Der Fortschritt ist eine Schnecke…

…und sie fährt elektrisch! Niemand, wirklich niemand kann von mir behaupten, ich würde rundweg die E-Mobilität ablehnen. Im Gegenteil ich bin ein absoluter Fan elektrischer Fahrzeuge jeder nur denkbaren Spielart, weil ich an diese Art der individuellen Mobilität in der Zukunft glaube. Nicht in der Art glaube, wie man in der Kirche glaubt, eher deshalb, weil ich überzeugt davon bin, dass dies die vernünftigste aller denkbaren Lösungen ist.

So war ich hocherfreut (das Wort „extatisch“ möchte ich in diesem Zusammenhang aber lieber doch nicht verwenden), als mein Chef mir im Sommer ketzten Jahres eröffnete, dass die nächsten Dienstfahrzeuge elektrische sein würden. Null CO2-Ausstoss! Reichweite „bis zu“ 140 km pro Ladung! Sogar mit Klimaanlage! Und von Renault – ein Kangoo nämlich!

Naja, man kann Renault-Fan sein, muss man aber nicht. Ich hab früher ma den ein oder anderen Renault Kangoo gefahren, mal mit Benzin-, aber auch mit Dieselmotor und ich war immer relativ zufrieden gewesen. In Meiner Jugend war ich eine zeitlang stolzer Besitzer eines Renault R4 gewesen, mit einem Stoffdach, dass einem im Sommer großzügig Sonnenschein im Wagen bot und bei Regen und im Winter jede Mange Wasser und/oder Eis. Aber er fuhr und fuhr und fuhr, fast so wie ein VW Käfer, nur nicht so zuverlässig. Die Urlaube, die ich mit diesem Fahrzeug in der Ardêche verbrachte oder am Mittelmeer, waren legendär und bis heute denke ich mit großer Freude daran zurück.

Aber mit der Zeit steigen die Ansprüche an Komfort und Zuverlässigkeit, was will man machen. Schließlich werden wir alle nicht jünger und bei der komplizierten Automobiltechnik der heutigen Zeit ist es fast aussichtslos, mit einem 25-teiligen Ratschenkasten und ein paar Gabelschlüsseln sämtliche möglicherweise anfallenden Reparaturen auf dem Standstreifen der Autobahn selber durchzuführen.

Kurz nach der fröhlichen Verkündigung, dass unser Betrieb zum Vorreiter der Elektromobilität in Deutschland werden sollte, keimte in mir die Frage auf, wo und wie man denn die Batterien des elektrischen „Renners“ aufladen sollte? Also frug ich meinen Herrn und Meister und erntete einige verwunderte Blicke. Weder am Standort, noch unterwegs (ich befahre regelmäßig ein bestimmtes Gebiet) waren Ladestationen geplant oder vorgesehen und, das erfuhr ich bei dieser Gelegenheit auch gleich, aus Kostengründen war das beantragte Navi, mit dem man eventuell (wenn man die entsprechende Software besorgte) öffentlich verfügbare Ladestationen hätte finden und anlaufen können, wenn der Saft zur Neige ginge, aus Kostengründen gestrichen worden!

Soweit so nicht gut! Nachdem ich diesen ersten herben Dämpfer gerade verdaut hatte, kamen mit nur 4 Monaten Verspätung die ersehnten elektrischen Kangoos endlich an. Ein Autotransporter stellte sie vor der Firma ab und voller freudiger Erregung fuhren wir die Wagen an die vorgesehenen Stellplätze, verlegten Verlängerungskabel und begannen die Batterien zu laden.

 

Renault Kangoo ZE sieht ziemlich schick aus, wie er da so steht…

Die Tatsache, dass die Ladedauer bei Anschluss des Wagens an eine Haushaltssteckdose ca. 12 Stunden betragen sollte, konnte unseren Enthusiasmus nur bedingt dämpfen. Wir, mein Kollege und ich, brannten auf die erste Probefahrt, umweltfreundlich, nachhaltig und elektrisch.

