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1. Mai? Kampftag der Arbeiterklasse? Ick lach mir´n Ast!


Und wieviele Menschen haben heute einen Acht-Stunden-Arbeitstag? Mal abgesehen von den oft unbezahlten Überstunden, die den abhängig Beschäftigten regelmäßig abverlangt werden, gibt es auch noch jene, die auf Zweit- und Drittjobs angewiesen sind, um sich halbwegs über Wasser zu halten. Haben die auch einen Anspruch auf einen Achtstundentag? Oder ist die Zahl der täglichen Arbeitsstunden an den IQ gebunden, oder die Fähigkeit, einen Bachelor- oder Masterabschluss zu erlangen?
Wir brauchen weder über den Achtstundentag zu reden, noch auf die Fünftagewoche besonders stolz sein – ein Großteil der arbeitenden Menschen kann über diesen Luxus nur den Kopf schütteln! Was gedenkt die Gewerkschaft dafür, bzw. dagegen zu tun? Wann kommt der Generalstreik für die ausnahmslose Durchsetzung des Achtstundentages und der Fünftagewoche? Wann geht endlich mal jemand auf die Strasse für Weihnachts- und Urlaubsgeld, die in weiten Bereichen der Wirtschaft abgeschafft wurden?
Wen wundert es angesichts dieser Tatsachen eigentlich, dass die Unternehmensgewinne derart rasant steigen und zwar seit Jahrzehnten? Wann werden die Arbeitnehmer angemessen am Gewinn der Unternehmen beteiligt???

Ja, als die Industrialisierung begann, in Mitteleuropa und den USA, da waren die Arbeitsbedingungen deutlich schlechter als heute. Das weiss ich auch. Arbeitsschutz gab es keinen, Ebenso wenig Renten-, Kranken- und Unfallversicherungen. Wer bei der Arbeit verstümmelt wurde, weil er einen Unfall erlitt, der war eben selber Schuld. Wer krank wurde, ob durch die betörenden Arbeitsbedingungen oder weil er eben einfach das Pech hatte und die falschen Gene bei der Zeugung mitbekam, der konnte seinen Arbeitgeber nicht für sein persönliches Lebensrisiko verantwortlich machen – und auch nicht die Solidargemeinschaft, denn die gab es damals noch nicht!

Dafür kämpften die Gewerkschaften, dafür starben Menschen, dafür gab es Streiks, Hunger, Not und Elend!

Und heute? Der Achtstundentag ist immer noch nicht durchgesetzt, ebenso wenig wie die Fünftagewoche. Die Solidarität der Arbeiterklasse ist gesprengt durch das gekonnte Ausspielen der Arbeitsplatzbesitzer gegen die Arbeitslosen. Nach dem bewährten Prinzip „Teile und Herrsche“ hat das Kapital in Gestalt der Politik und der Lobbyisten einen großen Keil in die Arbeiterklasse getrieben und sie gespalten.

Von dieser Spaltung ist ebenfalls die Gewerkschaftsbewegung betroffen. Bemühte sie sich noch vor 40 oder 50 Jahren nach Kräften, die Arbeiterklasse sozial abzusichern und ihr einen (wenn auch recht bescheidenen) Anteil an den auch damals schon horrenden Unternehmensgewinnen zu sichern, so kann man heute die Gewerkschaft quasi als gescheitert betrachten!

Es gibt keinen Einsatz mehr zu Gunsten der Arbeitnehmer, der diesen Namen auch verdiente. Die Gewerkschaften üben sich in schönster Eintracht mit dem Kapital in Lohnzurückhaltung (um die Unternehmensgewinne zu sichern), in möglichst großer „Flexibilität“ (um der Arbeiterklasse ihre hart erkämpften Rechte wieder zu nehmen) und in einer bewundernswert naiven Einstellung zu den Forderungen der Wirtschaft nach „Nachhaltigkeit“ (was auch immer das sein soll, außer vielleicht nachhaltiger Profitsicherung).

Dabei lassensie sich von lauwarmen Versprechen und freiwillige Vereinbarungen einwickeln und für dumm verkaufen. Weite Teile der Tarifautonomie sind bereits nicht mehr das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen und der Arbeitnehmer steht nun wieder nahezu allein, und ohne wirksame Unterstützung da!

Eine arbeitnehmerorientierte Politik gibt es nicht. Nicht mehr, wenn man genau sein will und zwar spätestens seit Willy Brandt als Bundeskanzler zurück getreten ist! Jahrzehntelange Lobbyarbeit in den Parlamenten der Länder und des Bundes, in den Parteien und Verwaltungen, den Behörden und Ministerien dauerten zwar ihre Zeit und waren nicht ganz billig, aber sie verfehlten die angestrebte Wirkung nicht – die Zersetzung der Arbeitnehmerbewegung. Und dabei gelang es sogar, die Besitzer von Arbeitsplätzen gegen die Arbeitslosen derart aufzubringen, dass der arbeitende Teil der Bevölkerung den Teil ohne Arbeit nicht nur für seine Situation selbst verantwortlich macht, sondern völlig ausblendet, dass ihn selbst dieses Schicksal schneller ereilen kann, als er „wer Arbeit sucht, findet auch welche“ zu sagen vermag!

