Essbare Städte sichern die Zukunft

Schaut man sich an, wie es in den Städten Deutschland aussieht, dann bietet sich einem meist einziemlich trotsloses Bild. Beton- und Asphaltwüsten, vielstöckige Häuser, Fabriken und autobahnbreite Straßen, gesäumt von schmalen Bürgersteigen, hin und wieder eine Fußgängerzone, die aber auch nicht von Grün überflutet ist, sondern die Leute lediglich in die Geschäfte bringen soll um zu konsumieren und die Wirtschaft anzukurbeln. Man will Profit machen, um jeden Preis, auch um den Preis unserer Gesundheit, weiter nichts! Vielerorts, wie zum Beispiel in Karlsruhe, rauschen Straßenbahnen, wie an einer Schnur gezogen, so dicht nacheinander durch die Mitte der Fußgängerzone, dass man bisweilen kaum von einer Seite auf die andere wechseln kann.

Geld ist der Treib- und Schmierstoff, der unsere Gesellschaft am Laufen hält.

Aber es gibt genug Menschen, die können an diesem Rennen und Streben nach dem Konsum nicht teilnehmen, einfach, weil ihnen das Geld dazu fehlt. Sie sind arbeitslos, gehören zu den Geringverdienern, oder kriegen nur eine sehr bescheidene Rente. Andere wiederum wollen einfach nicht Teil dieses Konsumwahnsinns sein und koppeln sich ab.

Und während sich die meisten Menschen gut dabei zu fühlen scheinen, wenn sie ihr Geld in die Geschäfte tragen (jedenfalls redet man ihnen das täglich ein) und es dort für Dinge ausgeben, die sie eigentlich nicht brauchen (was die Werbeleute natürlich ganz anders sehen), kämpfen die anderen um´s Überleben mit den wenigen Ressourcen, die sie zur Verfügung haben.

Bekanntermaßen leiden Menschen mit geringen Einkommen häufiger unter ernährungsbedingten Erkrankungen, starkem Übergewicht und anderen Begleiterscheinungen eines Lebens am Rande des Existenzminimus, was vermutlich auf die Tatsache zurück zu führen ist, dass sie sich nur die allerbilligsten Nahrungsmittel (wenn man die überhaupt so nennen kann) kaufen können und die sind in aller Regel viel zu fett, enthalten ungeheure Mengen Zucker und chemische Zusatzstoffe und sind qualitativ derart minderwertig, dass bei ihrer entsorgung eigentlich die Gesetze und Regelwerke zur Behandlung und Entsorgung von Sondermüll angewenet werden müssten.

Obst gehört meist nicht zum Speiseplan der unterprivilegierten Schichten, nicht nur, weil sie es sich kaum leisten können, wenn sie es nicht gerade bei einer Tafel erhalten (so spart sich der „Spender“ die Entsorgung als Restmüll und verschafft sich ein „gutes Gewissen“), sondern weil sie auch oft garnicht darüber im Bilde sind, welche wichtige Funktionen Obst und Gemüse in einer ausgewogenen Ernährung spielen. Und was nciht in Form von Obst und Gemüse auf dem Esstisch landet, das wird durch Fast Food, Chips und Süßigkeiten ersetzt, mit den bekannten Folgen für aussehen, Wohlbefinden und Gesundheit!

Der Wunsch nach gutem, ausgewogenem Essen, wird einem nicht in die Wiege gelegt. Essen ist eine frage der Erziehung, besonders richtiges essen und wer sich mangels ausreichendem Einkommen nicht angemessen nähren kann, der gibt das damit verbundene Mangel- und Halbwissen an seine Kinder weiter. Adipositas und Diabetes, sowie Herz- und Kreislauferkrankungen schon in jungen Jahren, sind die tragischen Folgen!

Und wie kann man dem entgegen wirken, frage ich mich schon seit geraumer Zeit und ich habe darüber sehr intensiv nachgedacht. Das brachte mich auf einen, na sagen wir mal etwas unkonventionellen Gedanken, den man als „essbare Stadt“ bezeichnet. Natürlich ist damit keine wirklich „essbare Stadt“ gemeint, nach dem Motto „knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an mei´m Häuschen?“ Schließlich sind wir keine Hexen und Zauberer, die kleine Kinder fressen, oder sich von aufsässigen Bälgern in den Backofen stecken lassen, um ein grausiges Ende zu finden.

