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Baumsterben in den Städten


In meinem letzten Post „Illegale Holzimporte in die EU“ habe ich bereits den Waldzustandsbericht 2008 erwähnt. Veröffentlicht vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, weist er für das vergangene Jahr Zahlen auf, die einen verzweifeln lassen, oder wenigstens Anlass zu sofortigem Handeln geben könnte. 52% des Eichenbestandes sind deutlich geschädigt, der Wald ist so krank wie nie. Mal abgesehen davon, dass es in Deutschland, ja sogar in ganz Europa, so gut wie keinen intakten Urwald mehr gibt, stirbt auch das, was der Mensch heute als Wald zu bezeichnen pflegt – stramm nebeneinander gepflanzte und schnell wachsende Fichten und Kiefern. Von den früher über ganz Mitteleuropa verbreiteten Mischwäldern ist fast nichts mehr übrig geblieben. Alles verschwunden in den Holzfabriken und Sägewerken! Auch wenn das, was heut so als Wald durchgehen muss, eigentlich nichts weiter ist als eine Holz-Monokultur, ist das immer noch besser als überhaupt kein Wald, denn wenigstens werden große Mengen CO2 in den Bäumen gebunden. Von der ehemals vorhandenen Artenvielfalt an Pilzen, Flechten, Moosen, Insekten, Klein- und anderem Getier, keine Spur mehr. Wer heut noch ein paar Pilze findet, der kann sich wahrhaft glücklich schätzen. Wenn er noch mehr Glück hat, kann er sie sogar essen, ohne dabei zuviel radioaktiven Fallout zu sich zu nehmen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Was ich damit sagen will ist folgendes: Unser Wald ist in einem katastrophalen Zustand. Die Regierung ist unfähig und unwillig etwas dagegen zu unternehmen – es könnte ja der Industrie schaden und mit denen will man es sich aus altbekannten Gründen nicht verderben. In welchem warmen Ledergestühl will man sich denn sonst ein paar zusätzliche Euros verdienen, wenn man entsetzt feststellt, dass einem die mehr als knapp bemessene – und vermutlich am Hartz IV-Satz orientierte – Abgeordnetendiät nicht ausreicht, um ein menschenwürdiges Dasein zu fristen? Genau, in den Vortsandsetagen der großen Konzerne! Und nun warnt der BUND vor dem „Sterben der Strassenbäume in Berlin“ (und nicht nur da, wie mir in den vergangenen Jahren auch schon verstärkt aufgefallen ist). In den vergangenen acht Jahren seien 11.000 Bäume eingegangen. An Berlins Straßen gebe es bis zu 21.000 leere Stellen, an denen einst Bäume gestanden hätten.

Bäume bilden nicht nur einen Blickfang in den Betonwüsten unserer Städte, spenden nicht nur Schatten in der Sommersonne und bilden kleine Biotope für viele Insekten, die sonst in der Stadt kaum eine Überlebenschance hätten. Sie filtern mit ihrer Blattmasse auch die Luft, die von Feinstaub und Ruß aus den Heizungen, Fabriken und Autos stark belastet ist. Ein Strassenbaum in einer großen Stadt hat für wahr kein leichtes Leben. Ständig wird er beschnitten, weil er einer Stromleitung oder einer Häuserwand zu nahe kommt. Jahraus, jahrein heben die Hunde ihre Beine an seine Wurzeln und führen ihm massenhaft Ammoniak zu. Das Wachstum seiner Wurzeln wird durch Beton eingeschränkt und im Sommer ist er nicht nur extremster Hitze und Trockenheit ausgesetzt. Weil die Stadt kein Geld für solch überflüssigen Firlefanz hat, wird vermutlich nicht oder nur unregelmäßig gewässert und so kommt es, wie es kommen muss – unter diesen Bedingungen verrecken Bäume eben, weil sie dafür nicht geeignet sind. Und weil das so ist, ersetzt man sie erst garnicht mehr und nimmt so billigend in Kauf, dass das innerstädtische Klima immer beschissener wird!

Diese Praxis kann man auch in meiner Heimatstadt Karlsruhe beobachten. Die Bäume, die noch stehen, bleiben sich selbst überlassen. Okay, der Radikalschnitt und das gelegentliche wässern gibt es hier auch. Ansonsten werden die Stämme der Bäume vollkommen einzementiert. Wasser kann so überhaupt nicht mehr in den Boden eindringen, aber das interessiert keinen in der Stadtverwaltung. Wo der Boden noch „frei“ ist, wird er mit billigsten Bodendeckern bepflanzt, die als idealer Unterschlupf für die fetten Ratten dienen. Nach zwei Jahren, in denen sie als Abfallfänger dienten, segnen aber auch sie das Zeitliche. Nicht ohne in der Zwischenzeit als Arbeitsbeschaffugsmassnahme für Hartz IV-Empfänger gedient zu haben (die den gröbsten Dreck einsammeln müssen). Zurück bleiben verwüstete und leere Flecken verdreckter Erde. Möglicherweise könnte man bei einer Neubepflanzung mehr Erfolg haben, wenn man Pflanzen säte, die solche harten Bedingungen angepasst sind und auch ein wenig gepflegt werden. Aber wie gesagt, das kostet Geld und ist somit uninteressant, weil es ausser ein bisschen sauberer Luft nichts einbringt. Kein Wahlkampfthema also.

Aber eines sind diese Flächen, auf denen die Vegetation kümmert und stirbt – dankbare Fronten für den Krieg der Guerilla Gardeners gegen die Betonwüsten der Städte. Also, trefft Euch mit Freunden, stellt zusammen Seedballs her und werft sie auf die Flächen, die den Stadtverwaltungen so egal sind! Zeigt, was man aus und mit diesen Flächen machen kann, wenn man nur will. Schafft kleine, grüne, blühende Paradiese. Alles was Ihr für diesen Kampf gegen die Verwüstung Eurer Umwelt braucht, findet Ihr hier auf diesem Blog – Informationen über Seedballs und wie man sie herstellt. Welches Saatgut geeignet ist (findet Ihr auch dadurch selber raus, indem Ihr die Samen mischt und diese Mischung in die Seedballs knetet – was ungeeignet ist, wird nicht keimen oder rasch eingehen!). Schaut in der Blog- und der Linkliste nach interessanten Seiten und holt Euch die Infos die Ihr braucht von den Profis des Guerilla Gardening. Bringt Bewegung in Eure Städte und notfalls tretet in ein paar Ärsche, damit die Leute merken, dass es so nicht geht. Ich meine, für was zahlt man überhaupt Steuern, wenn man nichts, nada, niente dafür zurück kriegt?

Foto: Bund Berlin

Foto: Bund Berlin

So kann es aussehen, wenn die Guerillas zugeschlagen haben

Es wäre nett, wenn Ihr mir ein paar Bilder zukommen liesset, wenn Ihr Aktionen erfolgreich durchgeführt habt. Ich veröffentliche sie gerne in diesem meinem Blog Tempel der Gaia. Ihr könnt sicher sein, dass viele Leute sie anschauen werden und sich vielleicht durch Euch inspirieren lassen! Auf geht´s und viel Spaß!

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