 

…hier wird er „betankt“ per Ladekabel und Steckdose

Der nächste Tag war ein kalter Wintertag. Das Thermometer zeigte satte 0 °C und die digitale Reichweitenanzeige des Tachos, zu unserem großen Erstaunen, trotz einer langen Nacht am Ladekabel und voll aufgeladenem Akku, eine Reichweite von knapp 80 km an! Egal, wer wird denn schon so kleinlich sein, dachte ich bei mir, sprang in den Wagen und surrte davon…

 

Sieht eigentlich ganz normal aus, das Armaturenbrett nebst Lenkrad!

Ich hatte gerade den Parkplatz verlassen und dabei eine Strecke von vielleicht 150 m zurück gelegt, da hatte sich die Reichweite bereits um 4 km verringert. Kurzes Grübeln ließ mich zu dem Schluss kommen, dass das Fahren mit einem Elektrofahrzeug womöglich einen anderen Fahrstil erforderte, als den gewohnten. Etwas mehr Ökonomie konnte sicher nicht schaden, ebenso wenig etwas mehr vorausschauendes Fahren. Aber die rasante Abnahme der Reichweitenanzeige lies sich nicht spürbar verlangsamen und so begann ich leise Zweifel daran zu hegen, ob der Einsatz von Elektrofahrzeugen mit Bleiakkus wirklich eine so gute, nachhaltige Idee war, wie die Hersteller dieser Fahrzeuge es so vollmundig zu behaupten pflegen.

 

Das Lade- und ein Verlängerungskabel sollte man immer dabei haben

Die Möglichkeit elektrische Energie zu speichern, hält sich bis heute in engen Grenzen, wenn man ein elektrisches Fahrzeug in einem halbwegs akzeptablen Preisrahmen halten (und es auch verkaufen) will. Und dabei ist so ein Satz lumpiger Bleiakkus schon recht teuer, wenn man ihn ersetzen muss. Geschätzte 8.000,- bis 10.000,- € muss man dafür hinblättern, oder man least die Batterien für teures Geld gleich mit dem Fahrzeug zusammen. Lithium-Ionen-Akkus, die ein richtig gutes Ladepotenzial aufweisen, sind fast unbezahlbar. Nicht umsonst bewegt sich der Kaufpreis für einen Tesla, der meinen bescheidenen Ansprüchen gerecht werden könnte, in einem Bereich, der weit jenseits der 100.000,- €-Grenze liegt. Aber so viel bin ich meinem Chef (aus nahe liegenden Gründen) nicht wert!

Was nützt als das Gezerfe? Nichts! Genau und deswegen „rauschte“ ich also los, um meiner Arbeit nachzugehen und stellte ziemlich verblüfft nach etwa 10 km fest, dass im Display des Tachos plötzlich die Warnung auftauchte „Bremssystem defekt“ und eine leuchtend rote Anzeige, die mich im Befehlston aufforderte, sofort einen STOP einzulegen! Wer bin ich, dass ich Befehle missachten würde, zumal wenn die eigene Sicherheit davon abhängt und die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer? Ich fuhr rechts ran, schaltete den Wagen aus, zog den Zündschlüssel und beschloss, den Wagen von außen zu betrachten, in der Hoffnung auf eine göttliche Eingebung, die aber leider ausblieb. Vermutlich rächt sich nun dass ich schon vor mehr als 20 Jahren aus der Kirche auchgetreten bin.

 

Macht schon was her – das war´s aber auch schon!

