Hunger!

Hunger! Was ist eigentlich der Unterschied – von den weltanschaulichen Differenzen einmal ganz abgesehen – zwischen den Menschen, die in Nordkorea wegen der Ernährungslage (im Rahmen des Versagens des Sozialismus/Stalinismus) verhungert sind und auch heute noch verrecken, weil sie keine Nahrung haben und den Menschen, die in Afrika, z.B. Somalia, Äthiopien, im Südsudan, oder wo auch immer verhungern, weil sie sich die (reichlich) vorhandenen Nahrungsmittel mangels finanzieller Möglichkeiten (quasi als Opfer des „freien“ Marktes und den von ihm diktierten Preisen), nicht kaufen können?
Sind die Hungertoten in Nordkorea anders zu bewerten, als die Opfer der kapitalistischen Profitgier? Ist es angemessen, Menschen verhungern zu lassen, nur weil sie nicht genug Geld besitzen? Hat das vielleicht etwas mit Menschlichkeit, mit Menschenwürde zu tun? Was also ist der Unterschied zwischen der Verhungerten in Nordkorea und denen in der „freien“ Welt? Sind sie glücklicher gestorben? War der Tod weniger schmerz- und qualvoll, weil er den Betreffenden in einem Teil der Welt ereilte, den man als „frei“ bezeichnete?
Warum verhungern Menschen überhaupt in einem Land der „freien“ Welt? Nun, natürlich sind es weit mehr Menschen in diesen Weltgegenden, die an verschmutztem Wasser verrecken und den dadurch hervor gerufenen Krankheiten. Und sie sterben in dem Bewusstsein, dass sie eigentlich problemlos überleben könnten, wenn sie nur über ein ausreichendes Einkommen verfügten und – das ist man ständig bemüht, zu verbreiten – dass er prinzipiell auch hätte, wenn er sich nur genug darum bemühte! So gibt man also denen die Schuld an ihrem Tod, die ihn erleiden müssen, nicht jenen, die so viel Geld besitzen, dass sie es zu Lebzeiten gar nicht ausgeben können!
Ich gehe sicher nicht fehl ind er Annahme, dass diese Erkenntnis kein großer Trost für einen Menschen ist, der sterben muss, weil er zu arm ist, um zu überleben.
Wer kann sich schon vorstellen, was im Herzen einer Mutter vor sich geht, die ihr Neugeborenes nicht stillen kann, weil sie keine Milch hat? Die ihr an Durchfall und Austrocknung gestorbenes Baby in der verdorrten Wüste begraben muss und ihm nicht mehr mitgeben kann, als das zerrissene T-Shirt, in das sie den kleinen Leichnam voller Schmerz und Liebe eingehüllt hat…
Und wir alle wissen, dass große Unternehmen vor allem in Afrika die besten Ackerflächen kaufen oder pachten (das sog. Land Grabbing), dass sog. Investoren mit Land und Lebensmitteln spekulieren und die Preise so in die Höhe treiben, dass die von ihrem Land vertrieben Kleinbauern nicht mehr existieren können. Gerade in den ärmsten Ländern werden tausende und abertausende von Hektar Ackerflächen an ausländische Unternehmen verkauft (natürlich meist mit tatkräftiger Unterstützung völlig korrupter Regierungsvertreter!). Und weil weder die Regierungen, noch die Kleinbauern beweisen können, dass sie die Landrechte besitzen, die Regierungen aber die Gewehre und Bajonette haben, vertreibt man die Kleinbauern und verscherbelt das wertvollste, was ein Volk sein Eigen nennen kann – sein Ackerland!
Ob dabei ein paar Unschuldige getötet werden, interessiert keine Sau! Das Land muss enteignet und den Konzernen übergeben werden, die mit riesigen Maschinen und ungeheuren Energiemengen im Rahmen industrieller Landwirtschaft Nahrungsmittel erzeugen, die sie für teures Geld in den entwickelten Ländern auf den Markt bringen. Die Märkte in den Erzeugerländern aber bleiben leer, weil die Einheimischen die geforderten Preise nicht bezahlen können.
Auf die schlechtesten Flächen vertrieben, an denen die Konzerne kein Interesse haben, sofern nicht unter dem Boden wertvolle Rohstoffe vermutet werden, und in die Wüsten verdrängt, vegetieren die nun landlosen Kleinbauern ohne jede Hoffnung auf Hilfe. Bleibt der Regen aus, oder regnet es zu viel, wird die Situation sofort Existenz bedrohend und wenn die Trockenheit kommt und überhaupt kein Regen mehr fällt, wenn das Land zur Wüste wird und das Vieh verreckt, sterben die Menschen. Und niemand weint den manchmal nicht mal mehr verscharrten Toten der Gier des Kapitalismus, der sich hier zu einem Neoimperialismus entwickelt hat, auch nur eine müde Träne nach!

