„Atomkraft ist sicher“

…dies ist das Credo, das wir seit dem Regierungsantritt der schwarzgelben Koalition aus CDU/CSU und FDP unisono zu hören bekommen. In einer beispiellosen Offensive ist es den Lobbies der Stromkonzerne geungen, die Meinung der Regierung zu kaufen (Atomausstieg 2050? Opposition:“Brutaler Lobbyismus“, Artikel auf heute.de vom 26.3.2010). Besonders schön zeigte sich dies in der Hauruck-Aktion, mit der die Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen von 19 auf 7 % gesenkt wurden – merkwürdigerweise nachdem ein großer Hotelkonzern der FDP mehr als eine Million Euro „gespendet“ hat! Umweltpolitik findet nur noch im Rahmen von Schönfärberei und als Alibifunktion statt und ist damit völlig aus dem Blickfeld der Mächtigen entschwunden. Umweltminister Röttgen, der noch aus Gründen der Gesichtswahrung mit ein paar bedeutungslosen Rückzugsgefechten den Atomausstieg propagiert (aber nur so leise, dass man ihn kaum noch hören kann), hat mittlwerweile nichts mehr zu melden. Der „unumkehrbare“ Atomausstieg wird umgekehrt und die Laufzeiten – gemäß dem Wunsch der Betreiber der Atommeiler – vermutlich schon bald bis zum St. Nimmerleinstag verlängert.

Zwar bezeichnet man die Laufzeitverlängerung der Atomkraftnutzung als einen notwendigen Akt um die Zeit zu überbrücken, bis der Energiebedarf zu 100 % aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden könne, erklärt damit die Atomkraft quasi zu einer sogenannten „Brückentechnologie“. Gleichzeitig aber streicht man die Förderung beispielsweise der Solarenergie zusammen und unterstützt die Abholzung von Regenwäldern in der Dritten Welt, um Palmöl zum Verheizen in deutschen Kraftwerken zu gewinnen. Macht das alles irgendeinen Sinn? Kaum anzunehmen!

Wie scheißegal insbesondere den Unionsparteien und erst recht der FDP die Interessen und die Sicherheit der Menschen in diesem Lande sind, zeigt sich in der Tatsache, dass sich bereits unter der Regierung Kohl niemand dafür interessierte, wohin man den radioaktiven Abfall entsorgen soll, der während des reguläre Betriebs der Atommeiler in großer Menge entsteht.  Man schoß sich auf das Salzbergwerk Asse als Endlagerstätte ein und unterdrückte Hinweise darauf, dass dieses für die vorgesehene Endlagerung überhaupt nicht geeignet ist. Selbst als man um 1988 wohl eher zufällig bemerkte, dass Salzlauge von außen in das Bergwerk eindrang und dessen Standfestigkeit gefährdete, wurde vertuscht, unterdrückt, verschwiegen und verleugnet (Atomlager Asse: Regierung Kohl vertuschte Wassereinbruch, Artikel auf Spiegel Online vom 27.3.2010). Die Regierung unter Kohl, der wie man ja weiß, der Meinung war, er stehe über und/oder außerhalb des Gesetzes und dem manche Kräfte in der CDU heute wieder den Ehrenvorsitz der Union antragen wollen, tat das, was sie schon immer am besten konnte – Probleme aussitzen! Diese Praxis lebt bis heute fort und wurde von der Regierung unter Angela Merkel bis zur Perfektion weiter entwickelt! Und um den Energiekonzernen auch weiterhin zu Willen sein zu können, möchte man nun die Laufzeiten verlängern – selbst bei den ältesten Reaktoren – bis diese von ganz allein auseinander fallen (Atompolitik: Koalition erwägt bis zu 60 Jahre Laufzeit, Artikel auf Focus Online vom 26.3.2010).

Da man aber nicht weiß, wohin mit den radioaktiven Abfällen, die während des regulären Betriebes anfallen, sorgt man sich erst recht nicht um die radioaktiv verseuchten Hinterlassenschaften, die es im Fall eines Rückbaus zu entsorgen gilt! Warum auch? Immerhin ist es ja möglich, dass es vorher zu einem GAU passiert. Und dann interessiert sowieso keinen mehr, wo man den Dreck hinbringt!