Ein besorgter Anruf in der Werkstatt meines Vertrauens brachte die bahnbrechende Erkenntnis, dass die Bremse wieder funktionieren sollte/könnte, wenn man nach einer Wartezeit von ein paar Minuten den Wagen wieder starten würde. Also stezte ich mich wieder hinein, drehte den Zündschlüssel und siehe da, die Anzeige verschwand, das Fahrzeug setze sich problemlos in Bewegung und liess sich sogar bremsen – bis nach drei weiteren Kilometern erneut die Anzeig davor warnte weiter zu fahren. Diesmal war ich bedeutend zorniger, als ich in der Werkstatt anrief und nachdem ich von einer netten Telefonstimme weiblichen Geschlechts zuerst getröste, dann beruhigt und anschließend gebeten wurde die Werkstatt anzufahren (aber nur, wenn das nicht zuviel verlangt wäre…).

Man empfing mich freundlich aber ratlos. Der Mann, der sich mit den Elektrofahrzeugen auskenne sei leider gerade nicht da. Er müsse seinen restlichen Urlaub abbauen, hiess es, aber man könne versuchen, mit dem Computer die Fehlermeldungen auszulesen, dann wäre das Problem wahrscheinlich „erstmal“ behoben. War es auch! Da mein Bedarf an Warnleuchten und nervösen Displays mittlerweile gedeckt war, fuhr ich in den Betrieb, stellte das Fahrzeug ab, hängte es an das Ladekabel (denn mittlerweile war nach nur 30 gefahrenen Kilometern – in Worten „dreißig“!) und fuhr mit meinem guten alten Diesel-Caddy davon!

Heute ist Montag! Wie alle Montage ist es ein beschissener Tag. Ich hatte über das Wochenende beschlossen, es noch einmal neu mit meinem Elektro-Kangoo zu versuchen. Wir hatten vielleicht einfach nur einen schlechten Start erwischt. Also vergeben und vergessen, Ladekabel gezogen, zusammen gerollt und in den (zugegebenermassen) sehr großzügigen Kofferraum geschmissen, Zündschlüssel rein, rumgedreht und losgezerrt, begleitet von einem leisen summenden Geräusch.

Angesichts der nicht vorhandenen Fahrgeräusche frage ich mich schon, wie Fußgänger reagieren, wenn sie das ziemlich große und recht schnelle Fahrzeug nicht hören, aber plötzlich vor neben oder hinter sich gewahr werden. Aber ich kann mich nicht um alles kümmern. Soll ich vielleicht bei Wind und Wetter mit offenem Fenster herum fahren und mit dem Mund laute brummende Geräusche machen, damit man mich hört, so wie wir Kinder es in unserer Jugend mit den Matchboxautos gemacht haben?

A Propos offenes Fenster. Wer sich mit dem Gedanken trägt, im Winter in einem Elektrofahrzeug die Heizung einzuschalten, kann mit großer Freude zur Kenntnis nehmen, dass sich sein Aktionsradius, abhängig von seinem Wärmebedürfnis, noch einmal um etwa die H#lfte verringert. Dasselbe gilt umgekehrt im Sommer für den Einsatz der Klimaanlage. Also verzichtet man genervt auf beides und dreht das Radio leise, um den Akku nicht durch lautes Musik hören über Gebühr zu beanspruchen und lässt sich so fast bis zu den Ursprüngen des Autofahrens in den 50er und 60er Jahren zurück führen. Diese Erfahrung hat – angesichts der heutigen theoretischen technischen Möglichkeiten – schon etwas brachiales, minimalistisches…

Kaum erwähnenswert ist wohl, dass mich nach etwa 7,5 km die grausame Realität in Gestalt der Warnung vor einem defekten Bremssystem im Display einholte. Ich fuhr den Wagen in die Werkstatt, wo man mir eröffnete, dass der Mann, der sich mit den Elektroautos auskennt, zwar nicht mehr im Urlaub ist, nun aber für eine ganze Woche auf einem Seminar zum Thema „Fehlerbehebung am Elektrofahrzeug“ gereist sei. Hoffentlich nicht mit einem Elektroauto von renault, denn sonst kommt er dort sicher nicht an, zumindest in diesem Jahr…

Nimm was Du kriegen kannst…

…könnte der Leitspruch einer großen Anzahl derer sein, die als akademisch gebildete und approbierte Mediziner auf die Menschheit losgelassen werden. Ärzte, eine gesellschaftliche Klasse, deren Angehörige zwar nicht in jedem Falle unbedingt mit dem güldenen Löffelchen im Munde geboren wird, aber für gewöhnlich doch zu jenen Menschen gehören, die eher den Ruf genießen, in relativ gesicherten Verhältnissen zu leben.

