Antreten zum Verändern der Welt! (Das Fahrrad als urbanes Verkehrsmittel der Zukunft)

Wie kann man die Verkehrsprobleme in Städten und städtischen Ballungsräumen eigentlich wirksam angehen und möglicherweise sogar lösen? Diese Frage beschäftigt nicht nur Forscher und Stadtplaner, sondern hin und wieder ganz gewöhnliche Menschen wie euch, oder auch mich und so mache ich mir beständig meine Gedanken zum Thema, die sich dann in solchen Blog-Artikeln wie diesem hier nieder schlagen.

In Städten und städtischen Ballungsräumen haben wir als wichtigstes Problem vor allem das des beschränkten Platzes. Häuser Läden, teilweise Unternehmen und industrielle Fertigungsanlagen, drängen sich auf engstem Raumzusammen und teilen sich den wenigen Platz auch noch mit Rad- und Gehwegen, Straßen, Plätzen, Parks und Parkplätzen (die in meinen Augen eine besondere Verschwendung sind), sowie mehr oder weniger umfangreichen Schienennetzen des öffentlichen Personennah- und Personen- und Güterfernverkehrs.

Während Rad- und Gehwege wenigstens dauerhaft genutzt werden, indem Menschen darauf Rad fahren oder laufen, während auf Straßen rund um die Uhr der motorisierte Individualverkehr tobt und daneben auch die vielfältigen logistischen Aufgaben einer Stadt zu bewältigen haben (Ver- und Entsorgung z. B.), Plätze und Parks der Naherholung und der Verbesserung des Mikroklimas dienen, wird ein großer Teil des zur Verfügung stehenden städtischen Raumes durch parkende und damit nicht genutzte Autos voll gestellt. Sie stehen einfach nur rum und nehmen Platz weg, der sicher sinnvoller genutzt werden könnte.

Doch damit nicht genug. Wochentäglich findet außerdem eine regelrechte Völkerwanderung von Menschen statt, die entweder außerhalb der Stadt „im Grünen“ wohnen (und so zur Zersiedelung der Landschaft beitragen) und in der Stadt arbeiten, oder umgekehrt. Selbst wenn diese vielen Menschen vernünftigerweise öffentliche Verkehrsmittel nutzten, auch die Öffis verbrauchen mit ihrer Infrastruktur jede Menge Platz in der Stadt. Jedenfalls wenn sie oberirdisch verkehren.

Verlegt man sie unter die Erde, muss man jede Menge Geld in die Hand nehmen (ein besonders „schönes“…äh…krasses Beispiel dafür ist Stuttgart 21 – Stuttgart: eindeutige Ablehnung von Stuttgart 21, Artikel auf SDR.de vom 8.9.2010) und man kann mit Sicherheit davon ausgehe, dass der an der Oberfläche gewonnene Platz nicht zur Hebung der Lebensqualität in den Städten genutzt, wohl aber den Wünschen der Automobillobby geopfert werden wird! Von den jahrelangen Baustellen mitten in der Stadt mal ganz abgesehen.

Bleiben die Öffis oberirdisch, so nehmen die Streckennetze durch den ständig wachsenden Fahrgaststrom derartige Ausmaße an, dass für andere Verkehrsteilnehmer kaum noch Platz übrig bleibt! Die immer enger getakteten Fahrzeuge auf den Linien (sowieso stets zu klein und darum immer hoffnungslos überfüllt) lassen anderen Verkehrsteilnehmern kaum eine Chance die Strecken zu überqueren. Die Unfallgefahr steigt rapide an. Gibt es dann noch technische Probleme wie z. B. mit den jedes Jahr auf´s neue völlig überraschend auftretenden winterlichen Straßen- und Verkehrsverhältnissen, gerät oft das gesamte System aus dem Takt und droht zu kollabieren!

Was also tun? Individualverkehr? Will jeder! Aber bei der Nutzung von Autos, schleppt man in der Regel ca. 1 Tonne besten Stahl und 4-5 Sitzplätze nebst enormem Stauraum mit sich herum, obwohl man meist allein im Fahrzeug sitzt. Was für eine Verschwendung von kostbaren und teuren fossilen Energieträgern? Was für eine Vergewaltigung des Weltklimas?

Der Platz wird immer knapper, der Treibstoff immer teurer und die Öffis immer voller!

Will man nun den Verkehr in der Stadt reduzieren, so kann dies eigentlich nur beim motorisierten Individualverkehr sinnvoll sein. Der umweltfreundliche und -schonende öffentlcihe Nahverkehr kann und darf dabei nicht eingeschränkt werden!. Im Gegenteil muss er deutlich ausgebaut, mehr in die Fläche gehen und billiger werden. Daneben müssen auch Möglichkeiten geschaffen werden, die auch den öffentlichen Nahverkehr individueller gestalten, beispielsweise durch mehr und kleinere Fahrzeuge (macht sicher mehr Sinn, als wenige sehr große Züge auf wenigen Strecken). Freilich erfordert auch dies zunächst hohe Investitionen vor allem in Forschung und Entwicklung (denn bisher ging der Trend immer nur in Rrichtung „Größer, Schneller, Teurer“!). In diesem Bereich stehen wir noch weitgehend am Anfang und nur ein paar „spinnerte“ Profs an einigen wenigen Hochschulen setzen sich bisher mit solchen individuellen Massenverkehrssystemen auseinander. Über das Experimentierstadium ist man meines Wissens aber noch nicht hinaus gekommen!