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Permakultur praktizieren, aber wo?

Es ist schon ein Elend, wenn ich das mal so sagen darf. Die meisten Menschen, die sich unter Permakultur, oder natürlicher Landwirtschaft (natural farming) etwas vorstellen können, besitzen meist nicht das zur Verwirklichung dieses Traumes nötige Stückchen Land. Das ist zwar nicht schön, aber so ist es nun mal.

Gut, der eine pachtet sich einen kleinen Schrebergarten und strebt danach, diesen nach permakulturellen Gesichtspunkten zu bewirtschaften. Das funzt dann auch solange, wie man sich an die häufig sehr eng gestrickten Regelwerke der Kleingartenvereine hält, in die man eintreten muss, um sich des „Besitzes“ von 2 oder 300 qm Gartenland zu erfreuen. Und da muss dann auch noch eine Hütte nach festgelegten Vorgaben draufgestellt werden, weil es jeder so machen muss und weil dies einen gewissen Einheitslook garantiert. Ohne den sind die offiziellen Kleingärtner scheinbar nicht glücklich.

Der Andere schaut, dass er sich ein Stück Ackerland von irgendeinem Einheimischen im Dorf pachten kann. Mit ein paar Beziehungen und  der Fähigkeit über die dämlichsten Witze zu lachen, hat man da schon gute Chancen, an etwas Land zu kommen. Pech nur, wenn der/die WohltäterIn dann 2 Jahre später stirbt und sich die zahlreiche Nachkommenschaft im innerfamliären Streit um die Erbschaft gegenseitig zerfleischt und besonders das Grundstück, auf dem man im Jahr zuvor in mühevoller Handarbeit eine Weidenhütte erstellt und sogar begonnen hatte einen lebenden Weidenzaun zu ziehen, im Mittelpunkt des Interesses der „Erbengemeinschaft“ steht. Ähnlichkeiten mit meinen eigenen Erlebnissen sind rein zufällig und tun nichts zur Sache. Aber den Todesstoß erhält so manches Permakultur-Projekt, dass in kleinem, privaten Rahmen hoffnungsvoll gestartet wurde, wenn sich herausstellt, dass ausgerechnet jenes kleine Stückchen Land zu einem künftigen Neubaugebiet gehört. Naja, um nochmal auf die Erben zurück zu kommen. Das Grundstück ist heute verlassen, die Weidenhütte ist weg, der Zaun liegt flach und wo früher die Hühner scharrten, steht das Gras halbmeterhoch. Das Neubaugebiet kam dann doch nicht, aber das macht es nun auch nicht besser!

Wo war ich denn? Ach ja, wie und wo also Permakultur praktizieren? Land kaufen? Hier in Mitteleuropa, insbesondere in Deutschland und dann noch in einer „Technologieregion“ wie z. B. Karlsruhe? Wer soll das bezahlen? Ich nicht! Pachten? Von wem? Die Stadt hält sich da sehr bedeckt, wenn man nachfragt. Da wird man an den nächsten Kleingartenverein verwiesen und dort kann man sich auf die Warteliste setzen lassen. Wenn man Glück hat, kriegt man nach 3 – 5 Jahren einen Garten angeboten. Pech nur, dass da drauf schon eine Hütte steht, die ist …“fest gemauert in der Erden steht die Form Hütte aus Lehm gebrannt“… und hat den Vorbesitzer viel Arbeit und noch mehr Geld gekostet und das will er nun wieder haben und zwar doppelt und dreifach. Summen um die 8 – 10.000,- Euro für so eine größere Abstellkammer sind hierzulande keine Seltenheit. Aber sie werden nicht nur gefordert, sondern offenbar auch immer wieder bezahlt.