Natürlich glauben das nicht alle, vor allem die Ärzte nicht und man kann ja auch durchaus Verständnis dafür aufbringen, dass jemand, der die Verantwortung für die Gesundheit und oft auch das Leben der sich ihm anvertrauenden Patienten hat, in seinem Job relativ gut bezahlt werden soll. Das eigene Leben sollte einem schließlich schon den ein oder anderen Euro wert sein.

Aber hier wie dort gibt es Ärzte, die den Hals nicht voll genug bekommen können und darum sinnen sie danach, wie sie sich das sichern können, was ihnen ihrer Meinung nach in jedem Falle zusteht. Und das bekommen sie in nicht wenigen Fällen vom Pharmakonzern ihres Vertrauens und zwar in Form von Flachbildfernsehern, „Seminaren“ und „Weiterbildungen“ in bekannten und beliebten mondänen Urlaubsorten, oder einfach nur Bargeld.

Jeder hat bisweilen schon während seines Arztbesuches die dezent gekleideten Außendienstler der Pharmaindustrie gesehen, die nervös am Thresen stehen und für die jeder Arzt sofort zeit findet, noch vor der Behandlung von Privatpatienten. Pharmareferent erscheint mit dicker Aktentasche und/oder Probenkoffer; Arzt kommt aus Sprechzimmer; Arzt bittet Pharmareferent hinein; beide werden längere Zeit nicht gesehen; Pharmareferent verschwindet; Arzt ist anschließend auffallend gut gelaunt!

Naja, von irgendwas muss selbst ein Arzt leben. Und auch bei Ärzten gibt es gewisse Einkommensunterschiede, je nachdem, welches Fachgebiet sie sich als Broterwerb ausgesucht haben. Während der gewöhnliche Feld-, Wald- und Wiesen-Hausarzt oft verzweifelt um seine Existenz kämpfen muss, kann es ein Facharzt, ein Radiologe beispielsweise, schon recht locker angehen lassen und gleich nach der Eröffnung seiner Praxis beim Porschehändler seines Vertrauens ein Fahrzeug ordern, um seine artgerechte Fortbewegung sicher zu stellen.

Gelegentlich bekommt man jedoch von seinem Hausarzt Geschichten zu hören, die einen am gesunden Menschenverstand desselben zweifeln lassen können. Von großer Not, von hunderten von Arbeitsstunden in der Woche ist da die Rede und, von wenig Geld…

Nehmen wir meinen Hausarzt beispielsweise. Ein Mann mittleren Alters, seit Jahren im Geschäft, nett, freundlich und in seiner Wahrnehmung so weit von der Realität entfernt, wie die Erde vom Mond, hinter dem er zu leben scheint. Der Name ist natürlich bekannt, aber wir wollen ihn nicht ans grausame Licht der Öffentlichkeit zerren, schließlich wollen und müssen wir uns hin und wieder selbst dort in behandlung begeben und irgendwie hänge ich auch noch an meinem Leben.

Mein Hausarzt weiss natürlich was ich beruflich mache. Es ist ja auch kein Geheimnis. Ich bin in der Reinigungsbranche tätig! Aus irgendeinem Grunde fühlt sich mein Hausarzt immer bemüßigt, wenn ich mit verrotzter Nase, oder grummelndem Magen-Darm-Trakt vor ihm sitze und auf schnelle Heilung hoffe, mich über die nackte Not und die immer mehr um sich greifende Verzweiflung hungernder Ärzte hinzuweisen. Zwar bin ich meist zu mehr fähig, als zu einem matten Nicken, oder einem schwachen „Aha“, aber er ergeht sich in politischen Monologen, während er mich untersucht und erläutert mir regelmöäßig die Vorzüge der privaten Krankenversicherung und der FDP-Pölitik.

