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Antreten zum Verändern der Welt! (Das Fahrrad als urbanes Verkehrsmittel der Zukunft)


Wie kann man die Verkehrsprobleme in Städten und städtischen Ballungsräumen eigentlich wirksam angehen und möglicherweise sogar lösen? Diese Frage beschäftigt nicht nur Forscher und Stadtplaner, sondern hin und wieder ganz gewöhnliche Menschen wie euch, oder auch mich und so mache ich mir beständig meine Gedanken zum Thema, die sich dann in solchen Blog-Artikeln wie diesem hier nieder schlagen.

In Städten und städtischen Ballungsräumen haben wir als wichtigstes Problem vor allem das des beschränkten Platzes. Häuser Läden, teilweise Unternehmen und industrielle Fertigungsanlagen, drängen sich auf engstem Raumzusammen und teilen sich den wenigen Platz auch noch mit Rad- und Gehwegen, Straßen, Plätzen, Parks und Parkplätzen (die in meinen Augen eine besondere Verschwendung sind), sowie mehr oder weniger umfangreichen Schienennetzen des öffentlichen Personennah- und Personen- und Güterfernverkehrs.

Während Rad- und Gehwege wenigstens dauerhaft genutzt werden, indem Menschen darauf Rad fahren oder laufen, während auf Straßen rund um die Uhr der motorisierte Individualverkehr tobt und daneben auch die vielfältigen logistischen Aufgaben einer Stadt zu bewältigen haben (Ver- und Entsorgung z. B.), Plätze und Parks der Naherholung und der Verbesserung des Mikroklimas dienen, wird ein großer Teil des zur Verfügung stehenden städtischen Raumes durch parkende und damit nicht genutzte Autos voll gestellt. Sie stehen einfach nur rum und nehmen Platz weg, der sicher sinnvoller genutzt werden könnte.

Doch damit nicht genug. Wochentäglich findet außerdem eine regelrechte Völkerwanderung von Menschen statt, die entweder außerhalb der Stadt „im Grünen“ wohnen (und so zur Zersiedelung der Landschaft beitragen) und in der Stadt arbeiten, oder umgekehrt. Selbst wenn diese vielen Menschen vernünftigerweise öffentliche Verkehrsmittel nutzten, auch die Öffis verbrauchen mit ihrer Infrastruktur jede Menge Platz in der Stadt. Jedenfalls wenn sie oberirdisch verkehren.

Verlegt man sie unter die Erde, muss man jede Menge Geld in die Hand nehmen (ein besonders „schönes“…äh…krasses Beispiel dafür ist Stuttgart 21 – Stuttgart: eindeutige Ablehnung von Stuttgart 21, Artikel auf SDR.de vom 8.9.2010) und man kann mit Sicherheit davon ausgehe, dass der an der Oberfläche gewonnene Platz nicht zur Hebung der Lebensqualität in den Städten genutzt, wohl aber den Wünschen der Automobillobby geopfert werden wird! Von den jahrelangen Baustellen mitten in der Stadt mal ganz abgesehen.

Bleiben die Öffis oberirdisch, so nehmen die Streckennetze durch den ständig wachsenden Fahrgaststrom derartige Ausmaße an, dass für andere Verkehrsteilnehmer kaum noch Platz übrig bleibt! Die immer enger getakteten Fahrzeuge auf den Linien (sowieso stets zu klein und darum immer hoffnungslos überfüllt) lassen anderen Verkehrsteilnehmern kaum eine Chance die Strecken zu überqueren. Die Unfallgefahr steigt rapide an. Gibt es dann noch technische Probleme wie z. B. mit den jedes Jahr auf´s neue völlig überraschend auftretenden winterlichen Straßen- und Verkehrsverhältnissen, gerät oft das gesamte System aus dem Takt und droht zu kollabieren!

Was also tun? Individualverkehr? Will jeder! Aber bei der Nutzung von Autos, schleppt man in der Regel ca. 1 Tonne besten Stahl und 4-5 Sitzplätze nebst enormem Stauraum mit sich herum, obwohl man meist allein im Fahrzeug sitzt. Was für eine Verschwendung von kostbaren und teuren fossilen Energieträgern? Was für eine Vergewaltigung des Weltklimas?

