BMW´s Oberklasse rettet die (Um)Welt?

Da lacht mal wieder die Koralle und die BMW-Händler reiben sich die Hände! Bei einem Einstiegspreis von mehr als 81.000 € für das Basismodell wird man wohl froh sein müssen, wenn für das Lenkrad kein Aufpreis fällig wird! Denn die Aufpreisliste umfasst sagenhafte 88 Seiten. Aber es trifft ja ganz offensichtlich keine armen Leute, die hier Kunden werden wollen. Gleichwohl wundert es mich schon ein wenig, wie man einem solchen Geschoss, mit 265 PS einen Verbrauch von sage und schreibe 4,5 Litern auf hundert Kilometer andichten kann. Das dürften wohl nicht einmal die bayrischen Werbestrategen glauben, denn immerhin müssen 1,8 Tonnen Auto bewegt werden. Bekanntermaßen wird bei den Verbräuchen gelogen, dass sich die Balken biegen, nur um auf dem Papier die Flottenverbräuche zu senken! Was das der Umwelt bringt? Nichts, ist doch klar. aber die Bundesregierung kann behaupten, sie hätten das menschen- und technisch Mögliche getan, mehr sei der notleidenden Autoindustrie einfach nicht zuzumuten gewesen. Es geht ja hier schliesslich um (gut bezahlte) Jobs und wenn auch schon die Mehrzahl der Arbeitnehmer von solchen Einkommen nur träumen kann, wie sie in der Branche bezahlt werden, sind ja auch noch regelmäßig, trotz der wirtschaftlichen Notlage allenthalben, auch noch jährlich fette Prämien drin. Wer kann dazu schon nein sagen?
Der automobile Wahnsinn greift immer weiter um sich. Die Autos werden jedes Jahr größer und schwerer, die Motoren immer stärker. Wenn die technische Entwicklung wirklich in der Lage sein sollte, solche Verbräuche zu erzielen, wie angeblich hier bei diesem fetten Oberklassewagen, dann würden sie vermutlich, wenn denn diese Motoren in einen Oberklasse-BMW von 1970 eingebaut würden, mit jedem Kilometer den Tank füllen, anstatt ihn leer zu saufen! Aber wer solche Werbemären glaubt, wie sie die Industrie erzählt, der zieht sich auch die Unterhosen mit der Kneifzange an…

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Vorratsdatenspeicherung is best – fuck the rest!

Na aber Hallo! Die Vorratsdatenspeicherung ist die Lösung all unserer Probleme! Welthunger? Mit Vorratsdatenspeicherung kein Problem mehr! Terrorismus? Mit Vorratsdatenspeicherung können die Terroristen vor der Tat identifiziert, verhaftet, verurteilt und putativ erschossen werden! Umweltverschmutzung? Vorratsdatenspeicherung! Impotenz? Vorratsdatenspeicherung hilft! Ungewollt kinderlos? Vorratsdatenspeicherung sorgt dafür, dass potenzielle Fremdbesamer schnell erkannt und zur Befruchtung heran gezogen werden können! Korruption? Nicht mit der Vorratsdatenspeicherung!

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Der Markt regelt alles allein!

Ach, die Industrie verpasst den digitalen Anschluss? Dann sollte die Industrie mal ihren fetten Arsch bewegen und und den digitalen Rückstand aufholen! Oder muss das jetzt etwa der Staat machen? Jener Staat, der auf keinen Fall der bessere Unternehmer ist und sich aus wirtschaftlichen Dingen am besten heraushalten soll? Der Staat, der gefälligst den Markt Markt sein lassen soll und darauf zu warten hat, bis dieser alles von alleine regelt, oder auch nicht? Fragen über Fragen! Und der BDI? Kann mich, ehrlich gesagt, mal kreuzweise am Arsch lecken!

Zwar weiss heute noch keiner, wie die Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen, aber das interessiert wohl auch nur insoweit, als die Arbeitnehmer Schuld an dem ganzen Desaster haben. Würden die nicht so unverschämt nach mehr Lohn greinen, hätte sicher das ein oder andere notleidende Unternehmen ein paar Euro übrig, um sich gegen die digitalen Unbilden einer ungewissen Zukunft zu wappnen! So bleibt einstweilen nichts anderes übrig, statt auf Industrie 4.0 doch noch ein paar Jahre auf Industrie 0.8.15 zu praktizieren!

