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Nimm was Du kriegen kannst…


…könnte der Leitspruch einer großen Anzahl derer sein, die als akademisch gebildete und approbierte Mediziner auf die Menschheit losgelassen werden. Ärzte, eine gesellschaftliche Klasse, deren Angehörige zwar nicht in jedem Falle unbedingt mit dem güldenen Löffelchen im Munde geboren wird, aber für gewöhnlich doch zu jenen Menschen gehören, die eher den Ruf genießen, in relativ gesicherten Verhältnissen zu leben.

Natürlich glauben das nicht alle, vor allem die Ärzte nicht und man kann ja auch durchaus Verständnis dafür aufbringen, dass jemand, der die Verantwortung für die Gesundheit und oft auch das Leben der sich ihm anvertrauenden Patienten hat, in seinem Job relativ gut bezahlt werden soll. Das eigene Leben sollte einem schließlich schon den ein oder anderen Euro wert sein.

Aber hier wie dort gibt es Ärzte, die den Hals nicht voll genug bekommen können und darum sinnen sie danach, wie sie sich das sichern können, was ihnen ihrer Meinung nach in jedem Falle zusteht. Und das bekommen sie in nicht wenigen Fällen vom Pharmakonzern ihres Vertrauens und zwar in Form von Flachbildfernsehern, „Seminaren“ und „Weiterbildungen“ in bekannten und beliebten mondänen Urlaubsorten, oder einfach nur Bargeld.

Jeder hat bisweilen schon während seines Arztbesuches die dezent gekleideten Außendienstler der Pharmaindustrie gesehen, die nervös am Thresen stehen und für die jeder Arzt sofort zeit findet, noch vor der Behandlung von Privatpatienten. Pharmareferent erscheint mit dicker Aktentasche und/oder Probenkoffer; Arzt kommt aus Sprechzimmer; Arzt bittet Pharmareferent hinein; beide werden längere Zeit nicht gesehen; Pharmareferent verschwindet; Arzt ist anschließend auffallend gut gelaunt!

Naja, von irgendwas muss selbst ein Arzt leben. Und auch bei Ärzten gibt es gewisse Einkommensunterschiede, je nachdem, welches Fachgebiet sie sich als Broterwerb ausgesucht haben. Während der gewöhnliche Feld-, Wald- und Wiesen-Hausarzt oft verzweifelt um seine Existenz kämpfen muss, kann es ein Facharzt, ein Radiologe beispielsweise, schon recht locker angehen lassen und gleich nach der Eröffnung seiner Praxis beim Porschehändler seines Vertrauens ein Fahrzeug ordern, um seine artgerechte Fortbewegung sicher zu stellen.

Gelegentlich bekommt man jedoch von seinem Hausarzt Geschichten zu hören, die einen am gesunden Menschenverstand desselben zweifeln lassen können. Von großer Not, von hunderten von Arbeitsstunden in der Woche ist da die Rede und, von wenig Geld…

Nehmen wir meinen Hausarzt beispielsweise. Ein Mann mittleren Alters, seit Jahren im Geschäft, nett, freundlich und in seiner Wahrnehmung so weit von der Realität entfernt, wie die Erde vom Mond, hinter dem er zu leben scheint. Der Name ist natürlich bekannt, aber wir wollen ihn nicht ans grausame Licht der Öffentlichkeit zerren, schließlich wollen und müssen wir uns hin und wieder selbst dort in behandlung begeben und irgendwie hänge ich auch noch an meinem Leben.

Mein Hausarzt weiss natürlich was ich beruflich mache. Es ist ja auch kein Geheimnis. Ich bin in der Reinigungsbranche tätig! Aus irgendeinem Grunde fühlt sich mein Hausarzt immer bemüßigt, wenn ich mit verrotzter Nase, oder grummelndem Magen-Darm-Trakt vor ihm sitze und auf schnelle Heilung hoffe, mich über die nackte Not und die immer mehr um sich greifende Verzweiflung hungernder Ärzte hinzuweisen. Zwar bin ich meist zu mehr fähig, als zu einem matten Nicken, oder einem schwachen „Aha“, aber er ergeht sich in politischen Monologen, während er mich untersucht und erläutert mir regelmöäßig die Vorzüge der privaten Krankenversicherung und der FDP-Pölitik.

Neulich, es ging mir gerade besonders schlecht, verstieg er sich zu der Behauptung, meine Putzfrauen würden mehr verdienen als er selbst und vor allem hätten sie nicht diese brutal auf seinem Gewissen lastende Verantwortung zu tragen. Das Leben einer Putzfrau sei so einfach – zur Arbeit gehen, 8 stunden putzen oder so (das kann ja schließlich jeder), wieder nach Hause gehen und dann das Gehalt mit vollen Händen aus dem Fenster schmeissen…

Er hingegen sei ein wirklich armes Schwein! Sein Stundenlohn sei auch nicht höher, als der einer Putzfrau und jeden Euro den er ausgebe, müsse er zweimal, manchmal dreimal umdrehen. nachdem ich meine Tränen getrocknet hatte, platzte mir der Kragen. Ich sagte ihm, was eine Reinigungskraft in der Stunde verdiene und dass ich keine Frau kenne, die mit diesem Lohn in der Lage sei, drei Autos nicht nur zu kaufen, sondern diese auch noch zu unterhalten. Ich weiss nämlich, dass er über ein Mercedes-Benz Cabrio verfügt, einen Ford Cmax und natürlich – des „Understatements“ wegen – einen original Mini Cooper. Über das Haus in dem er wohnt, möchte ich mich lieber nicht auslassen.

Ich hatte den unbestimmten Eindruck, das war es nicht, was er hatte hören wollen und so erhob ich mich, beschloss spontan zu genesen und ging eilig von hinnen, mit dem festen Vorsatz, so bald nicht mehr krank zu werden.

Als ich neulich doch wieder meinen Arzt aufsuchen musste, hub er von neuem an, sein Klagelied zu singen. Ich ließ ihn nicht ausreden, bot ihm aber freundlicherweise an, in seinem nächsten Urlaub eine Woche lang als meine Putzfrau zu arbeiten, wenn er der Meinung sei, dies sei ein besser bezahlter Job als der seine und ich würde mich gerne auf „Seminaren“ in Biarriz, oder Monte Carlo auf Kosten von Pfizer „weiterbilden“. Auch würde ich ihm gern eines seiner Autos abnehmen, damit er sich die anderen auch weiterhin leisten könne. Einer meiner Reinigungskräfte sei der Wagen verreckt und sie müsse nun, bei Wind und Wetter, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren…

…seitdem reden wir nur noch das Nötigste miteinander!

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