Der Platz wird immer knapper, der Treibstoff immer teurer und die Öffis immer voller!

Will man nun den Verkehr in der Stadt reduzieren, so kann dies eigentlich nur beim motorisierten Individualverkehr sinnvoll sein. Der umweltfreundliche und -schonende öffentlcihe Nahverkehr kann und darf dabei nicht eingeschränkt werden!. Im Gegenteil muss er deutlich ausgebaut, mehr in die Fläche gehen und billiger werden. Daneben müssen auch Möglichkeiten geschaffen werden, die auch den öffentlichen Nahverkehr individueller gestalten, beispielsweise durch mehr und kleinere Fahrzeuge (macht sicher mehr Sinn, als wenige sehr große Züge auf wenigen Strecken). Freilich erfordert auch dies zunächst hohe Investitionen vor allem in Forschung und Entwicklung (denn bisher ging der Trend immer nur in Rrichtung „Größer, Schneller, Teurer“!). In diesem Bereich stehen wir noch weitgehend am Anfang und nur ein paar „spinnerte“ Profs an einigen wenigen Hochschulen setzen sich bisher mit solchen individuellen Massenverkehrssystemen auseinander. Über das Experimentierstadium ist man meines Wissens aber noch nicht hinaus gekommen!

Also suchen wir nach Alternativen, die klein, billig, schnell verfügbar, dazu komfortabel und leicht zu fahren sind. Daneben sollen sie natürlich kostengünstig herzustellen, zu warten und zu reparieren sein!

Dieses Lastenheft lässt einen aufgeklärten Menschen eigentlich sofort an eine der genialsten Erfindungen in der Menschheitsgeschichte denken – das Fahrrad! (225. Geburtstag! Karl Drais – Der Mann, der das Fahrrad erfand; Artikel auf WeltOnline vom 29.4.2010)

Fahrräder gibt es in allen nur denkbaren Varianten, für alle vorstellbaren Einsatzgebiete. Es ist kostengünstig herzustellen, kann aber auch, in Handarbeit hergestellt in edlen Manufakturen mehrere tausend bis zehntausen Euro kosten!

Es gibt Liegeräder, die besonders geeignet sind für höhere Geschwindigkeiten und Langstrecken. Für Outdoor-Freaks bieten sich Mountainbikes zum Offroadeinsatz an. Citybikes und Cruiser erlauben ein entspanntes Radeln in der Stadt.

Lastenfahrrad

Lastenräder, die Arbeitstiere unter den Fahrrädern (oder neudeutsch Cargo- oder Workbikes) genügen den Ansprüchen großer Familien mit kleinen Kindern und dürften auch kleine Gewerbetreibende zufrieden stellen können.

Für die Freunde extremerer Designs finden sich alle möglichen Arten von Choppern

beachcruiser-orange-tequila-sunrise-jason-battersby

Orange Tequila Sunrise von Jason Battersby

und in Kleinserien gebaute Räder, die einem Fan das Auge tränen lassen, denn leider hat man nur einen Hintern, den man auf ein Bike setzen kann. Schade eigentlich, bei der Auswahl an fahrbaren Untersätzen.

In den letzten Jahren kamen die sogenannten Pedelecs, Fahrräder mit elektrischem Hilfsantrieb immer mehr in den Focus vor allem des Genussradlers, denn unabhängig von Wind und Steigungen erlauben die von Akkus gespeisten Elektromotoren ein sehr entspanntes und komfortables Fahren, auch für die etwas älteren Semester unter uns. Aber die Zeiten, als das Pedelec aussah und sich auch so fuhr wie ein Krankenkassenrollstuhl von der Gesetzlichen, sind lange vorbei! Auch Fahrraddesigner sind lernfähig wie wie man sieht.