Eine „essbare Stadt“ könnte aussehen wie eine ganz normale Stadt. Jedenfalls in weiten Teilen, nur nicht in den Grünanlagen, oder dem, was die Stadtverwaltungen als solche bezeichnen. Warum, diese Frage stelle ich mir immer wieder, warum pflanzt man in den Grünanlagen, statt irgendwelchen Gestrüpps und anderem nutz- und sinnlosem Grünzeug, nicht einfach Obstbäume (Äpfel, Birnen, Quitten usw.), Obstbüsche mit allerlei leckeren Beeren (Johannisbeeren, Stachelbeeren usw.), oder gar ein- und mehrjärige Gemüse darunter und drumherum? Sicher finden sich Menschen, die sich nebenbei ein wenig um diese Gewächse kümmern und sie gelegentlich schneiden und pflegen. Damit das Ganze aber auch einen ökologischen Sinn hat, kann man für diese Bepflanzung Obstsorten verwenden, die früher regional weit verbreitet waren und heute durch die industriell angebauten Einheitssorten beinahe ausgestorben sind.

Besonders anbieten würden sich Halb- und Hochstämme, die eine Größe erreichen, die sie davor schützt, einfach von Vandalen umgetreten, oder ausgerissen zu werden. Die blühenden Bäume und Pflanzen würden Bienen und andere Insekten anziehen, die in oder um die Städte mit ihren ausgeräumten Fluren kaum noch Nahrung finden und so die Biodiversität erhöhen. Die Ernten könnte man den Bewohnern der umliegenden Gegenden kostenlos für den Eigenbedarf zur Verfügung stellen, ebenso Menschen, die es sich auf Grund ihres geringen Einkommens nicht leisten können, diese wunderbaren und gesunden Gaben der Natur im Laden zu kaufen.

Man kann Kindern die Natur nahe bringen und sie darüber aufklären, wie wichtig es ist, die Ernährung abwechslungsreich und mit viel Obst und Gemüse, anstatt mit Pommes und Ketchup zu gestalten. Vielleicht bietet ein solcher großer öffentlicher Obstgarten auch die Möglichkeit, die Nachbarschaften zusammen zu bringen, sie zu solidarischem Handeln zu ermuntern und sich mit ihrer Stadt und ihrem Stadtteil auseinander zu setzen. So kann eine Gemeinschaft zusammen wachsen, die heute eher als Ausnahme, denn die Regel zu betrachten ist!

Gleichzeitig kann man mit Guerilla Gardening-Aktionen ungenutzte und brach liegende Flächen in kleine Gärten verwandeln, die Nahrung liefern, Raum zum entspannen bieten und ebenfalls eine wichtige ökologische Funktion erfüllen, manchmal eben auch nur für eine kurze Zeit. Schlecht zu erreichende, eventuell hoch liegende Flächen, bombardiert man heimlich mit Seedbombs/Seedballs, deren Inhalt eine Mischung aus Blumen- und Gemüsesamen enthalten kann. Sie sind leicht selbst herzustellen, unauffällig zu transportieren und jederzeit einsatzbereit.

Zusammen mit einem Netzwerk aus Kleingärten (das einzige störende am Kleingärtnern ist die damit einher gehende Vereinsmeierei, die sicher nicht jedermann´s Sache ist) rund um die Städte herum, kann ein dichtes soziales Netzwerk entstehen, von dem alle, ganz besonders aber die ärmeren Schichten und die Bedürftigen profitieren können! so weckt man sicher mehr Verständnis für die Notwendigkeit des Natur- und Umweltschutzes, als durch abstrakte Gesetze gegen den Klimawandel, der insbesondere Menschen betrifft, die ein Auto fahren und sich bei einer Neuanschaffung ein sparsameres Modell zulegen sollten (was allerdings den deutschen „Premium“-Marken“ wenig bis garnicht gefällt). Wer als Geringvedeiner ein Auto fährt, leistet sich aus nahe liegenden Gründen keinen Neuwagen, sondern kauft gebrauchte CO2-schleudern und fährt sie, bis sie auseinander fallen, ganz genau so, wie wir früher die getragenen Klamotten unserer älteren Geschwister auftragen mussten, oder anderer naher und ferner Verwandter.

