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Permakultur als Lebensprinzip – Teil1


Da ich nun schon einmal dabei bin, wollen wir uns nun ganz dem Prinzip Permakultur zuwenden und dieses System, dass sich auf alle Bereiche des Lebens bezieht, einer genauen Betrachtung unterziehen.

Warum haben wir die Probleme mit dem Klima, der Ernährung und den schwindenden Ressourcen auf unserer Erde, die uns heute so schlimme Kopfschmerzen bereiten? Der Anfang aller unserer Probleme liegt vermutlich in der Zeit, als die Menschen sich von Jägern und Sammlern zu Ackerbauern (weiter-)entwickelten. Ob das wirklich eine Weiterentwicklung war, müssen wir hier und jetzt nicht diskutieren und auch nicht abschliessend beantworten. Es steht uns nicht zu und es liegt auch nicht in unserer Macht, diese einmal eingeschagene Entwicklung zurück drehen zu wollen. Aber es liegt in unserer Macht, die derzeitige Entwicklung in eine neue Richtung voran zu treiben, die uns als Spezies ein Überleben auf Dauer auf diesem Planeten ermöglicht.

Dazu müssen wir zuerst erkennen, dass die Entwicklung, wie sie derzeit vonstatten geht, eine falsche ist. Schuld daran ist ein Wirtschaftssystem, dass von einer unendlichen Verfügbarkeit sämtlicher irdischer Ressourcen ausgeht und keine Grenzen bei deren Ausbeutung kennt und diese auch garnicht akzeptieren würde. Denn geht ein Rohstoff auf diesem Planeten zur Neige, so ist das für die Industrie überhaupt kein Anlass, nach neuen Rohstoffen zu suchen, die den alten, schwindenden, ersetzen können. Je seltener ein Rohstoff wird, desto höher ist der Preis, den die Konzerne für ihn verlangen können. Und das tun sie auch. Die gesamte Wirtschaft ist darauf ausgerichtet, möglichst hohe Preise für Rohstoffe und Produkte zu erwirtschaften und das geht am besten, wenn der Rohstoff, oder das Produkt knapp ist. Wie wahr diese Behauptung ist, zeigt sich an den Versuchen von Konzernen, eine Marktführerschaft anzustreben. Diese ermöglicht es den Konzernen, die Preise zu diktieren. Und wer die Preise diktiert, der senkt sie nicht, sondern erhöht sie und presst diejenigen aus, die auf die davon betroffenen Rohstoffe und Produkte angewiesen sind. Ein deutliches Beispiel dafür ist der Markt für Energie, der von wenigen riesigen Konzernen dominiert wird, die die Preise bestimmen. Sinken die Preise  für Rohöl, aus welchen Gründen auch immer, wird entweder die Produktion gedrosselt, große Mengen eingelagert, oder Spekulanten kaufen Massen von Öl auf, um sie wieder auf den Markt zu werfen, wenn die Preise hoch sind. Aber sie werden stets so hoch gehalten, dass die Umstellung auf erneuerbare Energien immer unrentabel erscheint.  Schließlich scheut man die „astronomischen“ Investitionen. Wer investiert, der verdient nicht, jedenfalls nicht jetzt sondern bestenfalls in der Zukunft!

Was sagt uns die Permakultur zu dem Thema Energie? Nun, sie sagt das, was sie prinzipiell zu allen anderen Problemen des gegenwärtigen Wirtschaftssystems sagt – Kreislaufwirtschaft! Kreislaufwirtschaft bedeutet, dass alles, was in irgendeinen Produktionsprozess eingebracht wird, sich nicht auf einer Einwegstraße bewegen darf, sondern nach dem Ende seines Lebenszyklus dem Stoffkreislauf des Planeten wieder zugeführt werden muss. Und zwar zu 100%! Und genau das trifft beim Verheizen von fossilen Treib- und Brennstoffen in Kraftwerken, Heizungen und Fahrzeugen keinesfalls zu. Es trifft eigentlich auf überhaupt kein Produkt zu, das in großindustriellem Maßstab hergestellt wird und genau das ist die Krux. Massenproduktion in automatisierten Fabriken, Verkauf an möglichst viele Verbraucher zu einem vorgeblich günstigen Preis und schließlich die Entsorgung nach dem Ende der Nutzungsdauer auf Kosten der Allgemeinheit. Natürlich gibt es heute, besonders in Deutschland verscheidene Rücknahmesysteme und die Verpflichtung der Hersteller (zumindest von Elektrogeräten) diese wieder zurück zu nehmen und sie dem Recycling wieder zuzuführen. Schön und gut. Aber die Frage ist doch, warum Kunststoffflaschen mit Pfand belegt werden, damit man diese wieder einsammelt, einschmilzt und sie bei der Produktion neuer Kunststoffflaschen oder anderer Kunststoffprodukte wieder nutzt? Der Energieaufwand und die Tatsache, dass diese Kunststoffflaschen letztlich aus erdöl hergestellt werden, sollte diese Art der Nutzung eigentlich verbieten. Und wenn man Getränkeflaschen aus Kunststoff (die übrigens auch noch Weichmacher, Hormone und andere chemische Zusatzstoffe an ihren Inhalt abgeben) schon mit Pfand belegt, warum dann auch nicht alle anderen Kunststoffverpackungen? Shampooflaschen, Folien in denen Obst und Gemüse verpackt werden, sämtliche anderen Verpackungen für Wurst und Käse (die teilweise sogar einzeln eingepackt werden, so dass die Verpackung rein rechnerisch gesehen deutlich teurer sein dürfte als der Inhalt), Verpackungen für Süssigkeiten, Blisterverpackungen usw. die wandern in den Abfall. Natürlich heißt er in dem Fall Wertstoff, aber in Wahrheit ist es nichts anderes als Müll. Kunststoffe sind nur dann wiederverwertbar, wenn sie absolut sortenrein recycelt werden. Das was in der Wertstofftonne landet, ist bestenfalls als Brennstoff für die Müllverbrennungsanlagen geeignet, oder als Exportartikel in die ärmsten Länder der Dritten Welt!