Zwar kann man auch hier noch viel tun, aber man ist auf einem guten Weg. Die Entwicklung des Fahrrads zu einem wichtigen, wenn nicht dem wichtigsten individuellen urbanen Verkehrsmittel der Zukunft ist noch lange nicht zu Ende. Sie hat gerade erst begonnen.

Die Entwicklung leistungsfähiger Akkus schreitet ebenfalls zügig voran und je nach Wetter, Topografie des Geländes, Temperatur und Windverhältnissen, sind zwischen 30 und bis zu 100 km Rechweite keine Utopie mehr. Natürlich spielt auch eine Rolle, wieviel man für sein Bike auszugeben bereit und in der Lage ist.

Der Möglichkeiten als Verkehrsmittel sind dem Fahrrad und den von dieser Grundkonstruktion abgeleiteten Derivaten fast unbegrenzt. Ein-, zwei-, drei- und vierrädrige Fahrzeuge mit elektrounterstütztem Muskelantrieb gibt es heute schon in allen Variationen. Ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen. Noch etwas mehr Mut der Designer und der Hersteller und ein „bisschen“ mehr Unterstützung für dies umweltfreundlichste Art der individuellen Fortbewegung durch die Politik, wären sehr hilfreich.

Three-wheeler von Matias Conti

Three-wheeler Design-Studie von Matias Conti

Man darf nicht immer nur das Auto als Hauptverkehrsmittel sehen, dem es den Weg sprichwörtlich zu ebnen gilt. Das Auto ist groß, laut, teuer und verbraucht viel zuviel Platz und kostbare Energie! Die Kommunen müssen die Radverkehrswege massiv ausbauen und den Radfahrern die Möglichkeit geben, jeden Ort einer Stadt in angemessener Zeit und auf ordentlichen Straßen speziell für die Nutzer dieser elektrounterstützten Muskelkraftfahrzeuge zu erreichen. Dann werden auch viel mehr Menschen als heute diese umweltfreundlichen Alternativen zur Fortbewegung nutzen. Auch zwischen größeren Städten muss es radtaugliche Verbindungsstraßen geben, quasi Radautobahnen also, auf denen ein angenehmes Fahren langer Strecken gewährleistet ist, mit Rastplätzen, Ausschilderungen und Notrufeinrichtungen.

Wie man sieht, ist die Lösung der Verkehrsprobleme in den Städten und städtischen Ballungsräumen eigentlich garnicht sooo schwer. Vorausgesetzt, man legt sich nicht frühzeitig auf das Auto als Träger des Individualverkehrs fest und richtet die gesamte Infrastruktur und Verkehrsführung danach aus! Die Möglichkeiten das zu ändern gibt es schon, aber der politische Wille fehlt…bislang! Nur einige wenige Städte haben sich bislang der Radfahrer angenommen und nehmen deren Bedürfnisse ernst. Freiburg im Breisgau ist ein von ihnen (allerdings wird diese Einstellung nicht von allen Radfahrern in Freiburg geteilt).

weiterführende Links:

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10 Kommentare zu “Antreten zum Verändern der Welt! (Das Fahrrad als urbanes Verkehrsmittel der Zukunft)

  1. Wow! Was für en geiler Beitrag! Sehe ich erst jetzt. Wunderbar zusammengefasst! Das Fahrrad ist die Lösung für etliche der großen Probeme der Menschheit, im Großen wie im Kleinen. Zukünftige Generation werden nicht verstehen können warum die Menschen freiwillig ihre Städte verstopften, ihre Kinder opferten und den Planeten als ganzes vergifteteten während sie selbst fett und krank wurden! Wie absurd ist das denn auch? Ich kanns auch kaum begreifen.

