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So helft der notleidenden Automobilindustrie!


Nachdem vor Jahresfrist die Autohersteller, vor allem in Deutschland, jeden Versuch zu einer deutlichen Reduzierung des CO2-Ausstosses mit der geballten Macht ihrer Lobbyisten ziemlich erfolgreich torpediert haben, stehen sie heute vor dem Abgrund. Und die Politiker stehen auch. Nämlich Schlange, um der notleidenden Automobilindustrie mit Milliardenhilfen in den Arsch zu kriechen! Noch rutscht nur Opel vor der Politik auf den Knien herum um Milliardenbürgschaften (Krise bei Opel, Absatzeinbruch bei Daimler : Politiker eilen Autobauern zu Hilfe; Artikel der Netzeitung vom 15.11.2008) zu erhalten. Aber mit längerer Dauer der Krise werden sich auch die anderen Konzerne (auch diejenigen aus dem sogenannten Premiumsegment) nicht zu schade für den Gang nach Canossa sein!

Auch ich weiss, dass an der Automobilindustrie hunderttausende Arbeitsplätze hängen. Aber ich frage  mich schon, wie es sein kann, dass ein ganzer Industriezweig die Wünsche der Konsumenten nach sparsamen und schadstoffarmen Autos konsequent ignoriert, gegen die halbherzigen Versuche der Politik nach einer Reduzierung des Schadstoffausstosses Sturm läuft und dann, wenn keiner mehr die Spritfresser kaufen will nach Hilfe vom Staat schreit! Und dem Verbraucher will man den Kauf von Neuwagen (spritschluckend und  massig CO2-emmitierend wie eh und je) schmackhaft machen, indem man ihm die Kraftfahrzeugsteuer in Höhe von vielleicht 150 Euronen (für ein Durchschnittsauto) für ein Jahr erlässt!

Technisch ist ein weit geringerer Schadstoffausstoss, als heute noch üblich, längst kein Problem mehr. Man muss es nur wollen – oder die Autoindustrie eben dazu zwingen. Frei nach dem Motto: „Wess´Brot ich fress`, des Lied ich sing“, sollten die Hilfen an die Automobilindustrie mit verbindliche Zusagen zum Schadstoffausstoss verknüpft werden! Ich weiss, es ist nicht nett, Unternehmen in Not so auszunützen, aber eine andere Möglichkeit sehe ich nicht, um die notwendigen Ziele zur Rettung unseres Klimas in der kurzen, verbleibenden Zeit zu realisieren. Andererseits bin ich mir ziemlich sicher, dass unser lieber Herr Glos, seines Zeichens Bundeswirtschaftsminister und ein ausgewiesener Spezi sowohl der Atom- wie auch der Autoindustrie, eher dazu neigt, die Steuergelder aus reiner Selbstlosigkeit zu verschenken und im Hinblick auf den Klimaschutz weiter auf die „freiwilligen“ (und natürlich völlig unverbindlichen) Zusagen der Industrie zu setzen.

Man muss sich einmal klar machen, wie völlig am Klimaschutz vorbei die Automobilindustrie neue Modelle entwickelt und auf den Markt bringt. Beispiel gefällig? Aber bitte:

  1. Wisst Ihr, was ein Sports Activity Coupe ist? Nein? So bezeichnen die Bayrischen Motoren Werke ihren neuen BMW X6, ein Teil, das von seiner Auslegung her in unserem mitteleuropäischen Strassennetz etwa so nützlich sein dürfte wie ein Kropf. Folgende Motorisierungen werden angeboten:                  3,0 ltr. 6-Zylinder Benziner: 225 KW/306 PS, CO2-Emission 262 g/km; Verbrauch 10,9 ltr./100 km (Werksangabe);                                                                                                                              3,0 ltr. 6-Zylinder Diesel: 173 KW/235 PS, CO2-Emission 217-220 g/km (was auch immer das bedeuten mag); Verbrauch 8,3 ltr./100 km (im Prospekt steht was von „einzigartig niedrigem Verbauch“ – da versteh ich zwar was andres drunter, aber das steht so da!);                                      4,4 ltr. 8-Zylinder Benziner: 300 KW/406 PS, CO2-Emission 299 g/km; Verbrauch 12,5 ltr./100 km (Werksangabe – die Zeitschrift Auto Motor Sport misst allerdings bei einer Testfahrt einen Durchschnittsverbrauch von satten 18,5 ltr./100 km!);
  2. Aber nicht nur die Bayern sind Schöpfer von unnötigen Monsterautos und auch noch stolz darauf. Die Schwaben mit dem Stern haben auch ein großes Faible für Autos, die hierzulande niemand braucht, außer um damit zum Bäcker oder zum Zigarettenautomaten um die Ecke zu fahren. Ich will hier nicht von der Mercedes M-Klasse oder der G-Klasse (siehe technische Daten der Motoren, bei denen die CO2-Emissionen jenseits von Gut und Böse liegen) sprechen, denn die gibts schon länger. Ich rede hier vom Mercedes GL und Mercedes GLK deren Daten ich jetzt nicht im einzelnen aufzählen mag. Wen es wirklich interessiert, der kann selber schauen. Aber mit solchen CO2-Emissionen würde es mir als Hersteller auch übel aufstoßen, wenn mir ein Politiker was von 120 g CO2/km erzählen würde!

Mit den technischen Möglichkeiten, die besonders den deutschen Automobilherstellern zur Verfügung stehen, sollte eigentlich die Konstruktion eines extrem schadstoffarmen Motors möglich sein. Aber offensichtlich ist es nicht wünschenswert. Denn ein Motor ist entweder extrem stark, (und damit meistens überflüssig) oder eben schadstoffarm. Eine Kraftfahrzeugsteuer, die sich am Schadstoffausstoß orientiert, könnte die Automobilkonzerne motivieren, sich nicht mehr nur über die PS-Zahl ihrer Fahrzeuge zu definieren!

Das es auch anders geht, könnte der Loremo eindrucksvoll demonstrieren, der zwar bisher noch nicht in Serie gebaut wird. Aber immerhin durchbricht er den Teufelskreis des immer größer, immer stärker, immer schwerer und immer umweltschädlicher, indem seine Konstruktuere einen Weg einschlagen, der genau in die andere Richtung geht. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt nicht irgendwann aus Geldmangel zu Grunde geht, sondern sich auch am Markt durchsetzen kann. Und schlecht sieht das Teil nun wirklich nicht aus. Es macht Lust auf mehr – mehr Innovation, mehr Vernunft, mehr Spaß, mehr Zukunft!

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