unabhängig? Nicht wirklich, oder?

Welchen Einfluss auf die Regierung die Konzerne mitlerweile erlangt haben, sollte das Beispiel von Monsanto zeigen, einem weltweit aktiven Genkonzern, der seine Finger in nahezu jedem schmutzigen Geschäft drin hat, das man sich vorstellen kann. Schaut Euch das Video von YouTube an, dann wisst Ihr was ich meine.

Zur Information, Monsanto (hier die Unternehmens-Homepage, die Euch die schöne, neue, gleichgeschaltete und genveränderte Zukunft zeigt! Übrigens wird diese Homepage von WOT, dem Mozilla Firefox-addon als nicht besonders vertrauenswürdig eingestuft) stellte für die US-Streitkräfte im Vietnamkrieg das Entlaubungsmittel Agent Orange her, ein furchtbares Gift, dass auch Jahrzehnte nach seinem großflächigen Einsatz über Vietnam immer noch Fehlgeburten bei Menschen verursacht, die damals von dem Giftnebel getroffen wurden, oder die in den betroffenen Gebieten heute leben. Die Opfer, amerikanische GI´s und vietnamesische Bauern haben bis heute keinen Cent Entschädigung erhalten, weil Monsanto keinen Zusammenhang zwischen dem Einsatz dieses Umweltgiftes und den Todes- und Krankheitfällen bei den Betroffenen sehen will. Wie man sieht, hat Monsanto viel Dreck am Stecken und was das ganze noch perverser macht, der Konzern spielt sich nun als Retter der Menschheit auf, weil er mit seinem genveränderten Saatgut das Ernährungsproblem lösen will – gegen Bares versteht sich. Man lässt sich Lebewesen und Pflanzen patentieren, und zwingt Bauern, die sich auf den Anbau von z. b. transgenem Mais (MON810) einlassen dazu Dünge- und Pflanzenschutzmittel bei Monsanto zu kaufen, die dieser braucht um zu gedeihen. Tut man das nicht, geht die Ernte kaputt und die Bauern sind pleite. Ob jetzt der Mais für Lebewesen ungefährlich ist oder nicht, interessiert offenbar niemanden (der begründete Verdacht besteht dass Vieh, welches mit dem Mais gefüttert wurde, unfruchtbar und anfällig für Krankheiten wird – warum also sollte das Genzeug ausgerechnet beim Menschen keine gefährlichen Folgen zeitigen?).

Aber während hierzulande Herr Seehofer, der Landwirtschaftsminister und designierte bayrische Ministerpräsident die Meinung vertritt, der Genmais sei harmlos und man könne ihn ruhig hier kommerziell anbauen, geht Monsanto bereits einen Schritt weiter. Der Konzern kaufte das Unternehmen Delta & Pine Land, das seit etwa 1983 in Zusammenarbeit mit dem US-Landwirtschaftsministerium (das muss man sich mal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen!) an einer Methode gearbeitet hat, um gentechnisch verändertes Saatgut zu gewinnen, das nicht für eine Wiederaussaat genutzt werden kann, weil die Samen unfruchtbar sind – das heisst in dürren Worten: wird gentechnisch verändertes Saatgut von Monsanto gekauft, kann man zwar die Samen nach der Ernte sammeln, aber sie sind durch Manipulation nicht fruchtbar und können nicht wieder ausgesät werden. Der Landwirt muss also wieder Saatgut von Monsanto kaufen, oder spezielle Chemikalien, die die Samen wieder aktivieren! Schöne neue Gentech-Welt!

Weiterführende Links:

Und dies sind die anderen Global Player, die mit Monsanto zusammen den elitären Club (andere  würden dies weniger vornehm als Kartell bezeichnen) der Genkonzerne bilden, die die Macht über die Nahrungsmittelerzeugung der gesamten Welt zu erringen trachten:

  • Bayer CropScience Homepage des Unternehmens (ein echter Werbeprospekt des chemischen Grauens in Hochglanzbildern)
  • DuPont Homepage des Unternehmens (hier zum Vergleich der Artikel zu DuPont auf Wikipedia)
  • Syngenta Homepage des Unternehmens (auch hier wieder der Artikel zu Syngenta auf Wikipedia um einen etwas unabhängigeren Eindruck zu gewinnen. Wenn man diese deutsche Syngenta-Seite betrachtet, bleibt einem allerdings die Spucke weg. Denn hier bezeichnet sich Syngenta als – Zitat: weltweit führendes Agribusiness-Unternehmen, das sich durch innovative Forschung und Technologie für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzt – da gehört schon einiges an Dreistigkeit dazu, nicht wahr?).