    • Danke Tadeusz,

      sowohl dein Kompliment, als auch dein Kommentar, erfreuen sehr des alten Bloggers Herz, der ich bin! Ja, es is schon ein Kreuz mit dem motorisierten Individualverkehr, der – um es mal ganz krass zu formulieren – die Städte und die Landschaft nicht nur verschandelt, sondern in kleine Fetzen zerschneidet und für die Natur und Flora und Fauna ein schier unüberwindliches Hindernis darstellt. das gilt besonders für die Autobahnen und mehrspurige Schnellstrassen.
      Das selbe gilt, auch wenn mich passionierte Wintersportler für diese Aussage steinigen würden, wenn sie denn die Gelegenheit hätten, für die Skipisten, die die Alpen, aber auch die Mittelgebirge großflächig planieren und mit dazu beitragen, das es kaum noch unberührte Rückzugsgebiete für die Natur gibt! Alles wird ratzfatz versiegelt, die Niederschläge fliessen immer schneller und in immer größeren Mengen in die Bäche und Flüsse ab und die Menschen wundern sich doch tatsächlich, warum fast jedes Jahr auf´s Neue eine Jahrhundertflut durch die begradigten Wasserläufe und zugebauten Flusstäler meerwärts rauscht und alles mit sich reisst, was nicht niet und nagelfest ist!
      Das Hauptsproblem stellt aber, wie gesagt, der motorisierte Individualverkehr dar. 1.500 – 2.000 kg Stahl und Plastik müssen bewegt werden, um einen dicken Arsch von „A“ nach „B“ zu transportieren, der weit umweltbewusster und gesünder mit dem Rad (auch mit dem E-Bike, dem Pedelec, oder dem coolen Liegerad) befördert werden könnte! Naja, die Bequemlichkeit und das Bedürfniss, die zu kurz geratene Manneszierde durch einen 550-PS-Cayenne zu kompensieren, scheint ungebrochen. Hoffen wir, dass die Menschen vernünftig werden, bevor von unserer Erde nur noch Autobahnen und Parkplätze für SUV´s übrig sind!

      Liebe Grüße sendet Andrej 😉

  2. Ich sage immer „echte Männer“ brauchen keinen Motor, die haben genug Kraft. Das Auto ist doch der Rollstuhl des gesunden Menschen.

    Ich würde Autos ja nicht komplett abschaffen. Taxis, Car Sharing und Mietautos machen ja Sinn, selbst das Auto in der Garage für den Sonntagsausflug. Aber das tägliche pendeln, einkaufen extra weit weg vor der Stadt und das Rasen auf den Autobahnen ist odh Wahnsinn.

    Wenn die Wagen dann allesamt elektrisch fahren würden ginge das auch schon, mit Ökostrom natürlich. Die Innenstädte sollten für Autos geschlossen werden (ausser Lieferfahrzeuge, Behinderte, Ärzte etc. vielleicht).

    Öffentliche Verkehrsmittel sollten gratis sein, das gibt es in manchen Gemeinden schon und die leben buchstäblich auf, auch finanziell.

    • Absolut richtig, Tadeusz, da bleibt mir fast nichts mehr hinzu zu fügen. Genauso ist es. Aber wie man sieht, werden Bestrebungen, das Auto als Individualverkehrsmittel Nr. 1 durch vernünftige (sowohl umwelt-, wie auch gesellschaftspolitisch) Alternativen abzulösen, ständig konterkarriert. Gestern z. B. hat der gute Herr Ramsauer lauthalt verkündet, die LKW-Maut (die ja bekanntlich auf Ausweichstrecken ausgeweitet werden soll) künftig komplett in die Strassenbau und -unterhalt fließen zu lassen, denn dafür sei sie ja da! Bisher wurde wenigstens ein Teil davon in die Schieneninfrastruktur investiert, aber das scheint nunmehr überflüssig geworden zu sein, da man bereits jahrelang und nun wieder verstärkt über die Zulassung der sogenannten „Gigaliner“ nachdenkt! Verlagerung des Transortverkehrs auf die Schiene? Das war wohl mal und man darf schon mal darüber spekulieren, wer da schon wieder mit seinen pekuniär gut ausgestatteten Lobbyisten erfolgreich die Politik infiltriert und geschmiert hat. denn bekanntlich fährt ja gerade der gut, der gut schmiert, in des Wortes doppeltem Sinne.
      Auf jeden Fall ist dieser Bereich ein Themenkomplex, über den es sich zu diskutieren lohnt, auch und vor allem mit der Politik. Das Stuttgart 21-Theater zeigt ja deutlich, dass die Politik nur eine Sprache versteht und die heisst:“Reisst Euer Maul auf und sagt was Ihr wollt! Und wenn Ihr laut genug seid, dann hört man Euch zumindest mal zu!“
      In dem Sinne wünsche ich Dir ein wunderschönes Wochenende,