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Neues aus dem EU-Saftladen – Umlagebefreiung für Safthersteller!

Tolle Leistung! Die EU gesteht 65 Branchen die Befreiung von der EEG-Umlage zu, darunter Saftherstellern, die nun nicht mehr den Saft mit den nackerten Füssen ihrer MitarbeiterInnen auspressen müssen, sondern dafür jetzt elektrisch betriebene Saftpressen benutzen dürfen! Damit sind sie endlich, endlich, international wettbewerbsfähig! 

Na dann bleibt ja nur noch der dämliche Steuerzahler übrig um den ganze Energiewendescheiß zu bezahlen! Wirklich Klasse! Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich für die Kilowattstunde 5 Euro abdrücken muss, nein darf, und das zum Wohle unserer Industrie. Da geht einem doch so richtig das mitfühlende Herze auf, nicht wahr? 

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Versucht mal Euer Geld zu zählen, während Ihr die Luft anhaltet…

Jahrzehntelang hat man bei RWE jedes Jahr hunderte Millionen und Milliarden von DM, später Euro eingesackt und sie nachhaltig in die Vorstandsgehälter und Managerboni investiert und nun sollen die Zeiten des Überflusses ein für alle mal vorbei sein?

Auf Atomkraft gesetzt und Kohle verstromt, ohne Rücksicht auf die Umwelt und zu Lasten der Gesellschaft, den Ökostromboom verpennt und noch immer keinen Plan, wie man auch weiterhin den Energiemarkt beherrschen kann? Tja, ein fossiler Ideenträger (auch ich mag solche Wortspiele einfach) wie Peter Terium wird nie verstehen und akzeptieren, dass die sinnvollste und ökologischste Art der Energieerzeugung die dezentrale Energieerzeugung ist. Da muss er in Zukunft wohl kleinere Brötchen backen, denn irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser Saftladen systemrelevant ist und deswegen von Staats wegen gerettet werden muss. Obwohl, was ist schon sicher in diesem Land? Die Vernunft wohl nicht!

Dennoch finde ich es immer wieder allerliebst, wenn Herr Terium mit feuchten Augen und tränenerstickter Stimme die „Planwirtschaft“ der Bundesregierungen geißelt und zugleich den Untergang des marktliberalen Abendlandes heraufbeschwört. Ein deutliches Zeichen dafür, dass er nicht einmal im Ansatz verstanden hat, um was es geht und nicht einsehen will, dass auch Marktwirtschaft planen muss. Aber das ist natürlich etwas gaaanz anderes als Planwirtschaft?

Nun ja, wir können nun darüber rätseln, wie wir uns zu diesem Gejammer stellen wollen. Sind es tatsächlich die armen, von welcher Planwirtschaft auch immer, in ihren Entfaltungs-, Innovations- und Profitmöglichkeiten geknebelten und brutal eingeschränkten, ausschließlich auf soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit in Gesellschaft und Umwelt fokussierten Kapitalisten, die unter so unglücklichen Umständen ihre Konzerne durch die rauhe See der Zeitläuften steuern müssen? Oder sind es einfach nur Versager, die mit den eigenen, als ultima ratio gepriesenen, kapitalistischen Regeln nicht klar kommen und ganz offensichtlich zu doof sind, sich auf verändernde Märkte und Bedingungen zu reagieren und lieber andere für ihre Dummheit und Unfähigkeit verantwortlich machen? Denn schließlich ist ja der Staat noch ihrer Lesart nicht der bessere Unternehmer. Sie aber schon? Meine Fresse, wenn das stimmt…ich sag nur:“Nieten in Nadelstreifen!“

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Milliardenverlust: RWE meldet schlechtestes Ergebnis der Nachkriegszeit (Artikel auf Spiegel Online vom 4.3.2014)

eBikes, Elektromotorräder und Elektroautos

Nachdem ich eine Weile durch das www gesegelt bin und dies und das gesucht und dabei etwas anderes gefunden habe, möchte ich Euch ein paar Links vorstellen, die mir ins Auge gestochen sind. Da ich ja selbst und immer noch ein überzeugte Fan und Befürworter der Elektromobilität bin, sogar nachdem ich nun selbst mit einem eher mittelmäßigen Elektroauto (Renault Z.E.) von Dienst wegen gequält und gepeinigt werde, suche ich nach elektrisch betriebenen Teilen, die etwas mehr Zukunft versprechen, als einfach nur ein umgebautes Großserienauto, dem man einen lumpigen Bleiakku verpasst hat!