Neulich, es ging mir gerade besonders schlecht, verstieg er sich zu der Behauptung, meine Putzfrauen würden mehr verdienen als er selbst und vor allem hätten sie nicht diese brutal auf seinem Gewissen lastende Verantwortung zu tragen. Das Leben einer Putzfrau sei so einfach – zur Arbeit gehen, 8 stunden putzen oder so (das kann ja schließlich jeder), wieder nach Hause gehen und dann das Gehalt mit vollen Händen aus dem Fenster schmeissen…

Er hingegen sei ein wirklich armes Schwein! Sein Stundenlohn sei auch nicht höher, als der einer Putzfrau und jeden Euro den er ausgebe, müsse er zweimal, manchmal dreimal umdrehen. nachdem ich meine Tränen getrocknet hatte, platzte mir der Kragen. Ich sagte ihm, was eine Reinigungskraft in der Stunde verdiene und dass ich keine Frau kenne, die mit diesem Lohn in der Lage sei, drei Autos nicht nur zu kaufen, sondern diese auch noch zu unterhalten. Ich weiss nämlich, dass er über ein Mercedes-Benz Cabrio verfügt, einen Ford Cmax und natürlich – des „Understatements“ wegen – einen original Mini Cooper. Über das Haus in dem er wohnt, möchte ich mich lieber nicht auslassen.

Ich hatte den unbestimmten Eindruck, das war es nicht, was er hatte hören wollen und so erhob ich mich, beschloss spontan zu genesen und ging eilig von hinnen, mit dem festen Vorsatz, so bald nicht mehr krank zu werden.

Als ich neulich doch wieder meinen Arzt aufsuchen musste, hub er von neuem an, sein Klagelied zu singen. Ich ließ ihn nicht ausreden, bot ihm aber freundlicherweise an, in seinem nächsten Urlaub eine Woche lang als meine Putzfrau zu arbeiten, wenn er der Meinung sei, dies sei ein besser bezahlter Job als der seine und ich würde mich gerne auf „Seminaren“ in Biarriz, oder Monte Carlo auf Kosten von Pfizer „weiterbilden“. Auch würde ich ihm gern eines seiner Autos abnehmen, damit er sich die anderen auch weiterhin leisten könne. Einer meiner Reinigungskräfte sei der Wagen verreckt und sie müsse nun, bei Wind und Wetter, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren…

…seitdem reden wir nur noch das Nötigste miteinander!

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Hunger!

