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Umweltfreundliche und nachhaltige Logistik!


Beim Spazierengehen in der Stadt, fiel mir vor einigen Tagen die unglaubliche Vielzahl an Transportfahrzeugen auf, die zu jeder Tages- und Nachtzeit die Strassen und Fußgängerzonen verstopfen und eine Masse an Waren ein- und aus- oder umladen. Besonders häufig fallen dabei Fahrzeuge z. B. von UPS oder DHL auf. Meist handelt es sich um verbeulte und schmutzige Kleintransporter irgendwelcher Subunternehmer. Diese verteilen dazu noch rußige Dieselabgase in der Innenstadt, verstopfen die Strassen und machen einen Höllenlärm. Auf den Autobahnen verwandeln sie sich in rollende Geschosse, die mit bis zu 160 km/h, völlig überladen, und mit meist ungesicherter Ladung über den Asphalt brettern („ADAC-Crashtest: Kleinlaster-Gefahr durch rasende Blechbomben“ Artikel auf Welt-Online vom 20.9.2007). Wegen des enormen Zeitdrucks stellen sie eine akute Gefährdung für die Fahrer und alle anderen Verkehrsteilnehmer dar. Wenn so ein Teil ausser Kontrolle gerät, weil die Fahrer übermüdet oder einfach unkonzentriert sind, oder die Bremsen der enormen Beladung nicht gewachsen, sind die Folgen verheerend. Schwerste Unfälle sind die tödliche Folge!

Ein Blick in die Vergangenheit offenbart die Veränderungen, die in den letzten 50 Jahren stattgefunden haben. Wurde die Logistik gleich nach dem II. Weltkrieg noch mit Pferdefuhrwerken und kleinen Lieferwagen vom Typ  Lloyd, oder Goliath Hansa Dreirad erledigt, wurden die von Pferden gezogenen Fuhrwerke bald aus dem Verkehr gezogen, weil zu langsam. Von da an nahm der Verkehr in den Innenstädten immer mehr zu, bis sich zu den

Lloyd LT 500Lloyd LT 500

Stoßzeiten so gut wie garnichts mehr bewegte. Man begann darüber nachzudenken, wie man die Verkehrssituation verbessern könnte, aber wirklich umsetzbares fiel niemandem ein. Neue Konzepte für den Nahverkehr wurden zwar am Fließband produziert, aber nie bis zur Serienreife weiter entwickelt. Und so war niemand bereit oder in der Lage, die notwendigen Millionenbeträge in die Infrastruktur zu investieren.

Irgendwann in den frühen 90er Jahren kamen einfallsreiche Köpfe dann auf die Idee, im innerstädtischen Bereich und bis in die Vorstädte hinein, Fahrradkuriere einzusetzen, um z. B. Pizza zu den Kunden zu transportieren, oder kleinere Warensendungen zuzustellen. Dabei hatte man vermutlich bei der Post abgekupfert, die schon seit vielen Jahrzehnten Ihre Briefzusteller mit Transportfahrrädern ausstattete, um ihnen die ermüdende und knochenbrechende Schlepperei der schweren Posttaschen zu ersparen. Ein geniales Konzept, durchgeführt mit einem genialen Fahrzeug, dem Fahrrad!

Als dann endlich das Postmonopol aufgehoben wurde, etablierten sich in jeder größeren Stadt Zustelldienste, die in Konkurrenz zur privatisierten Post traten und nicht nur wesentlich billiger arbeiteten, sondern ihre Mitarbeiter auch wesentlich rücksichtsloser auszubeuten pflegen (mehr Arbeit für weniger Lohn und noch weniger Arbeitnehmerrechte!). Aber das Prinzip der umweltfreundlichen und nachhaltigen Logistik, scheint  sich wenigstens in den Innenstädten durchzusetzen. Denn die schnellen Jungs und Mädels von den Kurierdiensten, mit ihren Mountainbikes, schlagen auf vielbefahrenen Stecken jedes motorisierte Transportmittel um Längen. Natürlich sieht man als Autofahrer nicht so gern, wenn ein solcher Kamikaze die Straße kreuzt. Anstatt zu Bremsen und Rücksicht zu nehmen, drückt man lieber auf die Hupe oder das Gaspedal, damit man zeigen kann, dass man immerhin in einem teuren SUV sitzt, oder in einem anderen schicken Auto.

In diesem Zusammenhang frage ich mich natürlich, ob man nicht generell viel mehr muskelbetriebene Fahrzeuge für die Logistik in den Innenstädten einsetzen könnte? Zwar gibt es ein durchaus ernst zu nehmendes Problem in dem Nebeneinander der verschiedenen Fahrzeugarten, nämlich Autos und Fahrräder, teilweise mit Anhängern, aber es kann nicht unmöglich sein, hier eine Lösung herbei zu führen. Schließlich sind Fahrräder das, was motorbetriebene Fahrzeuge auf jeden Fall nicht sind: umweltfreundlich, leise, schnell und sie nehmen beim Abstellen nicht eine Fläche von 10 qm in Anspruch! Das notwendige Equipment, um umweltfreundliche Logistik zu realisieren, ist auf dem Markt zu haben. Mir fiel letztens ein Blogartikel aus den USA in die Hände, der die Transportproblematik unter dem aspekt des Peak Oil behandelt, also den immer mehr schrumpfenden Ölreserven. Permaculture & Regenerative Design News widmete dem Thema einen Post unter dem Titel „Pedaling solutions for peak oil…“. Hier gibt es auch einen Link zu dem Unternehmen Bikes At Work, dass richtig heftige Bike-Trailer mit großer Zuladung und Alu-Rahmen verkauft. Fahrradanhänger lassen sich universell einsetzen, also auch zum Transport von Kindern. Diese wiederum sind weniger zur Verwendung großer und/oder schwerer Lasten geeignet, da sie mit Sitzen ausgestattet sind.

