Das endlose Elend mit TTIP

Als ich heute morgen das Fernsehen einschaltete, geriet ich, Zufall oder nicht, sofort in die Präsentation der geleakten TTIP-Papiere durch Greenpeace und sah sofort meine schlimmsten Befürchtungen, die ich und die meisten anderen kritisch denkenden Menschen bis heute gehegt hatten, umgehend bestätigt!

Mir, und sicher auch einigen anderen Leuten, ist ofort klar geworden, warum sowohl diese Papiere, als auch die gesamten Verhandlungen geheim bleiben sollten! Sie zerstören unsere sowieso schon in Auflösung begriffene Demokratie und ignorieren vollkommen unsere Rechte und Interessen als Verbraucher, ja sogar unsere Menschenrechte. Hier wird ganz klar der jetzt offengelegte Versuch unterneommen unsere (relativ) hohen Standards auf allen wirtschaftlich in irgendeiner Form interessanten Gebieten, nicht nur zu senken, sondern so konsequent abzusenken, dass sie als solche nicht mehr zu erkennen wären. Und der Grund liegt ausschließlich in der Tatsache begründet, dass US-amerikanische Großkonzerne, eifrig unterstützt von ihrer Administration, nach neuen Märkten und Absatzmöglichkeiten für ihre Produkte suchen, ohne auf irgend jemandes Interessen und Befindlichkeiten rücksicht zu nehmen!

Wie ich auf diese Idee komme? Ich will es gleich so kurz wie möglich erläutern. In der gesamten 240-jaährigen Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, hat es nch nicht einen einzigen Vertrag mit einem anderen Land gegeben, der die Belange der US-Wirtschaft nicht berücksichtigt hätte und diese etwa im Ausgleich mit den Interessen anderer Staaten gar zurück genommen hätte: Nach wie vor gilt in Amerika das Mott: America first! Und das betrifft alles, was der Meinung amerikanischer Politiker nach die nationalen Interessen der USA berührt. Und was würde diese mehr berühren, als die Profite amerikanischer Konzerne zu mehren? Die USA führen Krieg in den Staaten des mittleren Ostens, um ihren Einfluss auf die Ölquellen der Welt zu sichern. Die USA führen Stellvertreterkriege in Afrika und Asien, um Rohstoffe zu kontrollieren, die sie als strategisch erachten und nicht zuletzt wollen die Amerikaner den Absatz ihrer (und nur ihrer) Waren sicher stellen. Denn was hätte amerikanische Außenpolitik und Politik überhaupt für einen Sinn, wenn sie nicht amerikanischen Interessen diente?

Schaut man sich die sogenannten „Verhandlungspositionen“ an, welche in den TTIP-Papieren niedergelegt sind, wird sofort klar, dass hier Positionen aufgebaut wurden, die keine anderen Möglichkeiten zulassen, als die Aufgabe der europäischen Verhandlungspositionen zugunsten US-amerikanischer Wirtschaftsinteressen. Ist ja kein Wunder, dass die Verhandlungs“partner“ auf europäischer Seite – und natürlich auch nicht die Profiteure aus den USA – nicht wollen, dass das jemand mitbekommt, bevor die Verhandlungen abgeschlossen, in trockenen Tüchern also, und unumkehrbar geworden sind.

Wir können an einigen Beispielen sehen, wohin zum Beispiel die sogenannten privaten „Schiedsgerichte“ führen werden, die ja „Streitigkeiten“ zwischen US-Konzernen und jenen Staaten „schlichten“ sollen, die wegen wirtschaftlicher Differenzen (womöglich der Verabschiedung von Gesetzen, die den Profitinteressen von US-Konzernen nicht genehm sind oder gar entgegen stehen) angerufen werden können. So der Plan! Angeblich! Rumänien zum Beispiel hatte nach dem Abschluß eines Investitionsschutzabkommens (ähnlich den Investitionsschutzgarantien die bei TTIP vorgesehen sind) einem kanadischen Bergbaukonzern Abbaulizenzen für die Gewinnung von Gold im Tagebau erteilt, die nach Protesten von rumänischen Gerichten wieder kassiert wurden! Dabei spielten Umwelt- und Naturschutz, sowie die Interessen der Betroffenen in dem Gebiet eine nicht zu unterschätzende Rolle. Nun hat der kanadische Konzern den Staat Rumänien vor einem in Amerika ansässigen Schiedsgericht auf Schadensersatz für entgangene Gewinne verklagt. Es steht ein Schadenersatz von etwa 4 Milliarden US-$ im Raum! Und das ist schon ein Wort für ein Land wie Rumänien!

Glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass das in anderen Ländern Europas anders ablaufen wird, wenn Regierungen souveräner Staaten Gesetze erlassen, die mit US-Interessen nicht kompatibel sind? Glaubt andererseits jemand, dass Konzerne aus der EU auch nur den Hauch einer Chance hätten, vor Schiedsgerichten in Amerika ihre Interessen durchzusetzen? Wenn dem so wäre, stünden die Schiedsgerichte nicht im TTIP-Vertrag. Wir haben eine unabhängige Justiz (jedenfalls halbwegs unabhängig) und wir haben juristische Traditionen, die teilweise über Jahrhunderte gewachsen sind, bzw. von den Völkern auf der Straße blutig erkämpft werden mussten!

Wir haben es nicht nötig uns vollkommen an die USA und deren Wünsche auszuliefern und ich werde für meinen Teil nicht auf dem Sofa sitzen bleiben und abwarten, ob sich die USA dazu bequemen gelegentlich auch den Interessen ihrer „Partner“ entgegen zu kommen. Darauf werden wir vergeblich warten. Und ich will, wenn ich in den Supermarkt gehe, auf den Verpackungen der Produkte nachlesen können, was und in welcher Menge darin enthalten ist. Dabei spielt es zunächst einmal keine Rolle, ob die Deklarationen der Wahrheit entsprechen (tun sie das nicht, dann ist das, unabhängig von der Gesetzgebung eine kriminelle Handlung, die mit der Härte unserer Gesetze zu ahnden ist!). Ich will auch keine gentechnich veränderten Organismen in unserer Umwelt verteilt wissen. Denn so kühl-technokratisch sich die Forderung der Amerikaner nach dem wissenschaftlichen Nachweis der Schädlichkeit, bzw. der Gefährlichkeit gentechnisch veränderter Organismen auch anhört. Wenn sie erst einmal in die Umwelt gelangt sind, lassen sich die GVO´s nicht mehr zurück holen, selbst wenn man plötzlich den wissenschaftlichen Nachweis in Händen hält, dass GVO´s eben doch nachweislich schädlich und potenziell gefährlich sind! Aber genau das wissen auch die Amerikaner! Und darum dreht sich´s in diesem TTIP-Vertrag!

weiterführende Links:

Vertical Farming – Nahrung für die Zukunft der Menschheit?

Am Horn von Afrika herrscht Dürre! Somalia ist eines der am heftigsten von der verheerenden Trockenheit betroffenen Gebiete, in dem mehrere Regenzeiten hintereinander ausgeblieben sind. Täglich verhungern Menschen, fliehen zehntausende Hungernde in die ebenfalls nicht von üppigen Ernten gesegneten armen Nachbarstaaten Äthiopien und Kenia.

Die Lage in den Flüchtlingslagern wird immer dramatischer, auch dort leiden die Menschen unter Mangelernährung, den unsäglichen hygienischen Zuständen und den Folgen des Hungers. die Industrienationen haben seit mehreren Jahren die Mittel gekürzt, mit denen die notleidenden Menschen unterstützt werden könnten und heute dürfen wir uns aus berufenem Politikermund anhören, es sei 5 vor 12!