Lasst uns also beginnen, unsere Städte grüner, gesünder und eßbarer zu machen, zu Oasen für Pflanzen und Tiere, zu echten grünen Lungen und zu Orten der Erholung und ausgewogener Ernährung.

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Guerilla Gardening – die Offensive gegen den Beton!

Als ich heute morgen aus dem Fenster sah und mir die Sonne direkt ins Gesicht schien, da dachte ich so bei mir:“Wieso stehen nicht überall Blumen an den Wegen? Und wieso wächst nicht überall Gemüse und Obst, dass sich jeder, der möchte, einfach kostenlos mitnehmen kann?“

Die Antwort war mir auch sofort klar! Weil niemand das anpflanzt und schon war ich wieder mal beim Thema Guerilla Gardening. Und die überall aus zarten Knospen hervor brechende Natur, die saftig grünen Blätter der Bäume und Sträucher, sie rufen uns zu, dass es wieder Zeit ist, für Guerilla Gardening! In den Städten und ihren Betonwüsten, in Baulücken, auf verkommenen Baumscheiben, Verkehrsinseln, grasbestandenen und von verratztem Grünzeug umsäumten sogenannten Parkanlagen, aber auch außerhalb der Städte auf brachliegendem Land, kann man Gemüse säen, Blumen, und sogar Bäumchen setzen.

Wenn man es genau nimmt, könnte man sogar Martin Luther als den ersten Guerilla Gärtner bezeichnen. Denn er war es, der da sagte:

 „Wenn ich wüsste, daß morgen die Welt unterginge, würde ich doch heute ein Apfelbäumchen pflanzen.

Und das ist ja mal eine klare ansage, auch für jemanden, der mit der Kirche nicht wirklich was am Hut hat!

Freilich wird das von den Verwaltungen der Städte nicht gern gesehen, aber mal ehrlich, wem gefallen schon die „Parkanlagen“, die sich durch nichts anderes auszeichnen, als durch ungepflegte Rasenflächen. Auf denen keine Blume gedeihen mag und Sträucher, die zwar billig in der Anschaffung sind, aber ansonsten lediglich Ratten als Unterschlupf dienen? Sie dienen bestenfalls als halbnatürliches Hundeklo für fußkranke Städter, denen der Zustand der öffentlichen Grünanlagen so sehr am Herzen liegt, wie anderen Leuten ihre Hämorrhoiden, Hauptsache der tiefergelegte Dackel Wastl kann sein Geschäft halbwegs ungestört erledigen.

Niemand, dem die Bedeutung der Natur, grüner Pflanzen und gesunder, natürlicher Nahrung, von leckerem Obst und feinem Gemüse, Beeren, bewusst ist, kann der Zustand unserer Städte egal sein und jeder ist aufgerufen, daran etwas zu ändern! Wer darauf wartet, dass sich die Stadtverwaltung bewegt, der sitzt in dreihundert Jahren immer noch da. Was wir nicht selber in die Hand nehmen, wird nie gemacht!

Wer im Internet unterwegs ist, der findet unendlich viele Informationen zum Thema Guerilla Gardening. Es gibt viele gute Seiten mit Rezepten für die notwendigen Zutaten, um den Grauschleier in unseren Innenstädten zu bekämpfen. Seedballs, Samentütchen, Moosgraffiti, der Möglichkeiten sind gar viele und die Zutaten sind billig, das Angreifen des Betons macht überaus viel Spass, besonders in Aktionen, die man mit Freunden des nachts, bei Dunkelheit und vermummt generalstabsmäßig geplant durchführt!

Macht unsere Städte schöner! Greift den Beton an!

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Das System der Permakultur (3. Teil)

Leben im Einklang mit der Natur, nachhaltig wirtschaftend und ökologischen Landbau in sich selbst erhaltenden Systemen betreibend, schließt auch den Bau ökologischer Häuser und anderer Gebäude mit ein. Natürlich ist es auf Grund der Vielzahl der Menschen nicht möglich, jedem ein Haus und ein Stück Land zuzugestehen, obwohl das wünschenswert wäre. Aber dazu ist die vorhandene Landmasse einfach zu begrenzt.

