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Der Müllmann in uns!


Angeblich gehört der Wunsch Müllmann zu werden, neben dem Lokführer und dem Astronauten, zu den ersten Berufswünschen, für die sich Jungen im Kindesalter begeistern können. Jedenfalls war das zu meiner Zeit so, was – zugegebenermaßen – schon ein paar Jahre zurück liegt! Und irgendwie hat es etwas für sich, mit einem bestialisch stinkenden großen orangefarbenen Müllauto frühmorgens durch die Stadt zu fahren und beim Entleeren der Abfallbehälter einen Höllenlärm zu veranstalten. Früher war das natürlich viel einfacher als heute, denn da waren die Mülltonnen noch aus Metall. Aber da man den Müllmännern und -frauen einfach nichts gönnt,  schon gar keinen Spass bei der Arbeit, stellt man sie heute aus Kunststoff her!

Mittlerweile bin ich, wie man aus meinen sehnsüchtigen Rückblicken in die gute alte Zeit erraten kann, ein paar Jahre älter geworden. Mein berufliche Entwicklung ging natürlich andere Wege, als ich es mir vorgestellt habe. Müllmann bin ich jedenfalls nicht geworden.  Ganz im Gegenteil, Müllmann/Müllfrau ist heute jeder in unserem Lande. Das hat der Gesetzgeber so eingeführt, indem er die Bürger dazu verpflichtete, ihren Abfall sauber zu trennen, gesondert zu sammeln und ihn in Tonnen von unterschiedlichster Farbe zu entsorgen. Freilich kostet das Geld, und nicht wenig! Aber was tut man nicht alles für die Umwelt und den Schutz der Natur, nicht wahr?

Viele tun es! Manche mit mehr, andere mit weniger Ehrgeiz und wieder andere Menschen denken sich das berühmte Götz-Zitat und schmeißen alles in eine Tonne! Und so besteht ein Gutteil des Lebens eines deutschen Bundesbürgers in der Beschäftigung mit seinem Müll. Denn wer nicht richtig trennt, der muß mit Strafe rechnen, sofern man ihn denn erwischt! Und das wird umso schwieriger, je mehr Menschen im gleichen Haus wohnen wie derjenige, dem das „Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz – KrW-/AbfG)“ am Arsch vorbei geht! Da aber der Deutsche, an und für sich, ein sehr gehorsames Arbeitstier ist, macht er sich nach Feierabend und am Wochenende über seine Abfälle her, sortiert Metalle, Kunststoffe, Papier, vielleicht auch noch Holz, Kork und Kartonagen heraus und trägt diese in die zugehörigen Tonnen. Glas aber, muss er in einem Sonntagsausflug in seinen Bollerwagen packen und mittels eines Gewaltmarsches zum nächstgelegenen Glascontainer zerren – wo er dann meist mit rasch ansteigendem Blutdruck zur Kenntnis nimmt, dass er seine Schnapsflaschen und Marmeladengläser nur zwischen 9:00 und 19:00 Uhr einwerfen darf, aber nicht am Sonntag, weil das die Anlieger stören könnte. Was bleibt dann noch übrig von unserem Abfall? Richtig, der Restmüll und der Biomüll, wobei der Restmüll der Dreck ist, der tropft und stinkt und der Biomüll der organische Überrest unserer Mahlzeiten ist, der aber ebenfalls tropft und stinkt. Den Biomüll tragen wir sodann, voller Eifer und heimlicher Freude darüber, der Natur etwas zurück zu geben, auf den Komposthaufen im Garten, damit sowohl die Ratten, als auch die Fliegenlarven das abbekommen, was ihnen zusteht!

Restmüll und Wertstoffe werden für teures Geld von städtischen oder privaten Entsorgern abgeholt und einer „thermischen Behandlung“ (früher sagte man verbrennen dazu), im Fall des Restmülls und der Wiederverwertung, im Falle der Wertstoffe, zufgeführt werden. Da der Restmüll nun aber ein wertvoller Brennstoff geworden ist, der an die Verbrennungsanlagen verkauft werden kann, verdient der Entsorger also gleich zweimal daran.  Auch die Wertstoffe, nun als Rohstoffe für die Industrie deklariert, werden weiterverkauft und auch hier verdient der Entsorger zum zweiten Mal! So wird aus Dreck Geld, ein wahrhaft kapitalistisches Märchen.