In ihrer Sinnlosigkeit sind die Entscheidungen der Regierung bislang einzigartig in der Geschichte der Bundesrepublik. Öffentliche Interessen werden, ohne mit der Wimper zu zucken, den Interessen der Wirtschaft, oder gar einzelner Konzerne untergeordnet. Alles und jeder ist käuflich geworden in diesem Land! Begründet wird das mit den Arbeitsplätzen, die die Wirtschaft für die Menschen in diesem Lande schafft – oder eben auch nicht, wie sich gezeigt hat! Die Sockelarbeitslosigkeit steigt immer weiter, die Beschäftigungsverhältnisse werden immer prekärer. Soziale Sicherheit ist zu einer leeren Floskel verkommen. Zugleich aber – wer hätte das gedacht – steigen die Gewinne der Unternehmen beständig und immer weiter an.

Es ist ja nun nicht so, dass die Atomkraft völlig aus der Mode gekommen war. Da seien die fleissigen Lobbyisten vor. Aber es zeigt sich, dass die vielen Millionen Euros, die man so sorgfältig in die Abgeordnetenbüros und die Parteizentralen geschleppt hat, gut angelegt waren. Machen wir uns nix vor. Jeder ist käuflich und es ist eben doch alles nur eine Frage des Preises! Und weil es grad so in Mode ist, wollen Unternehmen und sogar Bill Gates (ja, genau, der Blödmann, der Microsoft erfunden und zu einem Softwaregiganten gemacht hat!) Miniatomreaktoren entwickeln, die „saubere“ und „umweltfreundliche“ Energie produzieren sollen. Man buddelt sie vor seinem Haus im Erdboden ein und wenn die Dinger dann ihren atomaren Brennstoff verbraucht haben und den Geist aufgeben, lässt man die einfach da vergammeln, wo man sie eingegraben hat. Ex und Hopp, oder Wegwerfgesellschaft mal etwas anders? Wie blöd geht´s eigentlich noch? Gibt´s für Idioten wirklich keine Grenzen?

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Der Müllmann in uns!

Angeblich gehört der Wunsch Müllmann zu werden, neben dem Lokführer und dem Astronauten, zu den ersten Berufswünschen, für die sich Jungen im Kindesalter begeistern können. Jedenfalls war das zu meiner Zeit so, was – zugegebenermaßen – schon ein paar Jahre zurück liegt! Und irgendwie hat es etwas für sich, mit einem bestialisch stinkenden großen orangefarbenen Müllauto frühmorgens durch die Stadt zu fahren und beim Entleeren der Abfallbehälter einen Höllenlärm zu veranstalten. Früher war das natürlich viel einfacher als heute, denn da waren die Mülltonnen noch aus Metall. Aber da man den Müllmännern und -frauen einfach nichts gönnt,  schon gar keinen Spass bei der Arbeit, stellt man sie heute aus Kunststoff her!

Mittlerweile bin ich, wie man aus meinen sehnsüchtigen Rückblicken in die gute alte Zeit erraten kann, ein paar Jahre älter geworden. Mein berufliche Entwicklung ging natürlich andere Wege, als ich es mir vorgestellt habe. Müllmann bin ich jedenfalls nicht geworden.  Ganz im Gegenteil, Müllmann/Müllfrau ist heute jeder in unserem Lande. Das hat der Gesetzgeber so eingeführt, indem er die Bürger dazu verpflichtete, ihren Abfall sauber zu trennen, gesondert zu sammeln und ihn in Tonnen von unterschiedlichster Farbe zu entsorgen. Freilich kostet das Geld, und nicht wenig! Aber was tut man nicht alles für die Umwelt und den Schutz der Natur, nicht wahr?