Eigentlich, und das seh wohl nicht nur ich so, müssen elektrisch betriebene Fahrzeuge nach völlig anderen Prinzipien entwickelt und konstruiert werden, als konventionell mit einer Verbrennungsmaschine angetriebene Fahrzeuge. Dabei spielt das Gewicht, sowohl des Fahrzeugs, als auch des Akkusatzes eine tragende Rolle. Bedauerlicherweise zeichnen sich Akkus dadurch aus, dass sie entweder enorm teuer, mit schlechter Speicherkapazität ausgestattet, oder ungeheuer schwer sind! Die Effizienz des Antriebs ist schon relativ gut und besitzt einen Wirkungsgrad, von dem der Konstrukteur eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor nur träumen kann. 

Aber an der transportablen Speichertechnik für den Strom sieht man deutlich, dass der Elektromobilität knapp 100 Jahre Entwicklungszeit fehlen, eine Zeit, in der sämtliche ingenieurtechnischen Fähigkeiten sich darauf konzentrierten, Verbrennungsmotoren immer effizienter, leichter, sparsamer und stärker zu machen und seit etwa 20 Jahren auch noch immer abgasärmer.

Um die CO2-Effizienz eines Elektromotors braucht man sich nur insofern Gedanken machen, als die Herstellung in Kraftwerken umweltfreundlich zu erfolgen hat. In großtechnischem Massstab ist das ohne weiteres praktikabel, geht aber zu Lasten der Energiekonzerne und das wollen die natürlich nicht.

Genauso wenig sind die  Hersteller von Automobilen bereit, großzügig in die Entwicklung effizienter Speichermedien zu investieren, damit die Elektromobilität endlich den Schub bekommt, den die Umwelt so sehr braucht. Aber nach bewehrtem Muster erwarten die Autokonzerne auch in diesem Fall jede Menge staatlicher Entwicklungsgelder für die Grundlagenforschung und die Abfederung oder Vermeidung unternehmerischer Risiken, ist aber nicht bereit, die anschließend zu erwartenden Gewinne mit der Gesellschaft zu teilen, sondern möchte sie ausschließlich ihren Shareholdern zugänglich machen…

Aber es geht auch anders. In kleinerem Massstab, ohne Großserienproduktion, einfach nur mit viel Enthusiasmus. Und es entstehen wunderbare fahrbare Untersätze mit Charakter, innovativem oder Retro-Design und viel Freude am Fahren. Hoffen wir inständig, dass es sich irgendwann in der Großserie niederschlagen wird und die Menschen auch weiterhin individuell mobil sein können…

 

Herstellerlinks

 

GRACE (Michael Hecken baut nahe Berlin tolle eBikes aus hochwertigen Komponenten und je nach Modell schon ab 2.999,- €).

eROCKIT (Stefan Gulas fertigt das absolute Höllengerät für die Straße, das mit atemberaubenden 12 PS und Geschwindigkeiten bis zu 81 km/h das eBike auf eine neue Stufe hebt! Allerdings auch den Preis. Mit deutlich mehr als 12.000,- € ist das eROCKIT wahrlich kein Schnäppchen, das man sich mal eben so leistet. Aber allein das Design erhebt einen weit über das Rentner-Pedelec-Image hinaus! Natürlich darf das eROCKIT keine Fahrradwege benutzen, sondern ausschließlich die Straße, denn es ist als Leichtkraftrad zugelassen und erfordert einen Motorradführerschein).