      Andrej 😉

  3. Ich fahre selbst viel Rad, aber wenn es regnet, oder wenn es wie jetzt wieder kalt wird, lasse ich das lieber. Öffentliche Verkehrsmittel sind toll, aber am liebsten ist es mir, wenn ich gar nicht mobil sein muss, weil das was ich brauche in meiner Nähe vorhanden ist.
    Ein Einkaufscenter draußen vor der Stadt gehört für mich nicht dazu. Ein Geschäft, ein Lokal, eine Bank oder die Post in Gehweite hat was und wenn dann der Arbeitsplatz auch nicht am anderen Ende der Welt liegt erübrigen sich viele Wege.
    Aber nach alter, überkommener Wirtschaftsrechnung erhöht ja das Herumkarren, das Kreuz-und-quer-liefern die Gesamtwirtschaftsleistung und damit ja den Wohlstand – welch ein Hohn.

    Gerade haben sie hier in Wien einen „tollen“ Radweg eröffnet. Im Flußbett der Wien, weit weg von Autos – nur, der Weg ist seit heute bis Ende März gesperrt – egal wie das Wetter und die Bedingungen sind.
    Und mit dem Zug brauche ich heute (fast 30(!) Jahre später) länger zu meinen Eltern, als zu meiner Schulzeit.

    Ach, da läuft so Vieles falsch – ich könnt‘ mich nur aufregen 😉
    Drum lass ich es und wünsch dir noch einen schönen Tag.

    • Danke für Deinen Besuch, Gernot,

      ja, freilich hast Du Recht, wenn Du darauf verweist, dass alles eigentlich in kleinem Massstab und in unmittelbarer Umbebung der Menschen zu finden sein sollte. Das fängt, wie Du richtig bemerkst, bei den Dingen des täglichen Bedarfs an, die man früher bei „Tante Emma“ um die Ecke kaufte, die Presseerzeugnisse beim Tabakladen eine Strasse weiter und eine Bank gab´s auch in fast jedem Ort. Dazu ein Gasthaus und Bäcker, Metzger, Friseur und wat weiss ich, ein paar Handwerker usw…
      Aber das is lange her. Heute geht es alles nur noch nach der Wirtschaftlichkeit und wenn Du als Geschäftsmann/frau, keine Keute ausbeutest, sondern alles selber machst, dann bis Du nich wirtschaftlich genuch und die Bankster fragen Dich ganz vorsichtig, ob Du eigentlich noch ganz dicht bist, weil Du noch nich in allen Städten Deinen Ballungsraumes eine Filiale eröffnet hast!
      Früher reichte es für gewöhnlich, wenn man einen Handwerksbetrieb führte, um relativ komod und sicher zu leben, heute bist Du abartig, wenn Dein Streben nich auf ständige Expansion gerichtet is! Kein Wunder, das in dieser beschissenen Zeit und in dieser welt nix mehr funktioniert, wenn jeder nur noch danach trachtet, größer als alle andern zu werden, um angeblich wirtschaftlich überleben zu können, anstatt sich selbst zu bescheiden!
      Wie´s die Großen uns mit der Wirtschafts- und Finanzkrise vorgemacht haben, funktioniert das heute auch im Kleinen. Auf die Arbeit oder die Produkte kommts gaanich mehr an, Umsatz is wichtig.

      Liebe Grüße sendet Dir Andrej 😉

  4. Pingback: Konsumpf » Lesetipps – Kehraus-Edition. Von Privatisierungswahn, Sarrazinaden und Parteispenden

  5. Ich glaube die Politik vertritt in diesem Punkt ausnahmsweise mal die Mehrheit des Volkes und die will auf ihr heiliges Blechle nun mal nicht verzichten. Als Radfahrer bin ich eigentlich überall ein Exot oder ein belächelter armer Irrer. Wenn das Gespräch mal auf das Thema Radfahren kommt, hat jeder seine Gründe, warum aber gerade er das Auto immer braucht. Deshalb habe ich wenig Hoffnung, dass sich an der Situation in nächster Zeit etwas ändert.