Aktionismus ist angesagt und so erhöht die Bundesregierung prompt ihre „Hilfe“ auf 30 Mio. Euro, die EU insgesamt auf „satte“ 160 Mio. Euro. Angesichts der von der UN veranschlagten 1,6 Mrd. $ (Hungerkrise: „Horn von Afrika braucht 1,6 Mrd. $ Hilfe“ – Artikel auf FAZ.NET vom 25.7.2011) ist dieser Betrag nachgerade lächerlich und entspricht von daher genau der Einstellung kapitalistisch geprägter Staaten wie dem unseren, die eher hunderte von Mrd. Euro als Rettungsschirm über die gebeutelten systemrelevanten Banken aufzuspannen bereit sind, als das Hungerproblem der Welt schnell, effektiv und vor allem nachhaltig zu lösen!
Denn eines scheint klar – Nahrung ist genug vorhanden, aber nicht so verteilt und vor allem nicht so preiswert, dass jeder Mensch sich das kaufen kann, was er zum Leben benötigt. Nahrung ist, dank des kapitalistischen Wirtschaftssystems, zum Spekulationsobjekt geworden. Wer sich die Preise nicht leisten kann, der hat eben, nach kapitalistischer Lesart, Pech gehabt!

Ein weiterer Aspekt in diesem System der knappen, aber teuren Nahrungsressourcen ist, dass die reichen Industriestaaten ihre eigenen Ackerflächen mehr und mehr für den Anbau hochprofitabler Energiepflanzen (für sog. Biosprit und Bioenergie) nutzen, um die angestrebten Ziele für die CO2-Einsparungen zum Schutze der Umwelt zu erreichen.

Um aber die Nahrungsversorgung sicher zu stellen, kaufen die reichen Länder gleichzeitig die Nahrungsproduktion in den Ländern der Dritten Welt auf, während große Agrarkonzerne überall in den armen und ärmsten Ländern dieser Erde die besten Ackerflächen auf Jahrzehnte hinaus pachten, oder gar kaufen (nachdem korrupte Regierungen die einheimischen Kleinbauern enteignet und vertrieben und so die gewachsene landwirtschaftliche Kultur zerstört haben) und diese Flächen so der Nahrungsproduktion für die armen Einheimischen entziehen (Geschäfte mit Ackerland: Investoren haben Landlust – Artikel auf FAZ.NET vom 18.7.2011). Hier werden Produkte angebaut, die sich teuer in den Industriestaaten vermarkten lassen, die sich die einheimischen Hilfsarbeiter aber nicht leisten können!

Ist das fruchtbare Land erst weg, verloren an die ausländischen Konzerne, roden die hungernden einheimischen Bauern die letzten verbliebenen Reste des tropischen Regenwaldes, um ein bisschen Ackerland zu gewinnen. Auslaugung und Erosion lassen die Erträge aber rasch sinken und nach wenigen Jahren müssen die Menschen weiter ziehen, noch tiefer in den sterbenden Urwald hinein. Und je mehr sie die Bäume fällen oder abbrennen und neuerdings mit Agent Orange vergiften, desto weniger Regen fällt und lässt das Land verdorren!

Was übrig bleibt eignet sich kaum noch als Weide und doch nutzen große Fleischkonzerne die dürren Halme um Rindviecher für WurgerKing und McDoof zu züchten. Wir fressen nicht nur unsere eigenen Haare vom Kopf, sondern auch die der Menschen in den Ländern der Dritten Welt. Und was übrig bleibt, verheizen wir in unseren Porsche Cayennes, wenn wir sonntags morgens zum Brötchenholen zu Backshop um die Ecke brettern – da ist Allradantrieb auf Extrembreitreifen und 560 PS unbedingt „state of the art“.

