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Gerechtigkeit?


Habt Ihr Euch auch bisweilen schon gefragt, wie es in unserem Land mit der vielbeschworenen Gerechtigkeit aussieht? Nun, ich möchte hierzu ein paar Worte verlieren. Wer bisher der Meinung war, in unserem Land – einer Demokratie – seinen die Menschen vor dem Gesetz gleich, nur manche seien eben etwas gleicher, der kann sich ob dieses Urteils bestätigt fühlen. „Urteil im Fall Barbara E. Kündigung wegen 1,30 Euro rechtens“, titelt am 24.2.2009 die sueddeutsche.de!

So weit so gut, oder nicht gut, jedenfalls für die betroffene Dame, die damit bereits in zweiter Instanz gescheitert ist. In diesem speziellen Fall ging es um zwei angeblich unterschlagenen Pfandwertbons im Gesamtwert von 1,30 Euro. Dabei konnte der Arbeitgeber, die Kaiser´s Supermarktkette, den Diebstahl garnicht beweisen. Er kündigte Fristlos und berief sich dabei auf eine sogenannte Verdachtskündigung. Die Gerichte gaben dem Arbeitgeber Recht mit der Begründung…

…über die fristlose Kündigung hinaus seien auch die Voraussetzungen einer „Verdachtskündigung“ erfüllt gewesen, teilte das Gericht mit. Voraussetzung dafür sei das Vorliegen eines „dringenden“ Verdachts einer Straftat, der sich auf objektive Tatsachen, nicht aber auf bloße Unterstellungen des Arbeitgebers gründe. Dies sei hier der Fall gewesen. Ein Zusammenhang mit der Teilnahme der Kassiererin an Streikaktionen sei nicht erkennbar, betonte das Gericht. Eine Revision ließ das Landesarbeitsgericht nicht zu…

…denn…

Eine Kassiererin müsse „unbedingte Zuverlässigkeit und absolute Korrektheit“ zeigen, begründete das Gericht am Dienstag in Berlin sein Urteil. Kündigungsgrund sei der Vertrauensverlust, nicht aber der Wert der Sache.

Dies ermöglicht es mir jetzt die Kurve zu kriegen und ein wenig auf die Banker einzudreschen, denn die haben es wirklich verdient! eine einfache, schlichte, vielleicht etwas einfältige Kassiererin hat für ihren Job Voraussetzungen mitzubringen, die man eigentlich gerade in einer Bank ebenfalls und in verstärktem Masse erwarten würde: Absolute Korrektheit und unbedingte Zuverlässigkeit! Das Thema greift auch Andrea vom Blog andreame unter dem Titel „Die Großen lässt man laufen, die Klienen hängt man“ – Supermarktkassiererin wegen € 1,30 gekündigt, auf.

Wieviele Banker wurde bitteschön bis heute im Zuge der von diesen mit krimineller Energie herbeigeführten Finanzkrise per Verdachtskündigung fristlos aus ihrem Job entfernt? Keiner! Wie hoch ist der Schaden, den die Banker durch ihren Hang zum Glücksspiel (wäre das ihr eigenes Geld gewesen, hätte es kein Schwein gekümmert, wenn sie am Ende pleite gegangen wären, aber es war das Geld ihrer Kunden und nun ist es das Geld der Steuerzahler!), durch ihre bewusst verschleierten Finanztransaktionen, mit denen sie ihre Kreditinstitute nahezu in den Abgrund getrieben haben? Wäre der Staat nicht (der merkwürdigerweise jedes Kreditinstitut als systemrelevant einstuft und damit begründet, den schlechten, verlorenen Milliarden, noch mehr gute Milliarden Euros hinterher zu werfen), sie alle wären schon längst im Orkus verschwunden. Der Bankensektor hätte sich „gesund geschrumpft“, wie es unsere Wirtschaft schon seit fast 30 Jahren tut und in der Hand einiger weniger Großbanken konzentriert, damit auch globalisiert und sozusagen zwangsweise „fit gemacht für eine erfolgreiche Zukunft in einer kleiner werdenden Welt“ (ich weiss, das klingt echt sch..sse, aber ich hab das mal irgendwo in einer Werbebroschüre gelesen).

So und nun könnt Ihr Euch auch die Frage nach der Gerechtigkeit in unserem Land selbst beantworten. Es gibt natürlich Gerechtigkeit! Aber auch bei uns sind einige gleicher als andere. Während Barbara E. als Kassiererin vermutlich keinen Fuss mehr auf den Boden bekommt – dafür spricht die Arbeitslosenstatistik für Berlin – klagen die Banker nun der Reihe nach ihre Millionenboni ein, denn das was sie im Laufe des Jahres auf ihren Kontoauszügen als Gehalt stehen haben, reicht wahrscheinlich weder zum Leben, noch zum Sterben. Und so sind sie auf die Bonuszahlungen dringend angewiesen, um das Überleben ihrer Familien zu sichern. Dafür habe ich natürlich vollstes Verständnis und Barbara E. sicher auch. Immerhin, wenn sie nun bald Hartz IV-Empfängerin sein wird, braucht sie keine Kürzung ihrer Bezüge zu befürchten, wenn sie nicht bereit ist für einen Dumpniglohn zu arbeiten („Hartz IV-Kürzung aufgehoben – Lohnwucher ist unzumutbar“ n-tv.de am 24.2.2009) und das ist ja auch schon mal was wert!

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