Da fragt man sich schon, wo denn der Sinn einer solchen Kleingartenanlage ist, die doch eigentlich denen zur Erholung und Ernährung dienen sollte, die sich ansonsten nicht mit ausreichend gesunder Nahrung versorgen können (das war jedenfalls glaube ich der Gedanke, den der liebe Herr Schreber hatte, als er den Schrebergarten erfand. Nun, eigentlich hat er ihn nicht erfunden, sondern ein anderer, Ernst Innozenz Hauschild, der das Ganze dann aber zu Ehren Schrebers eben Schrebergarten nannte).

Und mal ganz im Ernst. Nicht jeder kommt mit der elendigen Vereinsmeierei zurecht, die in einem solchen Kleingartenverein herrscht. Wer auf Natur- und Umweltschutz steht, der wird schnell mit dem ein oder anderen Gartennachbarn zusammenrasseln, wenn der wegen jedem Unkraut die Spritze mit dem Unkraut-ex hervor holt. Nee, ein Versuch in solch einer „Gemeinschaft“ hat mir gelangt, um mir den Spass an Vereinen dieser Art gründlichst zu verderben.

Wo und wie findet der unabhängige Permakulturist ein würdiges und angemessenes Betätigungsfeld? Vielleicht einen Permakulturverein gründen? Oder eine Masanobu-Fukuoka-Gesellschaft? Vielleicht hab ich ja Glück und erbe auch mal irgendwo ein Grundstück, von irgendeinem Verwandten, von dem noch nie einer was gehört hat.

Dann werd ich sofort aktiv, ehrlich. Aber solange ich das Problem des Grundstücks noch nicht zufriedenstellend gelöst habe, bleibt mir nix anderes übrig, als mich auch weiterhin theoretisch zu profilieren, oder dies zumindest zu versuchen. Seid mir auch weiterhin gewogen, es würde mich sehr freuen!

weiterführende Links:

  • Happy Earth (Adventures in Urban Sustainability – Nachhaltigkeit in Vorstadtgärten; englischsprachige Seite aus Australien;).
  • Permablitz.net (Australische Seite, die sich ein wenig nach Blitzkrieg anhört. Aber wenn´s um Permakultur und Nachhaltigkeit geht, ist das wohl in Ordnung; englisch).
  • Plants For A Future (7.000 usefull plants; Hier findet Ihr alles, was man in seinem Garten so anpflanzen kann und das  dann in der ein oder anderen Form von Nutzen ist, für die Ernährung oder sonstwie. Mit Suchfunktion nach lateinischen Namen).
  • Permaculture info PIW (ein Spin off von Plants For A Future).
  • LiBaware Gardening and Natural Farming (Gute Seite, mit ellenlanger Linkliste zu Permakultur und anderen Seiten vom Eco-Nomaden).