PG Bikes (abartig schöne eBikes mit Charakter und einem dementsprechenden Preis – das ist sehr schade! Aber es gibt auch echte Customfahrräder)

3Elements (baut das eBike eSpire, ein nicht ganz billiges, aber gut durchgestyltes Elektrobike)

Zero Motocycles (Unternehmen aus Santa Cruz in Kalifornien/USA, das Elektromotorräder herstellt und auch in Europa vertreibt. Die Modelle reichen vom Sportbike bis zur Motocross-Maschine, die Preise bewegen sich zwischen 9.495,- € für die Zero MX Electric Motorcycle Motocross-Maschine, bis 13.995,- € für die Zero DS Dual Sport – und das sind nur die Grundpreise, versteht sich. Aber wer schön sein will, und elektrisch und umweltfreundlich, der muss wohl einfach leiden…)

Brammo (Hersteller von elektrischen Motorrädern aus Oregon/USA mit Vertriebspartnern in Europa und Deutschland. Preise gibt es auf Anfrage, offenbar redet man nich so gern darüber? Naja, die Elektroteile sehen jedenfalls sehr gut aus)

Segway (eine besondere Gattung elektrischer Fahrzeuge stellt der Segway dar, ein Gerät, bei dem man aufrecht steht, während man fährt und mit dem Körper lenkt, indem man das Gewicht verlagert. Die Reichweite ist sehr begrenzt, so dass man die Segways am Besten in der Stadt, oder in städtischer Umgebung einsetzen sollte. Bei einem Preis von deutlich mehr als 7.500,- € können einem allerdings die Sinne schwinden, wenn man die Größe dieses Geräts und seine Reichweite bedenkt. Für eine umweltfreundliche Massenmobilisierung von Stadtbewohnern ist der Segway damit allerdings untauglich…)

Tesla Motors (der, in meinen Augen, ultimative Elektrofahrzeughersteller. Tesla Roadster, Tesla X und Tesla S – so geht Elektromobilität, man muss sie sich nur leisten können).

Renault Z.E. (der französische Automobilhersteller hat ein paar elektrishe Eisen im Feuer, z. B. Den Kangoo Z.E., den Fluence Z.E., den ZOE und, besonders schnuggelisch, der Twizzy, von dem man nicht so recht weiss, für was er gut sein könnte. Ist er ein Motorrad mit vier Rädern? Eine rasende Einkaufstasche ohne Kofferraum? Was auch immer, er sieht aus, als mache er viel Spass).

Elmoto (Elektrokleinkraftrad mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h zum Preis von 3.699,- € in der EnBW-Edition. Ob das jetzt besonders günstig ist, kann ich Euch nicht sagen, da mir die Vergleichsmöglichkeiten fehlen, aber ich halte es für fragwürdig genug für einen Energiekonzern Werbung zu fahren, der sein Geld u. a. mit dem Betreiben von Atommeilern verdient!)

KTM (Freeride E, ein echtes Offroad-Motorrad mit Elektroantrieb)

Brutus Electric Motorcycle (Die Brutus 2.0 ist mal ein echtes Motorrad, für echte Biker, davon kriegt man Haare auf der Brust und dieses verdammt geile Drücken im Gesicht – brutales Design! Wäre was für mich. Die Reichweite soll irgendwo bei 60 km liegen, die Endgeschwindigkeit so um die 160 km/h. Ist also wohl eher etwas für Naschkatzen, die sich den Mund wässrig machen wollen und dann, wenn´s so richtig Spaß zu machen beginnt, ist der Akku leer! Scheiße!)

Zümaround (Hybrid Kick Scooter, oder wie man bei uns sagen würde ein Tretroller für Erwachsene, den man auch mit elektrischer Unterstützung haben kann…allerdings derzeit nur in den Staaten zu haben)

Urban Arrow (holländisches Unternehmen, dass Cargobikes baut, die man individuell nach seinen Wünschen und Bedürfnissen konfigurieren kann. Elektrische Unterstützung macht das Radeln mit Lasten etwas weniger anstrengend und dürfte dafür sorgen, dass man die Fitness mit Spass verbinden kann)