    Interessant ist jedesmal die Reaktion, wenn ich vorrechne, dass ein Auto 300-400 Euro im Monat kostet. Das glaubt mir keiner. Es ist aber so. Ich habe das mal zu DM-Zeiten für meinen Kadett berechnet, den ich 13 Jahre lang mit ungefähr 10.000km pro Jahr gefahren habe. Also ein preiswertes Auto mit geringer Kilometerleistung und recht guter Ausnutzung der Abschreibungszeit. Alle Kosten, wie Anschaffungspreis, Reparatur, Wartung, Steuern, Versicherung und Kraftstoff summierten sich auf unglaubliche durchschnittliche 600,-DM im Monat. Das ist über 10 Jahre her. Der Euro hat nichts billiger gemacht und die Spritpreise haben sich seitdem bestimmt verdoppelt. Ich glaube daher nicht, dass ich mit 400,- Euro zu hoch liege.
    Die meisten verdrängen das. Meine Frau leider auch, deshalb haben wir noch ein Auto, obwohl auch sie alles unter 6Km mit dem Rad fährt. Bei jedem Wetter. Wenn man überlegt, wie oft man für 400 Euro im Monat Taxi, Bus oder Bahn fahren kann, ohne sich ständig um Winterreifen, Tüv u.ä. kümmern zu müssen, ist das finanziell gesehen eigentlich Wahnsinn. Natürlich ist es manchmal bequem, wenn das Auto vor der Tür steht, aber andersrum habe ich es genauso letztens verflucht, als ich eine Stunde gebraucht habe um es von Schnee und Eis zu befreien. Ein Taxi wäre da die bessere Alternative gewesen.

    Ein Leben ohne Auto ist einfach, angenehm, sinnvoll und preiswert; davon bin ich überzeugt. Es funktioniert allerdings nur, wenn man sich vorher ein paar Gedanken macht. Es ist eine Sache der Prioritäten.

    Bei der Wahl des Wohnorts ist zu beachten, dass der Arbeitsplatz nah und gut zu erreichen ist. Das ist vielleicht nicht für jeden möglich, wenn zum Beispiel Ehepartner an veschiedenen Orten arbeiten oder der Arbeitsplatz öfter wechselt, aber auch da muss jeder den bestmöglichen Kompromiss finden. Letzten Endes können das nicht so viele Menschen sein, wie man Autos auf der Straße sieht. Wer auf dem Dorf gebaut hat, weil ihm das Bauen in der Stadt zu teuer war, braucht jetzt beim Jammern über die hohen Spritpreise bei mir nicht auf Mitgefühl hoffen.

    Für jeden Weg gibt es sozusagen eine Prioritätenliste zur Wahl des Verkehrsmittels. Wer hier das Auto an die erste Stelle setzt, nimmt immer das Auto. Die gesamte Infrastruktur ist ja darauf ausgerichtet. Mit dem Auto kommt man überall hin. Individualverkehr ist das allerdings schon lange nicht mehr, aber der tägliche Stau ist auch so ein Ding, das Autofahrer irgendwie ausblenden können. Mich macht das immer wahnsinnig, wenn ich in meiner Blechkiste fahren muss und dann festhänge.
    Vernünftig ist für mich (mein Arbeitsweg beträgt dank vorausschauender Planung beim Hauskauf 1km) folgende Prioritätenliste:

    1. Fahrrad. Damit bin ich überall am schnellsten, billigsten und auf die angenehmste Art. Es hilft, wenn man ein wenig Geld in das Rad investiert. Die Mehrausgabe gegenüber dem ALDI-Rad ist schnell wieder drin.

    2. Zu Fuß. Jetzt, bei Schnee und Eis, lasse ich das Rad doch lieber in der Garage. Früher bin ich bei einem solchen Wetter gefahren, aber die ständige Putzerei und das Risiko tu ich mir heute nicht mehr an.