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3 Kommentare zu “Den Teufel mit Beelzebub austreiben?

  1. Der Film „Monsanto, mit Gift und Genen“ von Marie-Monique Robin, gezeigt auf Arte am 11. März 2008, hat viele Menschen zutiefst berührt wie auch erschrocken.
    In der deutschen Fassung findet sich der Film unter http://lix.in/44aee301

    So bezeichnend wie beispielhaft ist in diesem Zusammenhang, mit welchem Selbstverständnis sich das Unternehmen Monsanto im deutschen Markt bewegt:
    So schaltet das Unternehmen bei der Zeitschrift http://www.topagrar.com – das „Magazin für die moderne Landwirtschaft“ – in dessen Forum es an Kritik gegen dem Unternehmen nicht mangelt, am 24. 10. 2008 eine Anzeige mit folgendem Wortlaut:

    „Suchen Sie die Herausforderung im Bereich Corporate Communications – und damit meinen wir wirklich eine Herausforderung, denn es geht um kontrovers diskutierte Themen? Gut. Sie können ein Unternehmen in der Öffentlichkeit vertreten, das als eines der weltweit führenden im Agrarsektor unter anderem gentechnisch verbessertes Saatgut von Nutzpflanzen entwickelt? Besser. Sie wollen wissenschaftlich fundierte Potentiale der Grünen Gentechnik weit verbreitetem Halbwissen entgegensetzen und offensiv kommunizieren? Ausgezeichnet. Wir freuen uns, wenn Sie mit Ihren kommunikativen Stärken unser Unternehmen bereichern – als PR-Manager (m/w) mit Schwerpunkt Corporate Communications. Das ist Ihre Aufgabe: Seriöse Wissenschaftler, Agrarökonomen und Entwicklungsexperten sind sich einig: Gentechnisch verändertes Saatgut verbessert die Erträge und die Qualität der Agrarproduktion unter gleichzeitiger Schonung natürlicher Ressourcen. Genau dies ist die Kernaussage der Kommunikationsstrategie, an der Sie mitarbeiten und die Sie umsetzen – mit verschiedenen Kommunikationsmitteln, über unterschiedliche Medien. Darüber hinaus suchen Sie aktiv den Kontakt zu Meinungsführern und -multiplikatoren, informieren und diskutieren.
    Das bringen Sie mit: Ob Sie ein Studium der Kommunikations- oder Naturwissenschaften abgeschlossen haben, ist nicht entscheidend. Viel wichtiger ist uns, dass Sie journalistisch schreiben und unsere Themen überzeugend und mit viel Gespür vertreten können – auch gegen Widerstände.
    Sie bringen mindestens 3 Jahre Berufserfahrung mit und sind interessiert an politisch-wirtschaftlichen Zusammenhängen. Sie haben ein gutes Standing, sind selbstständiges Arbeiten gewohnt und offen für Neues. Wenn Sie darüber hinaus noch sehr gute Englischkenntnisse mitbringen, sollten wir uns kennen lernen. Und das bieten wir Ihnen: Ein hoch interessantes, sehr innovatives und internationales Umfeld. Die Freiheit, viel bewegen zu können und Themen in der Öffentlichkeit zu setzen. Hervorragende Perspektiven und persönliche/fachliche Weiterentwicklung. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung – am besten per E-Mail an: die Adresse wurde aus rechtlichen Gründen entfernt (Anmerkung des Blog-Betreibers)
    Monsanto Agrar Deutschland GmbH“ – siehe http://www.topagrar.com/ads/1008monsanto.pdf

    Der Text spricht für sich…

  2. Danke sehr für die Hinweise und Links. Die Zeitschrift Topagrar hab ich auch schon gelegentlich gelesen, weil ich mich für Landwirtschaft interessiere. Dabei ist mir die Affinität zu den Genkonzernen (damals Syngenta) ziemlich sauer aufgestossen! Ach, gibt es einen Trick, den Monsanto Film über Deinen Link anzuschauen, bei mir lädt und lädt und lädt der nur, aber lässt sich nich abspielen?
    Viele liebe Grüße von andrejo

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