Somalia ist bei alledem aber sowieso außen vor. Zerrissen von einem furchtbaren Bürgerkrieg, der seit nahezu dreißig Jahren in dem Land tobt und der den gesamten Staat unregierbar gemacht hat, in dem Terror, Folter, religiöser Extremismus und Fanatismus an der Tagesordnung sind, in dem Warlords und dutzende fanatisierte Milizen (Horn von Afrika: Tödliche Konsequenzen – Artikel auf FAZ.NET vom 25.7.2011) gegeneinander und gegen alles kämpfen, was vermeintlich westlich ist, wo Kinder zu Mördern abgerichtet werden und das islamische Gesetz der Scharia mit seinen furchtbaren Körperstrafen selbst für die geringsten Vergehen herrscht, müssen die Menschen verhungern, weil sie selbst dann keine Nahrung anbauen könnten, wenn sie die Möglichkeiten dazu hätten!

Nahrungsmangel und extrem gestiegene Preise für Grundnahrungsmittel führten in den letzten Jahren schon häufiger zu Hungerrevolten und bürgerkriegsähnlichen Unruhen fast überall im Tropengürtel unseres Planeten!

Wie aber kann dieser verzweifelten Situation sinnvoll begegnet werden?

Ist der Plan der großen Agrarkonzerne eine tragfähige Lösung für die künftige Ernährung der Menschheit, der eine durch und durch industrialisierte Landwirtschaft unter Verwendung gentechnisch veränderten Saatguts (selbstverständlich patentrechtlich geschützt und für jede Aussaat neu beim Gentechnikkonzern ihres Vertrauens für teures Geld zu erstehen!), schwerer landwirtschaftlicher Maschinen (die natürlich jede Menge Energie benötigen und extrem teuer sind), Unmengen von Düngemitteln, Wasser (mit Hilfe von gigantischen Bewässerungsanlagen bis zur restlosen Versalzung der Böden in heißem Klima über den Ackerflächen versprüht!) und, weil sie so empfindlich sind, mit jeder Menge Herbi-, Fungi- und Pestiziden (bevorzugt dem von Monsanto hergestellten Unkrautvernichtungsmittel Roundup (ein wichtiger Bestandteil von Roundup ist Glyphosat), gegen das praktischerweise die von Monsanto gelieferten GVO-Saaten resistent sind!).

Dass bei dieser Art der „Landwirtschaft“ nicht nur die Ressourcen an Grundwasser geplündert werden und weitere Teile des Landes deshalb von Trockenheit heimgesucht werden und die ehemaligen Landbesitzer nun als billige Hilfskräfte für die Ernte der Agrarerzeugnisse missbraucht und ausgebeutet werden, oder (weil plötzlich landlos geworden) auf der Suche nach Arbeit und Auskommen für ihre Familien in die großen Städte ziehen und dort in gigantischen Slums in Dreck und Unrat, Not und Elend vegetieren müssen, sei hier nur am Rande erwähnt!

Ist das wirklich die „schöne neue Welt“, die wir uns erträumen? Oder ist es nicht vielmehr so, dass die Gentech- und Agrarkonzerne weder die Ernährung noch die Gesundheit der Menschheit im Focus haben, sondern ihre (und nur ihre) Profitinteressen?

Der Planet kann eine solche Art der Landwirtschaft nicht lange verkraften. Monokulturen fördern Pflanzenkrankheiten, der Einsatz der riesigen Maschinen die Bodenverdichtung, was wiederum den Einsatz noch größerer Maschinen bedingt und noch tieferes Pflügen. Diese Art der Landwirtschaft geht auf Kosten des Planeten und der gesamten Menschheit! das Prinzip lautet dabei:

Den Profit für die Konzerne, die Folgen für die gesamte Menschheit! (das altbekannte kapitalistische Prinzip der Privatisierung von Gewinnen und Sozialisierung von Verlusten, mithin also dasselbe Prinzip wie das der Rettung der Banken in der weltweiten Finanzkrise!)

Wie aber sehen die Möglichkeiten aus, die Erzeugung von Nahrung für die stetig wachsende Zahl der Menschen auf der Erde in allen klimatischen Zonen sicher zu stellen? Kann man die Ernährung mit Vertical Farms sichern?