    3. Die Bahn. Auch wenn sie wirklich alles tut, um einem das Umsteigen so schwer wie möglich zu machen, mag ich sie. Zugegeben, das Tarifsystem ist eine Katastrophe aber wenn man es erst mal geschafft hat, einen Fahrschein zu kaufen ist sie doch besser als ihr Ruf.

    4. Das Auto. Erst wenn die ersten drei Optionen nicht in Frage kommen, wird das Auto bewegt. Das ist z.B. der Fall, wenn große schwere Sachen transportiert werden müssen (Nicht der Wocheneinkauf. Der geht noch mit dem Rad weg) oder wenn mehrere Personen weit fahren (Dann ist die Bahn wirklich zu teuer).

    Diese Überlegungen sind den meisten Menschen offensichtlich fremd. Es ist zugegeben auch nicht so ganz einfach, ohne Auto mobil zu sein. Man muss es regelrecht lernen. Wie alles im Leben erfordert es ein wenig Übung und Erfahrung. Deswegen glaube ich nicht so recht daran, dass sich wirklich etwas ändert, auch wenn es noch so vernünftig wäre.
    Immerhin, Beiträge wie Deiner lassen wenigstens noch ein bißchen hoffen.

    • Herzlichen Dank für diesen tollen Kommentar, der die Knackpunkte beim namen nennt! Der schutz der Umwelt und der Natur, sowie die Steigerung der Lebensqualität sind natürlich nicht zum Nulltarif zu haben. Was die Kosten eines Autos betrifft und zwar die realen Kosten, dann gehört in die Berechnung selbstverständlich auch der Wertverlust, die Reparaturen und der Verschleiß diverser Teile mit hinein und ebennicht, wie es viel gern machen, die monatliche Spritrechnung, ab und an mal ein Büchschen Motorenöl vom Discounter und im Winter etwas Frostschutz für die Waschanlage.
      Zwischen beiden Berechnungsarten liegen Welten und darum rechnen die meisten Menschen auch nicht gern so. Denn dann müssten sie ja einsehen, dass sie sich ein Auto eigentlich überhaupt nicht leisten können, oder aber eben nur für den Unterhalt dieser Chaise arbeiten und sonst für nix…
      andererseits ist es in der heutigen Zeit, in der von allen (einschliesslich den Arbeitsagenturen und erst Recht von potenziellen Arbeitgebern) ein Höchstmaß an sogenannter Flexibilität erwartet und als selbstverständlich voraus gesetz wird! Nicht jeder, der heute sein Häuschen nahe dem Arbeitsplatz zu bauen in der glücklichen Lage ist, kann davon ausgehen, dass er 10 Jahre später noch bei der gleichen firma beschäftigt sein wird. Erst recht ist es in der heutigen globalisierten Welt sicher, dass man bis zum Eintritt ins Rentenalter denselben Job in der selben Firma wird erledigen können. Der Unwägbarkeiten sind gar viele und bei den meisten Dingen wird in erster linie Rücksicht auf die wirtschaftlichen Belange und nicht auf den Schutz der Umwelt, oder gar die Würde der Menschen genommen. das ist sehr bedauerlich, aber momentan leider nicht zu ändern.
      Wir würden uns sicher einen großen Gefallen tun, wenn wir uns dem allgemeinen immer Höher, Schneller, Weiter (vor allem weiter weg fliegen, um ein paar Tage „Urlaub“ zu machen) ein wenig entziehen würden. Etwas entschleunigter sozusagen an die Sache heran gehen und nicht dem Trend nach immer mehr und immer billiger folgen würden. Aber damit steh ich mit einigen wenigen Mitstreitern ziemlich allein auf weiter Flur, da rüber bin ich mir im Klaren. Aber die Hoffnung aufgeben? Niemals! Da halte ich es mit dem alten Luther, der da gesagt haben soll „Und selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, so würde ich heut noch ein Apfelbäumchen pflanzen!“

      Viele Grüße von Andrej

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