Italian Job?

Wer die Pressemeldungen in den letzten Tagen mit Aufmerksamkeit verfolgt hat, der konnte nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, welch schreckliche Umweltkatastrophe sich in Italien gerade ereignet. Offenbar durch Sabotage, so jedenfalls die Meldungen, wurden zwischen 10 und 15 Millionen Liter Altöl aus den Tanks einer stillgelegten Raffinierie abgelassen. Mit voller Absicht haben irrsinnige Täter die Ablasshähne geöffnet und eine Umweltkatastrophe in Kauf genommen, deren ökologische Folgen noch kaum abzuschätzen sind!

Das Öl ergoss sich in den Fluss Lambro und von dort in den Po, den größten Fluss Oberitaliens und nun droht über das Wochenende eine Verseuchung der Strände, sowie der Flora und Fauna an und in der Adria! Die Folgen für die Landwirtschaft und das Grundwasser, sowie die langfristigen Auswirkungen auf die Nahrungserzeugung, sind ebenfalls kaum abzusehen. Während die umweltbewussten Europäer nördlich der Alpen verständnislos die Köpfe schütteln, ob des Ausmaßes der Verseuchung, sieht man das in Italien selbst nicht so eng. Dort findet die Katastrophe in den Medien nur geringes Interesse!

Während man in Norditalien mit Bangen in die Zukunft sieht, werden zugleich Stimmen laut, die dem italienischen Staat eine falsche Herangehensweise zum Vorwurf machen. Bisher hielt man es nicht einmal für nötig, den Ausnahmezustand für die Lombardei auszurufen. Außerdem sei zu spät und dann auch noch zum Teil falsch reagiert worden. Das verwundert in sofern nicht, als sich Berlusconi z. B. im Moment wohl lieber über Anti-Korruptionsrichter ereifert, die er als Taliban bezeichnet (Italien: Berlusconi bezeichnet Richter als Taliban; Artikel auf Focus.Online vom 26.2.2010). Unter solchen Umständen, hat man natürlich keine Zeit, sich um so unwichtige Dinge wie den Umweltschutz zu kümmern!

Überhaupt hinterlässt die italienische Reaktion auf die Katastrophe einen eher zwiespältigen Eindruck. Während die Helfer alles geben und teilweise bis zur Erschöpfung gegen die Verschmutzung ankämpfen. Dies verwundert, denn der italienische Katastrophenschutz gilt als einer der am Besten und modernsten ausgestatteten der Welt. Aber wenn die zuständigen Stellen nicht oder zu spät reagieren, nützt auch das beste Material nichts!

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Schlaflos in Deutschland?

Dem Gesundheitsreport 2009 der Krankenkasse DAK zufolge leiden Millionen von Arbeitnehmern in Deutschland unter Schlaflosigkeit und anderen Schlafstörungen. Stellt sich natürlich die Frage, warum das so ist! Liegt es daran, dass die Arbeitnehmer einfach – wie so oft und gern behauptet wird – nur auf hohem Niveau jammern? Ist es so, dass sie sich ob der hervorragenden sozialen Netze und der Sicherheit, die sie bieten, eigentlich in traumhaften Verhältnissen bewegen, die sie gar nicht zu schätzen wissen?

Vielleicht ist es ja ganz anders. Vielleicht sind die Gründe in unserer Gesellschaft zu suchen, in der die normalen Menschen die Deppen der Nation sind, die brav ihre Steuern zahlen, während die Reichen sich hemmungslos die Taschen füllen und anstatt ihren Steueranteil an den Staat abzugeben, das Geld einfach ins Ausland schaffen, wo sie es auf Nummernkonten horten und sich einen ablachen über die armen Trottel in Deutschland, die zu arm und zu dumm, oder beides sind und sich vom Staat das sauer verdiente Geld einfach abnehmen lassen. Passieren kann ja nicht viel. Entdeckt der Staat, oder seine Handlanger, die hinterzogenen Steuermillionen, kann man sich ja immer noch schnell selbst anzeigen, die Steuern nachzahlen und weiter als wohlhabender, aber ehrenwerter Mensch in Deutschland leben – so einfach ist das.

Ein „einfacher“ Arbeiter hat es in Deutschland allerdings nicht so einfach, wie man gemeinhin annimmt. Von wegen soziale Hängematte, in der es sich so bequem rumgammeln lässt. Soziale Kälte heisst das Losungswort, seit die neoliberale Kammarilla um Guido Westerwave zusammen mit Angelas ausgemerkeltem christdemokratischem Kasperletheater die Herrschaft in Berlin übernommen haben. „Wir“ und damit meinen die uns, die einfachen Bürger, also „wir“ hätten jahre-, sogar jahrzehntelang über „unsere“ Verhältnisse gelebt und nun sei eben sparen angesagt! Alles müsse auf den Prüfstand, blablabla…

Als erstes und weil des vor allem der Industrie und den Konzernen nicht weh tut, streicht man die Sozialleistungen zusammen, die gemeinhin als außergewöhnlich reichhaltig angesehen werden – allerdings nur von denen, die nicht davon leben müssen. Aber wie schnell man von einem relativ gut verdienenden Angestellten der Mittelschicht, oder einem Arbeiter bei einem großen Unternehmen in das große schwarze Loch fallen kann, dass da heisst Hartz IV, kann man an vielen Beispielen bei den Arbeitsagenturen sehen. Man braucht sich dort nur mal einen Tag lang hin zu setzen und zu hören, was die Leute zu sagen haben. Aber wer will das schon wissen, wenn er in der Regierung eines der reichsten Länder der Erde sitzt und sich wahrhaftig Sorgen um die wichtigen Dinge machen muss, beispielsweise notleidende Banken, zusammenbrechende Automobilkonzerne, oder was auch immer.