Hunger! Was ist eigentlich der Unterschied – von den weltanschaulichen Differenzen einmal ganz abgesehen – zwischen den Menschen, die in Nordkorea wegen der Ernährungslage (im Rahmen des Versagens des Sozialismus/Stalinismus) verhungert sind und auch heute noch verrecken, weil sie keine Nahrung haben und den Menschen, die in Afrika, z.B. Somalia, Äthiopien, im Südsudan, oder wo auch immer verhungern, weil sie sich die (reichlich) vorhandenen Nahrungsmittel mangels finanzieller Möglichkeiten (quasi als Opfer des „freien“ Marktes und den von ihm diktierten Preisen), nicht kaufen können?
Sind die Hungertoten in Nordkorea anders zu bewerten, als die Opfer der kapitalistischen Profitgier? Ist es angemessen, Menschen verhungern zu lassen, nur weil sie nicht genug Geld besitzen? Hat das vielleicht etwas mit Menschlichkeit, mit Menschenwürde zu tun? Was also ist der Unterschied zwischen der Verhungerten in Nordkorea und denen in der „freien“ Welt? Sind sie glücklicher gestorben? War der Tod weniger schmerz- und qualvoll, weil er den Betreffenden in einem Teil der Welt ereilte, den man als „frei“ bezeichnete?
Warum verhungern Menschen überhaupt in einem Land der „freien“ Welt? Nun, natürlich sind es weit mehr Menschen in diesen Weltgegenden, die an verschmutztem Wasser verrecken und den dadurch hervor gerufenen Krankheiten. Und sie sterben in dem Bewusstsein, dass sie eigentlich problemlos überleben könnten, wenn sie nur über ein ausreichendes Einkommen verfügten und – das ist man ständig bemüht, zu verbreiten – dass er prinzipiell auch hätte, wenn er sich nur genug darum bemühte! So gibt man also denen die Schuld an ihrem Tod, die ihn erleiden müssen, nicht jenen, die so viel Geld besitzen, dass sie es zu Lebzeiten gar nicht ausgeben können!
Ich gehe sicher nicht fehl ind er Annahme, dass diese Erkenntnis kein großer Trost für einen Menschen ist, der sterben muss, weil er zu arm ist, um zu überleben.
Wer kann sich schon vorstellen, was im Herzen einer Mutter vor sich geht, die ihr Neugeborenes nicht stillen kann, weil sie keine Milch hat? Die ihr an Durchfall und Austrocknung gestorbenes Baby in der verdorrten Wüste begraben muss und ihm nicht mehr mitgeben kann, als das zerrissene T-Shirt, in das sie den kleinen Leichnam voller Schmerz und Liebe eingehüllt hat…
Und wir alle wissen, dass große Unternehmen vor allem in Afrika die besten Ackerflächen kaufen oder pachten (das sog. Land Grabbing), dass sog. Investoren mit Land und Lebensmitteln spekulieren und die Preise so in die Höhe treiben, dass die von ihrem Land vertrieben Kleinbauern nicht mehr existieren können. Gerade in den ärmsten Ländern werden tausende und abertausende von Hektar Ackerflächen an ausländische Unternehmen verkauft (natürlich meist mit tatkräftiger Unterstützung völlig korrupter Regierungsvertreter!). Und weil weder die Regierungen, noch die Kleinbauern beweisen können, dass sie die Landrechte besitzen, die Regierungen aber die Gewehre und Bajonette haben, vertreibt man die Kleinbauern und verscherbelt das wertvollste, was ein Volk sein Eigen nennen kann – sein Ackerland!
Ob dabei ein paar Unschuldige getötet werden, interessiert keine Sau! Das Land muss enteignet und den Konzernen übergeben werden, die mit riesigen Maschinen und ungeheuren Energiemengen im Rahmen industrieller Landwirtschaft Nahrungsmittel erzeugen, die sie für teures Geld in den entwickelten Ländern auf den Markt bringen. Die Märkte in den Erzeugerländern aber bleiben leer, weil die Einheimischen die geforderten Preise nicht bezahlen können.
Auf die schlechtesten Flächen vertrieben, an denen die Konzerne kein Interesse haben, sofern nicht unter dem Boden wertvolle Rohstoffe vermutet werden, und in die Wüsten verdrängt, vegetieren die nun landlosen Kleinbauern ohne jede Hoffnung auf Hilfe. Bleibt der Regen aus, oder regnet es zu viel, wird die Situation sofort Existenz bedrohend und wenn die Trockenheit kommt und überhaupt kein Regen mehr fällt, wenn das Land zur Wüste wird und das Vieh verreckt, sterben die Menschen. Und niemand weint den manchmal nicht mal mehr verscharrten Toten der Gier des Kapitalismus, der sich hier zu einem Neoimperialismus entwickelt hat, auch nur eine müde Träne nach!