Die Philosophie des Masanobu Fukuoka

Gestern bekam ich ein Päckchen von Amazon, dessen Inhalt ich herbeigesehnt hatte. Zwei Bücher von Masanobu Fukuoka, die ich mir bestellt hatte, um mich mit seiner Philosophie der „natürlichen Landwirtschaft“, der sogenannten „Nichts-Tun-Landwirtschaft“, eingehender auseinander zu setzen. Das eine trägt den Titel „Rückkehr zur Natur, die Philosophie des natürliche Anbaus“, das andere heisst „Die Suche nach dem verlorenen Paradies, Natürliche Landwirtschaft als Ausweg aus der Krise“. Flugs begann ich mit der Lektüre des Ersteren, um mir einen Überblick zu verschaffen.
Weil das Thema so interessant ist, jedenfalls halte ich es für sehr interessant, habe ich mich entschlossen, die Erkenntnisse des mittlerweile 94-jährigen Japaners unters Permakultur-Volk zu bringen. Jedenfalls das, was ich für die Essenz des ganzen halte.
Das Erste, was ich erkannte ist, das mir das Prinzip des „Nichts Tun“ außerordentlich gut gefällt. Wem nicht? Ich persönlich kenne niemanden, der freiwillig arbeiten und rackern würde wie ein Stück Vieh, wenn er das gleiche, oder sogar ein besseres Ergebnis erzielen könnte, ohne einen Finger und seinen Rücken dafür krumm zu machen.
Es ist ja das gleiche mit einem Menschen, der eine Ausbildung macht, nachdem er die Schule beendet hat. Nehmen wir mich als Beispiel. Nach dem Schulabschluss erlernte ich den Beruf des Kfz-Mechanikers (so hieß das jedenfalls damals noch). Nachdem ich auch diese Ausbildung erfolgreich gemeistert hatte, wurde ich einem Altgesellen zugeteilt, der mich in die Feinheiten des Berufs einweisen sollte, oder wollte, oder wie auch immer. Jung und ungestüm, wie ich damals war, empfand ich das als eine Herabsetzung und Beleidigung, denn ich hatte meine Ausbildung ja beendet. Ich hatte eine sehr gute Note und sogar einen Buchpreis erhalten und dachte: „Jetzt hebst du die Welt aus den Angeln! Alle warten nur auf dich!“
Ich stürzte mich also mit Feuereifer auf jeden Reparaturauftrag und arbeitete mit einem atemberaubenden Tempo, dass meinem Kollegen nur ein Kopfschütteln entlockte und die Bemerkung: “ Überlege vorher, was du tust und tue es dann gewissenhaft und ohne Hektik!“
Allein, ich wollte nicht hören und so war ich jeden Abend völlig ausgepumpt und fertig mit der Welt, ging erschöpft nach Hause und fiel todmüde ins Bett, während mein Kollege abends mit Freunden wegging und am nächsten Morgen frisch und munter am Arbeitsplatz erschien. Ich stand mit dickem Schädel und unausgeschlafen in der Werkstatt und fragte mich, wie er das schaffte. Irgendwann habe ich herausgefunden, wie er das gemacht hat. Er arbeitete ruhig, konzentriert und überlegt und dabei nutzte er das, was man früher Erfahrung nannte und heute als Knowhow bezeichnet.
Aber nun will ich Euch nicht weiter mit meiner Lebensgeschichte langweilen. Mein Kollege, von dem ich in den nächsten beiden Jahren übrigens sehr viel lernte, starb später an Leberzirrhose. Das dauernde Ausgehen ist ihm offenbar nicht so gut bekommen.
Was ich aber damit sagen will ist das folgende. Man arbeitet und lebt sicher am Besten, wenn man auf die Erfahrungen der Älteren baut. Nur will das in jungen Jahren kaum einer wahr haben und so versucht jede Generation das Rad neu zu erfinden, anstatt aus dem Wissen der Alten zu schöpfen. Und genau das ist es, was Masanobu Fukuoka sagt. Wir lernen nicht von der Natur, indem wir sie beobachten, die ja seit Milliarden Jahren existiert und sicher am Allerbesten weiß, wie man Pflanzen aussät, sie keimen und wachsen lässt.
Nein, wir modernen Menschen denken dass wir alles besser wissen, dass wir die Natur verstanden haben, ohne das wir ihr zu hören und das wir sie beherrschen können. Die Wissenschaftler erfinden immer neue Methoden, um die Landwirtschaft effektiver zu machen und keiner merkt dabei, dass dies nur dazu führt, den Boden und die Natur zu zerstören. Immer größere und schwerere Maschinen bearbeiten mit immer weniger Menschen das Ackerland und die Felder. Immer mehr Energie, Düngemittel und Pestizide werden eingesetzt, obwohl die Erträge durch diesen Aufwand nicht zu rechtfertigen sind.
Zu allem Überfluss beglückt uns die Industrie nun auch noch mit gentechnisch veränderten Pflanzen, Patenten auf Lebewesen usw. und behauptet, damit das Nahrungsproblem in Zukunft lösen zu können. Niemand nimmt dabei wahr, dass diese Art der Landwirtschaft den Boden und seine Lebewesen ja, die gesamte Natur zerstört.
Darum, so schlägt Fukuoka vor, sollen wir zurückkehren zur Natur. Wir sollen die Natur das machen lassen, was eigentlich nur sie kann, nämlich Pflanzen und Tiere praktisch aus dem Nichts entstehen lassen! Eigentlich brauche kein Samenkorn einen gepflügten, gefrästen und gedüngten Ackerboden. Die Natur hat die Samen in die Lage versetzt zu keimen, wenn die Bedingungen günstig sind, selbst wenn sie einfach nur auf den Boden fallen. Einen „bearbeiteten“ Boden brauchen nur künstlich gezüchtete Samen, die überzüchtete Pflanzen hervorbringen, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu vermehren. Das ist ganz und gar nicht natürlich. Es ist der Anfang vom Ende. Deshalb müssen wir umkehren und unser Heil nicht in immer noch mehr Wissenschaft und Forschung suchen, sondern in der Rückkehr in den Schoss der Natur, in den Schoss von Mutter Erde!