Der einfache Mensch aber, der seinen Lebensunterhalt mit seiner Hände Arbeit verdienen muss, der beschäftigt sich mit dem, was ihn am ehesten berührt und das ist nunmal sein Arbeitsplatz, von dem sowohl sein relativer Wohlstand, als auch seine Sicherheit, sein gesellschaftlicher Stand und ebenso seine Alterssicherung abhängt. Verliert er den Arbeitsplatz, weil andere Menschen (in aller Regel besonders gut bezahlte Menschen) zu dämlich waren das Unternehmen, das sie leiteten, in die Zukunft anstatt in den Abgrund zu führen, verliert er alles, sein Erspartes, seine Selbstachtung (weil ihm aufgehetzte, einfältige Menschen vorwerfen, er sei selbst am Verlsut seines Arbeitsplatzes schuld), seine gesellschaftliche Stellung und nicht selten seine Familie.

Eine bekannte Tatsache ist es in der kapitalistischen Gesellschaft, dass die Arbeitnehmer umso mehr ausgepresst und ausgebeutet werden können, je größer die sogenannte Sockelarbeitslosigkeit ist. Denn je mehr Menschen arbeitslos auf der Straße stehen, desto leichter ist es für die Unternehmer, willige Arbeitnehmer zu finden, die sogar bereit sind, für Dumpinglöhne zu arbeiten, nur um überhaupt einen Job zu haben! Und die regierung sieht dabei tatenlos zu und behauptet, Mindestlöhne würden den Markt zerstören und Arbeitsplätze kosten? Das ist lachhaft. So eine Einstellung kann man nur dann teilen, wenn man auf der Auszahlungsliste einflussreicher Lobbyisten steht und die kümmern sich meist nicht um die Rechte von Arbeitnehmern, sondern darum, dass Konzerne nicht zu hart angegangen werden!

Die Menschen in diesem Land hören also von allen Seiten:

„Wenn Ihr eine Krankenversicherung wollt, die auch wirklich was bezahlt, wenn Ihr mal krank werdet, dann müsst Ihr „Eigenverantwortung“ übernehmen und euch zusätzlich versichern – zusätzlich zu den zusätzlich erhobenen Zusatzbeiträgen!“

„Wer seinen Lebensstandard im Alter halten will, der muss „Eigenverantwortung“ übernehmen und die „Versorgungslücke“ durch eine  zusätzliche Altersvorsorge schließen!“

„Wer arbeitet, der soll sich mit seinem unter der schweren (natürlich völlig unverschuldeten) Wirtschaftkrise leidenden Arbeitgeber solidarisch erklären und Lohnverzicht üben – nur so können die Arbeitsplätze gesichert werden (keine Ahnung wieviele und ob überhaupt), ohne das die Unternehmen ins billigere Ausland abwandern müssen!“

„Wer eine saubere Umwelt will, der muss bereit sein mehr zu zahlen, für Sprit, Strom, Gas und was weiss ich! Der muss weniger Energie verbrauchen und dafür mehr bezahlen! Der muss in Kauf nehmen, dass die „Brückentechnologie“ Atomkraft, mit Technik aus dem letzten Jahrhundert, den Kraftwerksbetreibern Gewinne bis ins nächste Jahrhundert beschert (wo der Atommüll hin soll, der über Jahrzehntausende strahlt, das weiss keiner. Zur Not muss man sich das Zeug auch unter dem eigenen Häuschen verbuddeln lassen – jeder muss eben Opfer bringen)!“

„Wer Freiheit und Demokratie bewahren will (wessen Freiheit ist das eigentlich? Die Freiheit der Konzerne und der Reichen?), der muss seine Söhne bereit sein zu opfern, damit sie für unseren Wohlstand am Hindukusch Krieg führen? Den Terror bekämpfen in Afghanistan und im Irak?“

Das, Ihr lieben Politiker, geht den Menschen im Kopf herum, wenn sie sich Nachts ins Bett legen und versuchen einzuschlafen! Angst macht sie schlaflos, Angst die Arbeit zu verlieren und auf Euch und Hartz IV angewiesen zu sein! Angst, krank zu werden und von der Krankenkasse zu hören:“Det bezahln wa nich, det is zu teuer!“ Angst, im Alter auf Almosen angewiesen zu sein und darauf zu hoffen, dass die Klimaerwärmung wirklich eintritt, weil man sich die Heizkosten nicht mehr leisten kann! Angst, dass die Kinder in einer verseuchten Welt leben müssen, in der Konzerne Flora und Fauna mit gentechnisch veränderten Organismen überschwemmt und mit Patenten zu ihrem Eigentum gemacht haben, wo es kein sauberes Trinkwasser mehr gibt, dass die Menschen sich leisten können, wo die Luft verpestet ist und die Sonne den Menschen nach kurzer Zeit Krebsgeschwüre in die HAut brennt!

Ist es ein Wunder, dass nicht noch mehr Menschen schlecht oder garnicht schlafen können, während Ihr grinsend Steuererleichterungen für Hoteliers durchsetzt und das den Menschen als Fortschritt und soziale Politik verkauft?

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