Die Arbeitgeber freuts! Es gibt heute niemanden mehr, der die Rechte der arbeitenden Bevölkerung vertritt, außer vielleicht der Linken und daneben noch einigen unbedeutenden kommunistischen Parteien und Parteisekten. Wer heute auf sich hält, der vertritt die Meinung, wenns der Wirtschaft gut geht, gehts auch den Menschen gut. Wobei die Realität freilich eine ganz andere ist! Und weil die abgehängten menschen, die Arbeitslosen, Hartz-IV-Empfänger und Geringverdiener, neben Kleinrentnern und Kinderreichen, Kranken und Versehrten, dies schon vor geraumer Zeit erkannt haben, gehen sie einfach nicht mehr zur Wahl. Sie haben erkannt, dass niemand ihre Interessen vertritt, und es darum völlig ohne Belang ist, ob sie nun wählen gehen, oder nicht!

Während dessen sehen sie voller Neid und Abscheu, wie die Nieten in Nadelstreifen große Konzerne vor die Wand fahren, Mitarbeiter entlassen, Sparprogramme (auf Kosten der Mitarbeiter) durchziehen und den Aktionären Dividenden auszahlen. Sie sehen, wie die Banken ohne jedes Schuldbewusstsein und unter dem wohlwollenden Blick des Staates und der Kapitalmärkte das ihnen anvertraute Geld verzocken, verplempern und vergeigen und anschliessend (nebst der üppigen Managerboni natürlich) vom Staat gerettet werden. Das gibt ihnen den Eindruck, der Politik völlig egal zu sein und damit dürften sie nicht einmal so falsch liegen.

Dort wo das Geld sitzt, bei den Reichen, den Kapitalisten, da trägt der Staat stets Sorge, dass sich nichts daran ändert. Er ist nicht einmal bereit, von den Besitzenden Steuern zu erheben, die ein Funktionieren des Staates sicher stellen. Er gibt ihnen viel mehr die Möglichkeit, durch allerlei Tricksereien, ihre Steuerlast zu mindern, bis sie nahe Null geht und wenn denn Geld benötigt wird, dann erhöht der Staat die Steuern da, wo es die Reichen nicht tangiert, dem enfachen Mann/Frau von der Straße aber deutlich weh tut, getreu dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist!“

Sie und wir sehen, dass die Aufgabe des Staates die Sicherung des Reichtums der wenigen wirklich Reichen zu sein scheint und dafür ist er bereit, nahezu jedes Opfer zu bringen, dass er der arbeitenden Bevölkerung abringen kann!

Und nun müssen wir uns anhören, dass sowohl die Mütterrente eine Unverschämtheit ist und ein Wahlgeschenk, dass aber passenderweise aus der Rentenkasse finanziert wird, also von den Beitragszahlern und jene ungeschoren lässt, die sich privat absichern können, weil sie ein so hohes Einkommen erzielen, dass ihnen die Möglichkeit eröffnet, sich der Solidargemeinschaft und der solidarischen Finanzierung des Staates und seiner Aufgaben zu entziehen. Und eifrig hetzt man die jüngeren Generationen gegen die habgierigen Alten auf, die es wagen, auch im Alter angemessen Leben zu wollen – natürlich (so erzählt uns die Politik unisono) auf Kosten der Jungen!

Und die Einführung der Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren muss ebenfalls, politisch und von der Springer-Journallie propagandistisch aufbereitet, als ein Affront gegen die jüngeren Generationen verkauft werden, besonders aber als eine Zumutung gegenüber den Unternehmern, die ihre Mitarbeiter lieber noch ein paar Jährchen länger aubeuten würden, wenn sie sich denn in ihrer grenzenlosen Gnade und sozialer Verantwortung dazu herab gelassen haben, diese nutz- und wertlosen Mitarbeiter einzustellen. Aber das letzte Wort zu den Löhnen und Arbeitszeiten ist noch nicht gesprochen, da bin ich mir sicher.

Wir können uns darauf gefasst machen, dass der Achtstundentag bald zur Disposition steht, ebenso wie die bis heute nicht bundesweit durchgesetzte Fünftagewoche! Vom konjunkturabwürgenden Mindestlohn und seinen abstrusen Ausnahmen ganz zu schweigen!

Leute, eigentlich sollten wir nicht nur am 1. Mai einen friedlichen Kampftag der Arbeiterklasse begehen. Jeder Tag sollte ein Kampftag für die Rechte der Arbeiterklasse sein! Aber mit diesen Gewerkschaften, die genauso am Tropf der Wirtschaft hängen, wie die Politik, brauchen wir uns keine großen Hoffnungen machen!

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