"Biosprit" Segen oder Fluch?

Was böse Zungen schon lange behaupten scheint sich nun zu bewahrheiten – die Pläne der Bundesregierung, ihre CO2-Bilanz zu schönen, indem man dem Benzin zwangsweise sogenannten „Biosprit“ beimischt, sind so gut wie gescheitert.
Mal abgesehen von der Tatsache, dass es völlig abartig ist, für die Anlage von Plantagen zur Erzeugung von Biosprit Regenwälder ab zu holzen oder gar kostbares Ackerland (vorwiegend in Ländern der sogenannten Dritten Welt) zu nutzen, zeugt die Art und Weise wie man die Pläne zur Reduzierung der CO2-Emissionen umzusetzen versuchte weder von Fingerspitzengefühl, noch von irgendwelcher Sachkenntnis. Stümperhaft eben und offenbar ohne jede Ahnung von dem, was man da beschlossen hatte, wurde erst haufenweise Geld verpulvert um die nötigen Vorbereitungen zu treffen, dass man jetzt wohl genauso abschreiben kann, wie die vergeigten Millionen und Milliarden der Banken, die auf faule Kredite aus US-Immobiliengeschäften gesetzt hatten.
Der deutsche Steuerzahler ist wieder einmal – oder eigentlich wie immer – der Dumme. Aber das sollten wir ja mittlerweile gewöhnt sein!

Was essen die Menschen der Zukunft?