Model 32A Bike Cart mit Alu-Rahmen

Model 32A Bike Cart mit Alu-Rahmen Tragfähigkeit bis 136 kg

In unserem Land gibt es schon einige Leute, die sich als Fahrradkuriere selbständig gemacht haben, Reich werden sie sicher nicht dabei, aber man kann schon sein Auskommen finden. Hartz-IV-Empfänger haben sicher weniger zur Verfügung. Vielleicht sollte man sich mal Gedanken darüber machen, wie man als Unternehmen im Bereich Transport-Logistik mit dem Fahrrad und Anhänger selbständig arbeiten kann (also ich meine jetzt Stückgut bis zu einer gewissen Größe und Gewicht, keine Briefzustellung).

Stellt Euch doch einmal vor, um wieviel ruhiger und umweltfreundlicher es in unseren Städten sein könnte, wenn man für solche Kurzstreckentransporte auf die gute alte Muskelkraft zurück greifen würde? Natürlich macht man heute noch von Seiten der Automobilindustrie Front gegen das Fahrrad als wichtiges Transportmittel. Man akzeptiert es höchstens als Sportgerät, das man mit dem Auto zu seinem Einsatzort transportiert. Nicht umsonst gelten Bilder von Fahrradmassen, die chaotisch die Strassen vieler Städte der Dritten Welt verstopfen als etwas, das Rückschritt bedeutet. schließlich will man ja seine Benzinschleudern verkaufen und nicht auf die Produktion von Fahrrädern umsteigen. Das wäre auch gar nicht gut, würde doch die Massenproduktion von Fahrrädern nach dem Beispiel von Autos in riesigen Fabriken, unzählige kleine Hersteller in den Ruin treiben.

weiterführende Links:

  • WorkCycles (Händler für Lastenfahrräder in den Niederlanden)
  • Christiania Bikes (Lastenfahrräder aus Kopenhagen/Dänemark)
  • Bikes At Work Inc. (Lastenanhänger für Fahrräder für große und schwere Lasten, aus den USA. Auf diesen Seiten findet Ihr einige interesante Aspekte zum Thema berufsmäßiges Radfahren. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat in Kanada auch jemand darum gekämpft, die Mehrkosten für die zusätzlichen Kalorien, die er für seine Tätigkeit zu sich nehmen muss, wie die Ausgaben für Treibstoff bei einem geschäftlich genutzten Fahrzeug geltend zu machen – ein sehr interessanter Aspekt in diesem unserem Land!)
  • Transportrad (Artikel bei Wikipedia)
  • Tetrion Spezialräder (Liegeräder, Anhänger usw.)
  • HP Velotechnik (…hier liegen Sie richtig)
  • Madsen Cycles (Working Bicycles)
  • Fahrradzukunft Ausgabe 3 – Schwertransport? Ein Profi berichtet (Sehr umfangreiche Informationen zumThema Lastentransport mit dem Fahrrad, mit vielen Bildern)

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2 Kommentare zu “Umweltfreundliche und nachhaltige Logistik!

  1. Beim besten Willen! Wo haben Sie einen derart schnell fahrenden LKW gesehen, und dazu noch überladen!
    Ich habe noch nie einen Fahrer gesehen der sich überladen läßt …

  2. Lieber Logistiker,

    bei meinem Artikel bezog ich mich auf Informationen des ADAC, der ja eigentlich nicht gerade als autofahrerfeindlich bekannt ist. Okay für den ADAC sind nicht alle Autofahrer gleich, besonders, wenn sie als LKW-Fahrer die Pkw-Fahrer „behindern“.
    Mit Kleinlastern, die mit solchem Tempo auf der Autobahn fahren, meine ich nicht direkt LKW´s, sondern eben Kleinlaster vom Schlage eines Mercedes Sprinter. Dass die durchaus in der Lage sind, Geschwindigkeiten von 160 km/h zu erreichen, erfahre ich fast jede Woche am eigenen Leib, wenn ich von Karlsruhe nach Ulm fahre und wieder zurück. Es vergeht nicht eine Fahrt, bei der nicht so ein Ungetüm hinter mir auftaucht um mich zu überholen. Und weil´s nicht schnell genug gehen kann, fährt man so dicht auf, dass der Fahrer dieses Geschosses garantiert nicht mal mehr mein Kfz-Kennzeichen sehen kann!
    Im ürbigen bin ich mir durchaus bewusst, dass intelligente und effektive Logistik ohne weiteres dazu geeignet ist, Ressourcen zu schonen und den Ausstoss von CO2 zu vermindern. Wir müssen aber auch sehen, dass der gefährlichste Faktor dabei sicherlich der Zeitdruck ist, unter dem sowohl die Fahrer, als auch die Spediteure zu leiden haben. Und nicht jeder ist so verantwortungsvoll, wie man es sich wünschen würde, sonst wären die Kontrollen auf unseren Autobahnen und Fernstrassen, was die Lenkzeiten und die Beladung betrifft, sicher längst überflüssig.

    Herzliche Grüße von andrejo

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