Marrs Electric Cycle Co. (als ich zum ersten Mal ein Bild dieses geilen Monsters sah, war ich regelrecht sprachlos – und das passiert mir nicht sehr oft! Exquisites, puristisches Design, Retro at its best und die Preise beginnen bei „moderaten“ 7.500,- $. Diese Teile sind einfach schön. Ob sie auch praktisch sind, kann sich jeder selber überlegen, aber für die Fahrt von zu Hause ins Büro irgendwo in der Stadt, sollte es allemal reichen. Vorausgesetzt, man hat einen gut gesicherten Platz, damit man am Abend auch wieder nach Hause tuckern kann. Mit aufgeladenem Akku und diesem fetten Bike! Natürlich kommt es aus Southern California/USA)

Juicer emotorbikes (noch ein wunderschönes handgefertigtes eBike aus den Staaten, dessen Retro-Design sich an den Anfängen des Motorradbaus orientiert und seinen elektrischen Antrieb in der markanten V-Form eines Harley-Davidson-Triebwerkes stolz zur Schau trägt!

125 Jahre Automobil – ein Grund zum feiern?

Die Entwicklung des Automobils

Am 29. Januar 1886 meldete Carl Benz ein Patent an, dass sich auf einen benzinmotorgetriebenen dreirädrigen Wagen bezog. Für gewöhnlich nimmt man daher dieses Datum als Startpunkt der automobilen Entwicklung in der Welt, obwohl nahezu zeitgleich nicht nur in Deutschland, das damals noch Deutsches Reich hieß, sondern auch in anderen Teilen der Welt, findige Menschen auf die Idee kamen, ihre Kutsche durch einen Benzin-, Gasmotor oder eine Dampfmaschine antreiben zu lassen.

Benz Motorwagen von 1888
Wirklich fortschrittliche Erfinder experimentierten bereits in den Anfangsjahren des Automobilbaus mit dem Elektroantrieb. Aber sie wurden von der Entwicklung der benzingetriebenen Kutschen überholt und schließlich abgehängt. Die entsprechende Technik war einfach noch nicht konkurrenzfähig. Bis heute hat sich an diesem Zustand wenig bis garnichts geändert, was einen nach 125 Jahren Entwicklungsgeschichte schon ein wenig nachdenklich werden lässt!

La Jamais contente, ein Elektrowagen, und
der Konstrukteur Camille Jenatzki 1899

Wollte man nicht oder konnte man nicht? Darüber kann man trefflich streiten, oder sich darauf verständigen, dass es einfach keinen Anreiz gab, leistungsfähige Elektroantriebe und Akkumulatoren mit der entsprechenden Speicherkapazität zu entwickeln. Ich behaupte einfach (und da bin ich mir der drohenden Angriffe der Verfechter des „Freien Marktes“ durchaus bewusst), unter den Bedingungen des Marktes kommt es nicht zur Entwicklung ökologisch verträglicher und umweltfreundlicher Antriebe, solange es billige fossile Energieträger gibt!
Das ist heute auch nicht anders. Investitionen in zukunftstaugliche und umweltfreundliche Antriebstechnologien werden nicht als Investitionen in die Zukunft betrachtet, sondern als Belastung, welche das ShareholderValue schmälert und darum investiert man nur das in die Entwicklung, was der Staat den Konzernen in den Arsch zu schieben bereit ist. Das Ganze wird dann (man weiß ja, was man seiner PR und dem Greenwashing schuldig ist) mit ein paar Euros aus der Firmenkassen aufgepeppt (was sich freilich steuersenkend auf die Unternehmensgewinne auswirkt), damit man wenigstens den Anschein von eigenem Interesse erweckt.
Nun, nach Jahrzehnten vom Staat mit Entwicklungsgeldern gesponsorter Entwicklung „umweltfreundlicher und alternativer“ Antriebstechnologien, ist man immer noch nicht viel weiter, als vor 125 Jahren (die Verbrennung fosslier Energieträger kann man daher offenbar mit dem Unwort des Jahres 2010 als alternativlos bezeichnen, jedenfalls aus Sicht der Automobilkonzerne).