Wir Deutschen sind natürlich stolz auf unser Entsorgungs- und Recyclingsystem.Teilweise auch zu Recht. Was aber mit Giftstoffen, wie z. B. PC-Schrott, Giften, Kunststoffen und Schlämmen, Lacken, Chemikalien, Stäuben aus Filteranlagen der Industrie oder gar atomaren Abfällen (und diese Aufzählung ist bei weitem nicht erschöpfend und nur beispielhaft) geschieht, ist weniger erwähnenswert. Man versenkt den Dreck in irgendwelchen alten Bergwerken wie beispielsweise der Asse (die mittlerweile von Salzlauge überschwemmt wird und deshalb am Absaufen ist) oder, was viel einfacher ist, als falsch deklarierte fracht in Länder dre Dritten welt verschoben wird, wo sie das Grundwasser vegiften, die Luft verpesten und Menschen krank machen! Und überall hat die weltweit operierende Müllmafia ihre Pfoten drin, in friedlicher Koexistenz mit Saubermännern  und Gutmenschen aus der Politik und der Wirtschaft und zu Nutz und Frommen aller, die daran teilhaben!

Freilich, so tiptop dieses Recyclingsystem auf dem Papier und in der Vorstellung der Politiker funktioniert, so unlogisch ist es in der Realität. Prinzipiell geht es hier überhaupt nicht um den Schutz der Umwelt und die Schonung der Ressourcen, sondern um das, was man als die Hauptaufgabe eines jeden kapitalistischen Systems bezeichnen kann – ums Geld machen! Ein bewährtes Sammelsystem wie SERO, wurde durch so dubiose Geldsammelvereine wie Duales System und der Grüne Punkt ersetzt, nicht weil es schlecht war, oder nicht funktionierte, sondern weil es ein Überbleibsel der alten, untergegangenen DDR war – also musste es auch Scheiße sein, ganz klar! Und überall, wo Bares winkt, sind auch klebrige Hände, die geschmiert und mit Scheinchen gefüllt werden wollen. Sonst würden wir nicht in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem leben!

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3 thoughts on “Der Müllmann in uns!

  1. Das mit der Mülltrennung ist gar nicht so einfach – wo ich früher gewohnt habe wurde mit dem Papier auch Karton gesammelt und in den gelben Sack durften neben Kunststoff- auch Holzverpackungen, Styropor usw. Jetzt wohne ich nur ein paar Kilometer weiter, aber in einem anderen Bundesland und da darf in die rote Tonne ausschließlich Papier und in die gelbe Tonne ausschließlich Kunststoffgetränkeflaschen.
    Aber ich bemüh mich zu trennen, bzw. zu vermeiden, obwohl das beim Plastik gar nicht so einfach ist.
    Alles Gute

  2. Grüß Dich Gernot,

    ja, offenbar kann das jede Kommune handeln wie sie will, was es weder leichter, noch irgendwie logischer und für die Menschen verständlicher macht! Am Ende ist es aber doch so, dass der Einzelne Arbeit leistet (durch das trennen und getrennt entsorgen), deren Profit – wie so oft – Unternehmen einstecken, die die Rohstoffe und das Recyclingmaterial verwerten. Hat die Gesellschaft etwas davon? Nein, denn problematische Abfälle werden ja nach wie vor nur zum Teil recycelt, ansonsten aber viel lieber nach Afrika und Asien exportiert. Auch das selbstverständlich mit Gewinn für die beteiligten Unternehmen und die Müllmafia, aber zum schaden der Menschen in den Ländern, wo der Dreck landet.
    Hat die Umwelt was davon? Auch das bezweifle ich, denn nach wie vor wird längst nicht alles wieder verwertet, was man wieder verwerten könnte. Niemand verpflichtet die Hersteller, bereits bei der Kontruktion darauf zu achten und dafür Sorge zu tragen, dass nur recycelbare MAterialien zum Einsatz kommen und weder bei der herstellung noch bei der Wiederverwertung die Umwelt geschädigt wird. Aber das kostet Geld, das der Staat nicht bereit ist, den Unternehmen abzupressen! Also tun sie´s nicht.
    Unser Weg hin zu einer Recyclinggesellschaft ist noch sehr weit. Aber wir müssen ihn gehn, wenn wir nicht an unserer Dummheit ersticken wollen!

    Ein schönes Wochenende wünscht Dir Andrej

  3. Da gebe ich Dir vollkommen Recht. Aus diesem Grunde ist es wichtig die Würde des Menschen wieder in den Blick zu bekommen und jede Kleinigkeit wieder die ein Mensch in diese Richtung tut anzuerkennen und zu loben.
    Es gilt ein Umdenken anzustreben weg von einem wenn – dann Denken linear, hin zu einem sowohl als auch Kreis – bzw. Spiralförmigen Denken.
    Dabei gilt es immer den drohenden Tod im Auge zu behalten, egal ob wir jetzt im Müll ersticken oder ob wir die Einsicht gewinnen, wie heute morgen in den Nachrichten verkündet, dass Deutschland nach den USA und Russland an dritter Stelle der Waffenexporteure gilt und die Waffenproduktion sich seit 2000 in unserem Land verdoppelt hat und die Türkei der Hauptabnehmer ist. Dieser tödliche Kreislauf muss erkannt und durchbrochen werden.

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