Permakultur fordert ohne wenn und aber ein Kreislaufsystem. Ein Produkt wird aus einem erneuerbaren Rohstoff hergestellt und nachdem es nicht mehr genutzt werden kann, weil es defekt ist, muss es zu 100% dem Kreislauf wieder zugeführt werden! Und das betrifft alle Komponenten des Produktes und nicht nur Teile davon! Um so ein sinnvolles System der Nutzung von Rohstoffen und deren Rückführung in den Rohstoffkreislauf zu garantieren, sind gesetzliche Vorgaben notwendig und der Wille, diese auch konsequent um zu setzen. Aber bereits da stossen wir an Grenzen. Denn der Staat sieht sich nicht in der Lage, der Industrie und den Konzernen verbindliche Vorgaben darüber zu machen, wie diese ihre Produkte zu gestalten haben, um die Umwelt weder zu belasten, noch sie zu zerstören. Das oft verwendete Argument, mit dem sich die staatlichen Stellen vor ihrer Verantwortung zu drücken pflegen lautet: Wettbewerbsverzerrung! Und damit kann man praktisch alles totschlagen, was die Konzerne daran hindern könnte, ihren Gewinn zu steigern. Nichts ist so undemokratisch und unsozial, wie ein Unternehmen und ganz besonders ein Konzern! Daher wird die Wirtschaft nie freiwillig Rücksicht auf die Belange des Klimaschutzes und auf unsere Erde nehmen!

Gesetze können umgangen werden. Das beweisen uns die Konzerne jeden Tag auf´s Neue mit geheimen Preisabsprachen, Aufteilung von Märkten und dem Drang zur Monopolisierung. Eines aber versteht jeder Konzernchef – die Sprache des Geldes! Bleibt das Geld auss, d. h. schrumpfen die Umsätze und Gewinne, fangen die Unternehmen an sich zu bewegen. Sie beginnen andere Unternehmen (meist direkte Konkurenten zaufzukaufen, um ihren Kundenkreis zu vergrößern und mehr Druck auf die Märkte ausüben zu können. Das dafür notwendige Geld müssen sich die Unternehmen von Banken leihen, was sie in Abhängigkeiten treibt, die zu ihrem Untergang führen können, wenn sie nicht im gleichen Maße wie sie expandieren, ihre Umsätze steigern können!

Dies ist eine Chance, die sich den Menschen bietet. Verweigern wir uns den Konzernen als Kunden, behalten also unser sauer verdientes Geld und legen es unter unsere Kopfkissen, so können wir ihr Verhalten maßgeblich beeinflussen – in unserem Sinne. Natürlich können wir uns nicht von heute auf morgen jedem Konzern verweigern. Es bedarf schon einiger Vorbereitungen, um die durch den Boykott entstehenden vermeintlichen Verluste an Gütern und sogenannter Lebensqualität zu vermeiden. Energie ist ein wichtiger Faktor. Aber wenn wir nicht bereit sein wollen, Energie zu fast jedem Preis von den Monopolisten der Branche zu kaufen, müssen wir selber zu Energieerzeugern werden! Reduzieren wir gleichzeitig unseren Verbrauch, schädigen wir die Energiekonzerne gleich doppelt. Viele kleine regionale Energieerzeuger sind ein Gräuel für die großen Konzerne, verlieren sie doch dadurch die totale Kontrolle über die Menschen und die Energieversorgung! Dann werden Atomkraftwerke so überflüssig wie der sprichwörtliche Kropf und in letzter Konsequenz bleibt nix anderes übrig, als sie wegen der hohen Kosten abzuschalten.

Genau das ist das Prinzip der Permakultur. Energie erzeugen, ohne die Erde zu plündern, aus Energiequellen zu schöpfen, die unerschöpflich sind. Viele kleine Kraftwerke (Windräder, Biogasanlagen, Wasserkraftwerke oder Solaranlagen) ersetzen ein großes Kraftwerk und machen die zentral erzeugte und kontrollierte Energie überflüssig und damit auch die von den Konzernen bevorzugten riesigen, hochkomplizierten, anfälligen und sehr gefährlichen Anlagen. Auf Sonnenenergie aus riesengroßen Solaranlagen in Afrika (Strom aus der Wüste: Ein guter Plan? Artikel auf Zeit Online vom 31.8.2009), die über weite Strecken und durch neu zu errichtende Stromnetze transportiert werden müsste, kann so verzichtet werden. Die einzigen, die von dieser Technologie einen Nutzen hätten, sind die Konzerne. Wir würden dabei nichts anderes tun, als die Abhängigkeit von den Ölquellen des Nahen- und Mittleren Ostens gegen eine Abhängigkeit von den Solaranlagen in Nordafrika zu tauschen!

Dieses Prinzip der Permakultur, der Kreislaufwirtschaft, lässt sich grundsätzlich in jedem Bereich umsetzen. Es erfordert nur ein wenig Nachdenken und die Erkenntnis, dass es so nicht weiter gehen kann und darf! Lasst uns der Globalisierung mit seinem immer größer immer weiter, immer mehr, immer billiger, eine konsequente Regionalisierung entgegen setzen, die auf Selbstbesgrenzung, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, regenerative Energien und gesunde, ökologische Nahrungserzeugung baut!

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