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Fressen für´s Vaterland?


In Berlin hat die „Grüne Woche“ (bemerkenswerterweise ist das einzig Grüne an der Grünen Woche das Logo) begonnen, eine Leistungsschau der industriellen Landwirtschaft. Bei der gibt sich alles was glaubt Rang und Namen zu haben, die Türklinke in die Hand gibt. Da darf natürlich eine nicht fehlen, die ungeaignerte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, ihres Zeichens oberste Repräsentantin der Agrarindustrie!
Ilse Aigner, Bundeslandwirtschaftsministerin im
Jahre 2009, bevor der Dioxinskandal seine
verheerende Wirkung entfalten konnte!

Und wie sie da war, nach dem peinlichen Dioxinskandal, der jedem der es wissen wollte offenbarte, wie es um die Landwirtschaft in unserem Lande bestellt ist – beschissen eben! (Überproduktion, Umweltzerstörung durch Monokulturen, Überdüngung, der Versuch gentechnisch veränderte Organismen in der Landwirtschaft zu etablieren und nicht zuletzt, die schwindende Artenvielfalt sowohl in Feld, Wald und Flur, als auch in den Ställen) . Wirklich wissen will es aber offenbar keiner, besonders jene nicht, die darauf angewiesen sind, sich beim Discounter mit Lebensmitteln einzudecken, oder dem, was diese dafür ausgeben!
So schritt denn die holde Aignerin durch die Ausstellungshallen und fraß sich quasi durch die Gänge (wie die kleine Raupe Nimmersatt), um bisweilen markige Sprüche zum Thema Dioxinskandal (und das waren sie denn auch – einfach nur Sprüche ohne jede Substanz!) zu verkünden, wobei es ihr ein um´s andere Mal gelang, eine schlechte Figur abzugeben. Aber darin hat sie ja Übung!

„Wir werden die betroffenen Landwirte nicht im Regen stehen lassen“, gab sie denn auch forsch zu Protokoll…nachdem sie vorher verkündet hatte, die Bauern müssten mit den Folgen des Dioxinskandals allein zurecht kommen. Da war ihr wohl noch nicht ganz klar, dass Ende März einige wichtige Landtagswahlen anstehen und gerade mit der bäuerlich-konservativen Klientel sollte man es sich darum besser nicht verscherzen.

Und so auf die Schnelle dem Schäuble etliche Millionen Euro Bauern-Nothilfe aus dem Kreuz zu leiern, dürfte sich als ein Unterfangen erweisen, dem die Gute schlicht nicht gewachsen sein dürfte. Und ob dieser Erkenntnis beschränkt man sich nun darauf, den betroffenen Landwirten über die Landwirtschaftliche Rentenbank günstige Kredite zuzuschieben. Die muss man zwar irgendwann zurück zahlen, aber so haben wenigstens auch die Finanzhaie in den Kreditinstituten etwas vom Dioxinskandal.

Ins gleiche Horn tutet auch der Bauernpräsident Sonnleitner (wobei ich mich echt frage, warum diese Jobs meist an Bayern vergeben werden – vielleicht wegen der Assoziation Bayerns mit Urlaub, Natur und bäuerlicher Landwirtschaft?), für den es die in industriellem Massstab betriebene Landwirtschaft garnicht gibt und die Biobauern abartige und perverse fehlgeleitete, vor allem aber gefährliche Individuen zu sein scheinen, die es mit allen Mitteln zu bekämpfen und auszurotten gilt! Seiner Ansicht nach ist man nur ein guter Bauer, wenn man seinen Acker mit einem Traktor von den Ausmaßen eines schweren Kampfpanzers bearbeitet und dem entsprechend wird auch das Füllhorn europäischer Subventionen vornehmlich über solchen Großbetrieben ausgeschüttet. Das unter den bevorzugten Subventionsempfängern auffällig viele sind, die abgeordneten der Landesparlamente und des Bundestags gehören, ist ganz bestimmt nur ein merkwürdiger Zufall. Ebenso die Tatsache, dass zu den größten Subventíonsprofiteuren die erfolgreichsten Konzerne gehören…u. a. auch der Chemieriese Bayer (und die brauchen ja auch unbedingt Subventionen, das verstehen wir natürlich alle), aber nicht nur der.

Freilich hat es die Regierung, insbesondere die bayrische, nicht so besonders gern, wenn jeder erfahren kann, wem die EU die Milliarden in den Arsch steckt und darum kämpfen verantwortliche Stellen wie Löwen um den Datenschutz (natürlich nur den Datenschutz der Subventionsempfänger), während man es sonst mit dem Schutz der Daten nicht ganz so genau zu nehmen pflegt – angeblich hat ja niemand was zu befürchten, der nix zu verbergen hat!

Die deutsche Agrarpolitik wird heute mehr denn je von Lobbyisten beherrscht, die mit geübter Hand und geschwurbelter Sprache ihre Interessen zu den vermeintlichen Interessen des Staates machen. Besonders die Konservativen und erst Recht die neoliberalen Anbeter kapitalistischer Marktreligionen verstehen es meisterhaft, immer wieder Vertreter der Agrarindustrie in hohen und höchsten Positionen der Politik zu installieren. Ich will hier nur die mit Schimpf und Schande vom Hof gejagte niedersächsische Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen nennen, die selbst in der Geschäftsführung von Geflügelmastbetrieben gesessen hat (was offensichtlich schon als Qualifikation für das Amt der Landwirtschaftsministerin ausreicht) bevor sie Ministerin wurde und in dieser Eigenschaft den Staat durch zahlen von Dumpinglöhnen, sowie illegale Beschäftigung und illegale Arbeitnehmerüberlassung, um horrende Beträge an Sozialabgaben beschissen hat. Wahrhaftig ein Musterbeispiel an Ehrenhaftigkeit in der Politik.
Ihr Nachfolger im Amt, Gert Lindemann, macht nicht den Eindruck, das gute Verhältnis zum agrarindustriellen Komplex auch nur ansatzweise eintrüben zu wollen. Aber das hat ja wohl auch keiner ernsthaft erwartet.

Ich persönlich halte es übrigens für eine ziemlich dreiste Behauptung, die Verbraucher seien Schuld an der „Geiz-ist-geil-Kultur“ in Deutschland! Es war nicht der Verbraucher, der in die Läden schritt und also behauptete, ein Ei müsse -,12 Euro/Stk. kosten, oder der Liter Milch -,69 Euro/Ltr.! Im Gegenteil es war die Industrie, die ihren Absatz dadurch steigern wollte, dass sie die Preise senkte und so die Kunden an sich binden wollte. Die „Geiz-ist-geil-Kampagne“ der Elektronikkette Saturn war es, die dieser Mentalität den Namen gab und die wurde von Saturn erfunden und den Menschen ins Gehirn gehämmert, nicht umgekehrt! Und unzählige Nachahmer hauten fleissig in die gleiche Kerbe. da braucht sich heute keiner wundern, wenn dieser dämliche Spruch zu den ersten Sätzen gehört, die ein teletubbygeschädigtes Kind zu sprechen lernt…

weiterführende Links:

  • Empfänger EU-Agrarfonds (Seite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, auf der praktischerweise die Auflistung der Subventionsempfänger von EU-Geldern gesperrt ist, weil sie nicht dem Recht enspricht. Schaut aber doch gelegentlich mal rein, vielleicht tut sich ja doch noch mal was und man bringt das Ganze in eine rechtliche Form, die den Wünschen der EU entspricht…)
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