BMW Hydrogen 7 aus dem Jahre 2007
Die Entwicklung des Wasserstoffantrieb, den BMW zunächst favorisierte, wurde mittlerweile eingestellt, nur damit sie von Daimler-Benz wieder aufgenommen werden konnte. Auf dem Markt der Elektroantriebe präferiert man nun den Hybridantrieb, der nicht auf den Verbrennungsmotor verzichtet, aber den Wagen durch die zusätzliche Technik so schwer macht, dass die Verbrauchsvorteile nahezu wieder aufgehoben werden! Besonders die großen SUV´s aus dem Premiumsegmant sollen mit dieser Technik ihren Ruf als spritfressende Straßendinosaurier, oder als Blech gewordener automobiler Hirnriss, verlieren!

Es zeigt sich, das die Automobilindustrie ohne scharfe gesetzliche Abgasvorschriften nicht bereit ist Akzente zu setzen, freier Markt hin, freier Markt her! Kein Wunder, dass die Konzerne dabei mit der ganzen Macht ihrer Lobbyisten vorgehen und das mit Erfolg. Alles, wozu die Konzerne bewegt werden konnten, sind wachsweiche, „freiwillige Selbstverpflichtungen“, die nicht bindend sind! Und die Regierungen nahmen es taten- und hilflos hin.

Die automobile Infrastruktur
In den Anfangsjahren des Automobilbaus nutzten Autos und Fuhrwerke diejenigen Feldwege gemeinsam, die bereits seit Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden die Handelsrouten der menschen markierten und Städte und Staaten miteinander verbanden.

Kgl.-sächsische Postkutsche

Das Reisen auf diesen Wegen war sicher kein Vergnügen, Wind und Wetter waren noch lange Jahre die Hauptfeinde der Reisenden und außerdem waren die Autos auf Grund ihres enorm hohen Preises nur einem realtiv kleinen, wohlhabenden Kreis von Menschen vorbehalten. Die Masse nutzte für ihre seltenen Reisen die zur Zeit der ersten Autos bereits flächendeckend ausgebauten Verkehrsnetze der Eisenbahnen.
Aber mit den Jahren stieg die Zahl der Automobile und damit die Nachfrage nach Treibstoff, Ölen und Schmiermitteln, sowie Möglichkeiten die anfällige Technik allüberall reparieren zu können. Es entstanden Werkstätten und Tankstellen. Rund um das Automobil begann sich ein ganzer Industriezweig zu entwickeln und bereits nach kurzer Zeit wollte sich der verwöhnte Autler (so hießen die Autofahrer damals auf „Teutsch“) nicht mehr damit zufrieden geben, nur auf den alten Reiserouten hinter den Fuhrwerken her zu tuckern, nein, man verlangte nach Autostraßen, denn man wollte Gas geben und Spass haben!
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Aber anstatt Spass zu haben, steht man heute im Stau, weil der Strassenbau mit der Verkehrsentwicklung nicht Schritt hält und man gleichzeitig den weiteren Ausbau des öffentlichen Personennah- und -fernverkehrs sowie des Güterverkehrs systematisch zu Gunsten des Strassenverkehr vernachlässigt hat!
Millionen Tonnen Treibstoffe werden durch den Verkehr in die Luft geblasen! Die Feinstaubbelastung (nicht nur aus Industriebetrieben) hat enorm zugenommen und verpestet die Luft in unseren Städten! Autobahnen und Bundesstraßen ziehen hunderte Meter breite Schneisen durch nahezu alle Länder unseres Planeten, sind dabei für Wildtiere kaum zu überqueren und daher eine Todesfalle für die gesamte Natur! Die Abgase des Verkehrs lassen unsere Wälder sterben, der Lärm macht uns alle krank, weil wir dem Verkehrsgetöse an kaum einem Ort entkommen können. Nachts zerschneiden die Xenon-Lichtkegel der Autoscheinwerfer die Dunkelheit, lassen Tiere erstarren und den Autos zum Opfer fallen! Menschen sterben in und durch Autos, verbluten auf Strassen und sterben mit zerschmetterten Knochen und inneren Verletzungen nach Unfällen!