Also suchen wir nach Alternativen, die klein, billig, schnell verfügbar, dazu komfortabel und leicht zu fahren sind. Daneben sollen sie natürlich kostengünstig herzustellen, zu warten und zu reparieren sein!

Dieses Lastenheft lässt einen aufgeklärten Menschen eigentlich sofort an eine der genialsten Erfindungen in der Menschheitsgeschichte denken – das Fahrrad! (225. Geburtstag! Karl Drais – Der Mann, der das Fahrrad erfand; Artikel auf WeltOnline vom 29.4.2010)

Fahrräder gibt es in allen nur denkbaren Varianten, für alle vorstellbaren Einsatzgebiete. Es ist kostengünstig herzustellen, kann aber auch, in Handarbeit hergestellt in edlen Manufakturen mehrere tausend bis zehntausen Euro kosten!

Es gibt Liegeräder, die besonders geeignet sind für höhere Geschwindigkeiten und Langstrecken. Für Outdoor-Freaks bieten sich Mountainbikes zum Offroadeinsatz an. Citybikes und Cruiser erlauben ein entspanntes Radeln in der Stadt.

Lastenfahrrad

Lastenräder, die Arbeitstiere unter den Fahrrädern (oder neudeutsch Cargo- oder Workbikes) genügen den Ansprüchen großer Familien mit kleinen Kindern und dürften auch kleine Gewerbetreibende zufrieden stellen können.

Für die Freunde extremerer Designs finden sich alle möglichen Arten von Choppern

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Orange Tequila Sunrise von Jason Battersby

und in Kleinserien gebaute Räder, die einem Fan das Auge tränen lassen, denn leider hat man nur einen Hintern, den man auf ein Bike setzen kann. Schade eigentlich, bei der Auswahl an fahrbaren Untersätzen.

In den letzten Jahren kamen die sogenannten Pedelecs, Fahrräder mit elektrischem Hilfsantrieb immer mehr in den Focus vor allem des Genussradlers, denn unabhängig von Wind und Steigungen erlauben die von Akkus gespeisten Elektromotoren ein sehr entspanntes und komfortables Fahren, auch für die etwas älteren Semester unter uns. Aber die Zeiten, als das Pedelec aussah und sich auch so fuhr wie ein Krankenkassenrollstuhl von der Gesetzlichen, sind lange vorbei! Auch Fahrraddesigner sind lernfähig wie wie man sieht.

Zwar kann man auch hier noch viel tun, aber man ist auf einem guten Weg. Die Entwicklung des Fahrrads zu einem wichtigen, wenn nicht dem wichtigsten individuellen urbanen Verkehrsmittel der Zukunft ist noch lange nicht zu Ende. Sie hat gerade erst begonnen.

Die Entwicklung leistungsfähiger Akkus schreitet ebenfalls zügig voran und je nach Wetter, Topografie des Geländes, Temperatur und Windverhältnissen, sind zwischen 30 und bis zu 100 km Rechweite keine Utopie mehr. Natürlich spielt auch eine Rolle, wieviel man für sein Bike auszugeben bereit und in der Lage ist.

Der Möglichkeiten als Verkehrsmittel sind dem Fahrrad und den von dieser Grundkonstruktion abgeleiteten Derivaten fast unbegrenzt. Ein-, zwei-, drei- und vierrädrige Fahrzeuge mit elektrounterstütztem Muskelantrieb gibt es heute schon in allen Variationen. Ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen. Noch etwas mehr Mut der Designer und der Hersteller und ein „bisschen“ mehr Unterstützung für dies umweltfreundlichste Art der individuellen Fortbewegung durch die Politik, wären sehr hilfreich.

Three-wheeler von Matias Conti

Three-wheeler Design-Studie von Matias Conti

Man darf nicht immer nur das Auto als Hauptverkehrsmittel sehen, dem es den Weg sprichwörtlich zu ebnen gilt. Das Auto ist groß, laut, teuer und verbraucht viel zuviel Platz und kostbare Energie! Die Kommunen müssen die Radverkehrswege massiv ausbauen und den Radfahrern die Möglichkeit geben, jeden Ort einer Stadt in angemessener Zeit und auf ordentlichen Straßen speziell für die Nutzer dieser elektrounterstützten Muskelkraftfahrzeuge zu erreichen. Dann werden auch viel mehr Menschen als heute diese umweltfreundlichen Alternativen zur Fortbewegung nutzen. Auch zwischen größeren Städten muss es radtaugliche Verbindungsstraßen geben, quasi Radautobahnen also, auf denen ein angenehmes Fahren langer Strecken gewährleistet ist, mit Rastplätzen, Ausschilderungen und Notrufeinrichtungen.

Wie man sieht, ist die Lösung der Verkehrsprobleme in den Städten und städtischen Ballungsräumen eigentlich garnicht sooo schwer. Vorausgesetzt, man legt sich nicht frühzeitig auf das Auto als Träger des Individualverkehrs fest und richtet die gesamte Infrastruktur und Verkehrsführung danach aus! Die Möglichkeiten das zu ändern gibt es schon, aber der politische Wille fehlt…bislang! Nur einige wenige Städte haben sich bislang der Radfahrer angenommen und nehmen deren Bedürfnisse ernst. Freiburg im Breisgau ist ein von ihnen (allerdings wird diese Einstellung nicht von allen Radfahrern in Freiburg geteilt).

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