Trotzdem muss nach Wegen gesucht werden, wie Gebäude ökologisch sinnvoll und nachhaltig erbaut werden können. Die heutigen Häuser aus Beton, gebrannten Ziegeln, oder Yton, benötigen ungeheure Mengen an Energie bei ihrer Herstellung. Energie in Form von Strom oder Öl und die sind wahrhaftig sinnvoller einsetzbar, um sie bei der Herstellung von Beton, Zement oder Kalk zu verheizen. Es gibt Möglichkeiten stabile und gut gedämmte Häuser aus alternativen Baustoffen zu errichten. Meine Recherchen im Internet brachten eine Fülle von Informationen zu Tage.

Natürlich gibt es den Baustoff Holz, der idealerweise aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern kommen sollte. Nachteil dieses Stoffes ist die relativ lange Zeit, bis die Bäume eine geeignete Größe erreicht haben, um sie zum Bau von Häusern zu verwenden. Die Dämmeigenschaften von Holz sind hervorragend, allerdings können sich in den Stämmen Insekten einnisten und die Substanz zerstören.

Weiter gibt es das so genannte Super Adobe, eine Erfindung von Prof. Nader Khalili (www.calearth.org), der 1936 in Teheran geboren wurde. Er entwickelte das erwähnte Super Adobe im Auftrag der Vereinten Nationen zum Einsatz in der Dritten Welt und wurde dadurch zum Pionier auf dem Gebiet der Selbstbausysteme. Die mit diesem System errichteten Gebäude haben eine sehr angenehm an zu schauende organische Form und ebenfalls gute Dämmeigenschaften. Da Sand und Tone praktisch überall auf der Erde in großen Mengen vorkommen, könnte dies der Baustoff der Zukunft sein, wenn es die europäischen Behörden – speziell die Deutschen – über sich brächten, ihre Bauvorschriften so zu verändern, dass das Bauen mit diesen ökologischen Stoffen problemlos möglich würde (Mit der Begründung, die damit errichteten Gebäude seien nicht erdbebensicher genug, wurde sogar in den USA der Bau der Super Adobe Häuser verboten – in Wahrheit aber hatte wohl die Bauindustrie ihre schmutzigen Pfoten im Spiel, die ihre Felle davon schwimmen sah – um dennoch Gebäude errichten zu dürfen und ihnen zusätzliche Sicherheit und Stabilität zu geben, wird nun Stacheldraht mit verbaut). Wie viele Menschen können sich dann hierzulande ein eigenes kleines Haus leisten? Mittlerweile kann sich heute nur noch derjenige ein Haus in Deutschland kaufen, der in der Lage ist mindestens eine halbe Million Euro anzulegen. Es wird Zeit, dies zu ändern!

Häuser in Permakultur-Landschaften sollten genauso nachhaltig geplant und erbaut sein, wie die Systeme, mit denen in der Permakultur die Nahrung und Rohstoffe erzeugt werden. Vielleicht sollte man eine Interessengemeinschaft gründen, die versucht den Baustoff Super Adobe auch in unseren Breiten zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass kleine Siedlungen mit Häusern aus Super Adobe in einer quasi komplett essbaren Landschaft errichtet werden. Die Energieversorgung findet über Photovoltaik-Anlagen und Windkraftanlagen und Biogaskraftwerken statt, die dezentral Energie erzeugen. Die Abwässer werden in biologischen Pflanzenkläranlagen geklärt und in den Häusern sind überall Komposttoiletten installiert, die die menschlichen Fäkalien in fruchtbarsten Humus verwandeln.

Gleichzeitig kann man damit beginnen Häuser und Strukturen aus lebenden Bäumen wachsen zu lassen. Das dies funktioniert, beweisen nette Menschen Tag für Tag aufs Neue, indem sie Weidenhäuschen und lebende Zäune errichten. Der Trend zu diesen wachsenden Gebäuden begann Ende der Neunziger Jahre. Allerdings dauert es seine Zeit, bis diese Bauwerke fertig sind, so etwa 10 bis 15 Jahre. Deshalb beobachte ich diese Naturbauten-Szene seit geraumer Zeit um mir und Euch einen Eindruck und einen Überblick über die Techniken und die Ergebnisse zu verschaffen.

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