Viele tun es! Manche mit mehr, andere mit weniger Ehrgeiz und wieder andere Menschen denken sich das berühmte Götz-Zitat und schmeißen alles in eine Tonne! Und so besteht ein Gutteil des Lebens eines deutschen Bundesbürgers in der Beschäftigung mit seinem Müll. Denn wer nicht richtig trennt, der muß mit Strafe rechnen, sofern man ihn denn erwischt! Und das wird umso schwieriger, je mehr Menschen im gleichen Haus wohnen wie derjenige, dem das „Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz – KrW-/AbfG)“ am Arsch vorbei geht! Da aber der Deutsche, an und für sich, ein sehr gehorsames Arbeitstier ist, macht er sich nach Feierabend und am Wochenende über seine Abfälle her, sortiert Metalle, Kunststoffe, Papier, vielleicht auch noch Holz, Kork und Kartonagen heraus und trägt diese in die zugehörigen Tonnen. Glas aber, muss er in einem Sonntagsausflug in seinen Bollerwagen packen und mittels eines Gewaltmarsches zum nächstgelegenen Glascontainer zerren – wo er dann meist mit rasch ansteigendem Blutdruck zur Kenntnis nimmt, dass er seine Schnapsflaschen und Marmeladengläser nur zwischen 9:00 und 19:00 Uhr einwerfen darf, aber nicht am Sonntag, weil das die Anlieger stören könnte. Was bleibt dann noch übrig von unserem Abfall? Richtig, der Restmüll und der Biomüll, wobei der Restmüll der Dreck ist, der tropft und stinkt und der Biomüll der organische Überrest unserer Mahlzeiten ist, der aber ebenfalls tropft und stinkt. Den Biomüll tragen wir sodann, voller Eifer und heimlicher Freude darüber, der Natur etwas zurück zu geben, auf den Komposthaufen im Garten, damit sowohl die Ratten, als auch die Fliegenlarven das abbekommen, was ihnen zusteht!

Restmüll und Wertstoffe werden für teures Geld von städtischen oder privaten Entsorgern abgeholt und einer „thermischen Behandlung“ (früher sagte man verbrennen dazu), im Fall des Restmülls und der Wiederverwertung, im Falle der Wertstoffe, zufgeführt werden. Da der Restmüll nun aber ein wertvoller Brennstoff geworden ist, der an die Verbrennungsanlagen verkauft werden kann, verdient der Entsorger also gleich zweimal daran.  Auch die Wertstoffe, nun als Rohstoffe für die Industrie deklariert, werden weiterverkauft und auch hier verdient der Entsorger zum zweiten Mal! So wird aus Dreck Geld, ein wahrhaft kapitalistisches Märchen.

Wir Deutschen sind natürlich stolz auf unser Entsorgungs- und Recyclingsystem.Teilweise auch zu Recht. Was aber mit Giftstoffen, wie z. B. PC-Schrott, Giften, Kunststoffen und Schlämmen, Lacken, Chemikalien, Stäuben aus Filteranlagen der Industrie oder gar atomaren Abfällen (und diese Aufzählung ist bei weitem nicht erschöpfend und nur beispielhaft) geschieht, ist weniger erwähnenswert. Man versenkt den Dreck in irgendwelchen alten Bergwerken wie beispielsweise der Asse (die mittlerweile von Salzlauge überschwemmt wird und deshalb am Absaufen ist) oder, was viel einfacher ist, als falsch deklarierte fracht in Länder dre Dritten welt verschoben wird, wo sie das Grundwasser vegiften, die Luft verpesten und Menschen krank machen! Und überall hat die weltweit operierende Müllmafia ihre Pfoten drin, in friedlicher Koexistenz mit Saubermännern  und Gutmenschen aus der Politik und der Wirtschaft und zu Nutz und Frommen aller, die daran teilhaben!

Freilich, so tiptop dieses Recyclingsystem auf dem Papier und in der Vorstellung der Politiker funktioniert, so unlogisch ist es in der Realität. Prinzipiell geht es hier überhaupt nicht um den Schutz der Umwelt und die Schonung der Ressourcen, sondern um das, was man als die Hauptaufgabe eines jeden kapitalistischen Systems bezeichnen kann – ums Geld machen! Ein bewährtes Sammelsystem wie SERO, wurde durch so dubiose Geldsammelvereine wie Duales System und der Grüne Punkt ersetzt, nicht weil es schlecht war, oder nicht funktionierte, sondern weil es ein Überbleibsel der alten, untergegangenen DDR war – also musste es auch Scheiße sein, ganz klar! Und überall, wo Bares winkt, sind auch klebrige Hände, die geschmiert und mit Scheinchen gefüllt werden wollen. Sonst würden wir nicht in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem leben!

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