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Wird es wieder ein stummes Frühjahr?


Menschen, die wie ich im eigentlich schönen Baden leben, werden sich noch mit Schrecken an die ungewohnte Stille im letzten Jahr erinnern. Kein Summen, kein Brummen, keine Bienen und auch keine Wespen und nur hin und wieder eine der niedlichen, dicken, haarigen Hummeln, die in alle Gemütsruhe von einer Blüte zur nächsten brummten, schwer beladen mit Pollen. Es gibt nach Angaben des NABU vom 10.2.2009 einen Hoffnungsschimmer für Bienen, nachdem das Nervengift Chlothianidin auch weiterrhin nicht für die Beize von Maissaatgut eingesetzt werden dürfe.

Es war ein fast stummer Frühling und nach einigen Wochen wurde der interessierte Umwelt- und Naturschützer von der Nachricht geschockt, dass tausende von Bienenvölkern von einer „seltsamen Krankheit“ befallen seien, unter der mehr als 12.000 Honigbienenvölker zu Grunde gingen. Eine Katastrophe nicht nur für die direkt betroffenen Imker, sondern auch für die Landwirtschaft – die Obsternten gingen spürbar zurück, die Preise für Obst nach oben, weil die Blüten nicht wie gewohnt von fleissigen Bienen bestäubt werden konnten. Wie viele Wildbienenvölker dem biologischen Angriff der Koalition aus Chemiekonzernen und Landwirten  auf unsere Natur zum Opfer fielen, ist unklar. Wildbienen sterben einsam still und leise! (Artikel des NABU vom 14.5.2008).

Wie üblich wuschen sich alle potenziellen Verursacher die Hände in Unschuld, obwohl relativ früh der Verdacht aufkeimte, es könne sich um die Auswirkungen eines im Maisanbau eingesetzten Beiz- und Pflanzenschutzmittels handeln. Dieses Mittel wird unter dem Namen Poncho Pro von Bayer CropScience hergetellt und vertrieben, um Maispflanzungen in Monokultur vor dem Maiswurzelbohrer zu schützen. Allein schon die Umstellung auf Fruchtwechsel, könnte dazu beitragen, den Maiswurzelbohrer effektiv zu bekämpfen. Aber davon steht in der Produktinformation natürlich nichts drin. Schließlich geht´s hier um´s Geschäft und Geschäfte macht man nur, wenn man sein Gift auch verkaufen kann. Wen interessiert da schon das Schicksal von ein paar tausend Bienenvölkern? Bayer CropScience jedenfalls nicht.

In der Produktinformation steht übrigens ganz weit oben, das Produkt sei Gesundheitsschädlich und Umweltgefährlich, allerdings würden Bienen nicht gefährdet. Macht man sich allerdings die Mühe und liest noch weiter, so kann man sich darüber informieren, dass das Mittel „schwach schädigend“ (was auch immer das heisst) auf die Populationen der Wolfsspinnen, Kurzflügler und Laufkäfer sei (dabei wird verschwiegen, dass es sich dabei um Nützlinge handelt, die durch ihre Lebensweise Pflanzenschädlinge dezimieren – aber auch hier verdient der Chemiekonzern nicht, wenn man seine Gifte nicht einsetzt). Das das Gift toxisch für Wasserorganismen ist und längerfristige Schäden verursachen kann, versteht sich fast von selbst. Merkwürdigerweise gibt es aber keine Auflagen in Bezug auf Wasserschutzgebiete!

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