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Das Drei-Klöten-Treffen der FDP

Nun, da wir schon deutlich im Neuen Jahr angelangt sind, wird es höchste Zeit, weiter zu lästern und zu lamentieren und sich über den politischen Betrieb lustig zu machen, bzw. sich darüber zu echauvieren, wenn dies opportun ist! Und da wir es in der Politik meist mit Opportunisten zu tun haben, ist daran auch nichts Verwerfliches, finde ich!

Gleich zu Beginn wollen wir darum mit großer Freude auf die sich gerade in einem Selbstauflösungsprozess befindliche FDP drein zu schlagen. Natürlich soll man nicht auf jemanden eintreten, oder einschlagen, der schon am Boden liegt. Wenn man aber sicher gehen will, dass er nicht wieder aufsteht, dann muss man es doch tun – und wer könnte schon der Meinung sein, die FDP wäre ein großer, oder überhaupt ein Verlust für die bundesdeutsche Politik? Eben, ich nicht.

Schließlich finden sich in der Politik sowohl der CDU/CSU, als auch der SDP und dbei den Grünen genug neoliberale Ansätze, um die diesen jämmerlichen Haufen gekaufter Lobbyisten mühelos mehrfach zu ersetzen.

Und so schauen wir mit wachsender Begeisterung zu, wie die FDP in einer Art Selbstreinigungsprozess versucht, sich von ihrem kleinen Vorsitzenden Philipp Rösler zu befreien. Natürlich ist das kein einfacher Vorgang, denn

1.) wer sollte ihn ersetzen? Ein Wechsel innerhalb des noch vorhandenen Führungspersonals wäre in etwa so sinn- und gehaltvoll, als würde man die Pest gegen die Cholera tauschen weil man sich lieber die Seele aus dem Leib scheißen möchte, als die Lunge aus dem Hals zu kotzen,

2.) gibt es überhaupt Alternativen die „glaubwürdig“ eine liberale Politik vertreten und den paar Wählern, die sich selbst für die besserverdienenden Leistungsträger halten, verkaufen kann? Nirk Diebel etwa, den fliegenden Teppichhändler, der die Meinung vertritt, Militärhilfe sei gleich Entwicklungshilfe? Oder vielleicht die lustige Reblaus Rainer Brüderle, der die FDP-Hymne liebend gern gegen „Trink! Trink! Brüderle trink!“ austauschen würde? Wäre möglicherweise der kleine Christian Lindner die Wahl der Stunden? Jenes Männlein, das seine Stirn schon in jungen Jahren bis zum Rücken trägt und diese mehr oder weniger geschickt mit ein paar drüber gekämmten Haaren zu kaschieren trachtet?

3.) gibt es denn jemanden, der die FDP, diesen politischen Wurmfortsatz der Wirtschaft, überhaupt vermissen würde? Sind „liberale“ Ideen wirklich so unverzichtbar, wie von Philipp Rösler, dem Schutzpatron der Belanglosigkeit, und Konsorten behauptet wird, oder handelt es sich dabei nicht doch bloß um die Fortsetzung der Wirtschaft mit marktradikalen Mitteln, quasi als radikal-politischer Arm des Kapitalismus?

Wir wollen hoffen und notfalls selbst als nichtreligiöse Menschen dafür beten, dass die FDP bei den Landtagswahlen in Niedersachsen am 20.1.2013 mit einer krachenden Niederlage in die Grube fahren möge. Und es wird Zeit, dass sich die von der Ahnungslosigkeit und Dummheit der undankbaren Wählerschaft gar schlimm gebeutelten „Liberalen“ von der Last Röslers endlich befreien und unter einer neuen Führung (durch wen auch immer) endlich final im Klo der deutschen Geschichte verschwinden können!

Wie man der Presse entnehmen kann, ist die Behauptung, der FDP gehe der Arsch auf Grundeis ein dezenter Euphemismus. In Wirklichkeit ist das Gezeter der „Liberalen“ geprägt von nackter Panik, Egoismus und der Lust an der Selbstzerstörung. Wir dürfen uns freuen…

 

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