Aber das Auto wurde nicht nur zum bevorzugten Verkehrsmittel für die kleine oder große Reise. Die Entwicklung des Automobils sorgte auch dafür, dass die Armeen von der neuen Erfindung profitieren wollten. Schnell erkannte man das Potenzial des Autos, wenn man es panzerte und ihm Ketten gab – die ersten Panzer entstanden und ich glaube behaupten zu können, ohne den Panzer als eine der Hauptsäulen bewaffneter Auseinandersetzungen, wären die Blitzkriege der Nazis, mit denen sie fast ganz Europa unter ihre Knute zwangen, nicht möglich gewesen!

Panzer IV der Nazi-Wehrmacht 1940
Es gibt kein Entkommen vor dem Auto und dem Straßenverkehr. Aber ist das ein Grund zum feiern?

Die Folgen des Autowahns

Energiekonzerne holzen den Regenwald ab um „Bio“sprit aus riesigen Plantagen in Monokultur zu gewinnen. Mais und Weizen wandert in Anlagen, die daraus ebenfalls „Bio“sprit erzeugen, anstatt als Brot oder Tortillas die hungernde Menschheit zu ernähren! Und die Ökobilanz ist fast genauso beschissen wie die des Benzins oder Diesels aus Erdöl! Was also soll das bringen? Wie immer geht es um Profit, um schnellen Profit! Dabei gibt es keinen Grund, 125 Jahre Automobil zu feiern! Aber sagt das mal den Automobil- und Energiekonzernen, sagt es denen, die vom Automobil leben, vor allem sagt es denen die sich in ihren oversized SUV setzen, um sonntags die Brötchen von der nächsten Ökobäckerei zu holen! Sie werden euch genauso verständnislos anschauen wie ihre Autos…
Es scheint unmöglich, aus diesem Dilemma aus Umweltzerstörung, Umweltverschmutzung, Armut, Ausbeutung, Gewalt, Krieg und Hunger zu entkommen, die das Auto und seine Entwicklung mit sich brachte. In einer globalisierten Welt können wir nicht auskommen ohne eine Verkehrsinfrastruktur und Transportmitteln, mit denen wir Waren von einem Ort zum andern bringen können.
Es wäre absolut illusorisch, sich aus dieser weltweiten Vernetzung zurück ziehen zu wollen. Aber wir können ihre ebenso weltweiten Folgen nicht länger ignorieren. Aber genau das tut die Politik entgegen anderslautender Behauptungen. Nachhaltigkeit in der Verkehrspolitik sind ist nicht mehr als ein bloßes Lippenbekenntnis, dass da endet, wo die Lobbyisten ihre Geldkoffer öffnen!
Wir können etwas dagegen tun, wenn wir uns Selbstbeschränkung auferlegen, indem wir Fahrräder benutzen, oder sogar unsere eigenen Beine, sofern sie unser Gewicht noch zu tragen im Stande sind. Es steht uns offen, regionale Produkte zu kaufen und so für uns persönlich der Globalisierung unser NEIN entgegen zu schreien! Wir brauchen keine Äpfel aus Chile und Weintrauben aus Südafrika, zu jeder Tages- und Nachtzeit und egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter. Genauso wie wir kein Fleisch von Tieren brauchen, die durch den halben Kontinent gekarrt wurden, um sie zu schlachten und anschließend mit dem LKW wieder zurück zu bringen. Wir brauchen auch keine Rosen aus Kenia oder Kolumbien, von Arbeiterinnen in einem Nebel aus Insektengift geerntet und mit Flugzeug und LKW heran gekarrt, um sie dann bei ALDI oder LIDL für 1,99 € je Bund zu kaufen und nach uwei Tagen in der Vase auf den Kompost zu schmeißen.
Wenn wir aber glauben, das Auto stehen lassen zu können, nur um dann mit dem Pauschalflieger für 19,90 € nach Malle zum Sangria saufen fliegen zu müssen, sind wir so dämlich, dass uns eigentlich der Blitz beim Scheißen erschlagen müsste, wenn es auch nur eine Spur Gerechtigkeit im Universum gäbe! Aber vielleicht geschehen ja wirklich noch Zeichen und Wunder, ich jedenfalls will nicht aufhören, daran zu glauben!!!

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