So wie die Ressourcen und Rohstoffe auf der Erde unterschiedlich und nach Auffassung vieler Menschen ungerecht verteilt sind, verhält es sich auch mit den landwirtschaftlichen Nutzflächen, dem fruchtbaren Ackerland also!
Mit dem gleichen Recht, wie sich die Industrienationen fragen, warum zum Teufel die größten Rohölreserven ausgerechnet in der politisch unruhigsten Weltregion am Persischen Golf liegen, kann man fragen: wieso eigentlich nicht? Solche Fragen sind eigentlich müssig und sollten für die Menschen ein Ansporn sein, miteinander zu kommunizieren und friedlichen Handel zu treiben. Stattdessen führt man Krieg um die Ölreserven, fackelt dabei gleich noch einen großen Teil ab und im Gegenzug beglücken uns die islamischen Staaten, die auf den Ölfeldern sitzen, mit einer besonders militanten Form des Islamismus! Was für eine verrückte Welt!
So wie der Westen den Golfstaaten ihren Ölreichtum neidet, halten diese es für ungerecht, dass der Westen mit riesigen Flächen fruchtbaren Ackerlandes gesegnet ist. Eigentlich zeugen solche Eifersüchteleien von ausgesprochener Ignoranz und zeigen, dass kaum noch jemandem die Vielfalt pflanzlichen, tierischen und nicht zuletzt menschlichen Lebens bewusst ist.
So wie wir mit neiderfülltem Blick die Medienberichte aus der Golfregion verfolgen, die uns den märchenhaften Reichtum der Scheichs und die niemals stillstehenden Ölpumpen auf den riesigen Ölfeldern zeigen, schauen diese mit Unverständnis auf die zur Erntezeit goldgelben Weizenfelder, auf denen riesige Maschinen die Ernte einbringen um diese zur Nahrungserzeugung in die Fabriken zu transportieren. Niemand nimmt zur Kenntnis, dass dei industrielle Landwirtschaft des Westens genauso gefährlich und schädlich ist, wie die hemmungslose Ausbeutung der Ölfelder der Golfregion.
Riesige Konzerne erzeugen Saatgut, auf das sie ein Patent angemeldet haben und die es den Bauern unmöglich machen, aus den daraus gezogenen Pflanzen eigenes Saatgut zu gewinnen. Einheitssorten, gezogen in riesigen, maschinengerechten Monokulturen, gedüngt mit Massen von Kunstdünger und „geschützt“ vor Ungeziefer, Unkräutern und Pilzbefall durch große Mengen Insektizid, Pestizid und Fungizid, sind die Grundlage unserer Nahrungsmittel geworden. Jahrzehntausende alte Urwälder werden gerodet, ein paar Jahre lang Soja und Mais angepflanzt,um daraus Viehfutter herzustellen.
Die Einheitssorten, die industriell angebaut werden, werden von den Konzernen gezüchtet, patentiert und verkauft, die genau daraus sogenannte Lebensmittel ebenfalls in industriellem Maßstab erzeugen. Diese Sorten sind praktisch überall einsetzbar, vorausgesetzt, man düngt, bewässert und „schützt“ sie in ausreichendem Maß.
Noch im 19. und 20. Jahrhundert war dies ganz anders. es gab eine beispiellose Biodiversität. Für nahezu jede Gegend der Erde gab es spezifische Nutztiere und Nutzpflanzenarten, die an die Bedingungen einzelner Regionen angepasst waren und über Jahrhunderte oder Jahrtausende daraufhin gezüchtet wurden. Ihre spezifischen Eigenschaften waren ideal für die klimatischen Bedingungen in den jeweiligen Entstehungsgebieten. Verbrachte man solche Züchtungen in andere Gebiete, sanken naturgemäß die Erträge und sie wurden anfällig gegen Ungeziefer und Krankheiten.
Um jedoch die Nutzpflanzen leichter Maschinell zu säen, zu pflegen und zu ernten, kreuzte man die unterschiedlichen Arten miteinander, um ihre positiven Eigenschaften zu stärken – zunächst sicher beseelt von dem Wunsch, den Hunger auf der Welt zu besiegen. Bestimmte Standards wurden festgelegt, welche die Nutzpflanzen zu erfüllen hatten, um sie industriell verarbeiten zu können. Dann meldete man Patente auf die so gewonnenen Hybriden an, denen man die Eigenschaft der Selbstreproduktion weggezüchtet hatte und begann das Saatgut teuer zu verkaufen. Bauern, die sich darauf eingelassen hatten, wurden so von den Saatguterzeugern abhängig. Auf diese Weise drängte man regionale Sorten vom Markt, da sie zwar an die Region angepasst, aber längst nicht so ertragreich wie die Hybriden waren.
Aus diesen industriell erzeugten und in Fabriken verarbeiteten Rohstoffen wird ein großer Teil unserer „Nahrung“ erzeugt und fein säuberlich, aufwändig und einzeln verpackt an den Verbraucher verkauft. Man muss sich nicht wundern, wenn die Kinder heute keine Ahnung haben, dass Ketchup eigentlich aus Tomaten hergestellt wird und sie zwar Ketchup mögen, sich aber beim Verzehr von Tomaten übergeben müssen.
Dieser Trend zu industriell erzeugten Nahrungsmitteln wird sicher noch weiter zunehmen. Dies hat zur Folge, dass Menschen, die gesunde und natürliche Nahrung zu sich nehmen möchten, gezielt danach suchen und auch noch tief dafür in die Tasche greifen müssen. Bedauerlich, denn ausgerechnet die Menschen, die durch harte körperliche Arbeit eigentlich gezwungen sind, sich ausgewogen und gesund zu ernähren, können sich diese Lebensmittel in der Regel überhaupt nicht leisten. Um wie viel mehr trifft dies auf die Menschen in der sogenannten Dritten Welt zu?
Es stellt sich die Frage, ob es wirklich richtig ist, dass Konzerne Patente auf Pflanzen und Tiere, also auf Lebewesen anmelden können? Jeder Mensch sollte zumindest das verbriefte Recht auf freien Zugang zu Saatgut von alten Nutzpflanzenarten haben. Ob er das nutzt, sei seiner Entscheidung überlassen.
Wir müssen auch nach Möglichkeiten suchen, die eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft ermöglichen, die nicht die Böden auslaugt oder überdüngt und die die Diversität von Pflanzen und Tieren in all ihrer Vielfältigkeit erhält und unseren Nachkommen weitergibt.
Es sind intensive Forschungen und Versuche notwendig um die Grundlagen zu schaffen für:

  1. ökologische Landwirtschaft
  2. Nachhaltigkeit
  3. Permakultur/permanente Agrikultur
  4. artgerechte Tierhaltung
  5. Zucht und Erhaltung alter und regionaler Haus- und Nutztierrassen (mit Einlagerung von reproduzierbarem Genmaterial in einem Genpool).
  6. Zucht und Erhaltung alter Nutzpflanzen (mit Einlagerung von Samen in einem Genpool).

Führe Dein Leben selbstbestimmt – lass Dich nicht verführen!

weiterführende Links:

  • No Patents on Seeds (Organisation, die gegen die Gen- und Pharmakonzerne kämpft, die Patente auf Pflanzen und andere Lebewesen erwerben möchten, oder bereits erworben haben!)