Vertical Farm

Was ist überhaupt Vertical Farming? Kurz gesagt handelt es sich dabei um eine Technik, Landwirtschaft in Gebäuden zu betreiben, wobei man die Umweltbedingungen mit Hilfe technischer Anlagen kontrollieren und sich damit von den klimatischen Bedingungen der Gebiete, in denen die Vertical Farms errichtet werden, unabhängig machen kann! entwickelt hat diese Idee der US-Professor Dickson Despommier von der Columbia Universität in New York City im Jahre 1999 mit einigen seiner Studenten. Und die Idee an sich ist einfach bestechend, finde ich!

Vertical Farming Energiegewinnung

Die Kontrolle der Bedingungen in Vertical Farms bezieht sich sowohl auf die Temperatur, als auch Luftfeuchtigkeit, Lichtverhältnisse usw. und lässt sich auch auf andere Bereiche ausweiten wie z. B. Kontrolle und Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten, Ungezieferbefall. Dünge- und Pflanzenschutzmittel lassen sich effektiv nutzen und dosieren, Umweltkatastrophen bleiben weitestgehend ohne Einfluss auf die Nahrungserzeugung in den Vertical Farms.

Natürlich kommt auch hier Technik zum Einsatz und es werden auch große Mengen an Energie benötigt (die aber zumindest zum Teil in und mit der Vertical Farm gewonnen werden kann, indem man Sonnenkollektoren, Windkraftanlagen und aus Biomasse erzeugtes Biogas zur Stromgewinnung nutzt). Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit, Pflanzen ohne Erde (also in Hydrokultur, in einem Substrat wachsend) anzubauen und damit die Umwelt zu schonen. Die Technik ist theoretisch bereits weitgehend zur Nahrungserzeugung nutzbar. Weiterer Forschungsbedarf ist dennoch erforderlich um die Vertical Farms effektiver und energieeffizienter zu gestalten.

Vertical Farming

In solchen Vertical Farms könnten auch, wenn sie als aquaponisches System ausgelegt sind, neben der Erzeugung pflanzlicher Nahrungsmittel, Fische gezüchtet und für die menschlichen Ernährung genutzt werden. Theoretisch kann eine Vertical Farm auch als Zuchtbetrieb für die Massentierhaltung genutzt werden. Aber nach meinen Vorstellungen widerspricht das dem Prinzip einer ausgewogenen und gesunden menschlichen Ernährung, sowie den Prinzipien des Tierschutzes, artgerechter Haltung und einem Leben ohne Leid für die Tiere, die der Ernährung der Menschen dienen sollen. Auch Tiere haben Rechte und dazu gehört ein Leben in Würde, in freier Natur und eben ihrer Art und ihrem Wesen gerecht. Das aber kann eine Haltung in Gefangenschaft niemals sein!

Wir können die monokulturelle Landwirtschaft in den Industriestaaten einschränken und die frei werdenden Flächen sinnvoll nutzen, beispielsweise um Wälder zu pflanzen, die dem Klimaschutz dienen. Wir können uns aus der Fläche zurück ziehen und der Natur mehr Raum geben. Aber wir müssen den Boden und die Nahrung der Spekulation entziehen. Das gelingt uns, wenn wir den Großteil der Nahrung in Vertical Farms anbauen, die wir so konzipieren, dass sie weitgehend geschlossene Systeme bilden, die die Umwelt nicht belasten und in denen die Ressourcen sparsam und schonend eingesetzt werden!

Vertical Farms sind teuer. Sie erfordern große Investitionen. Sie sind geeignet für reiche Länder, die über die entsprechende technische Infrastruktur und eine gesicherte Energieversorgung verfügen. Man kann sie mitten in den Ballungszentren der Städte errichten und erpart sich und der Umwelt so Transportwege über hunderte und tausende von Kilometern oder gar mit dem Flugzeug um die halbe Welt. aber genau da, wo sie am dringendsten benötigt würden, in den Hungergebieten der Erde, wo die größte Not, Dürre und Hunger herrschen, kann sie niemand finanzieren, nutzen oder unterhalten!

Um Menschen zu retten, die in Ländern wie Somalia (als Staat kann man dieses Gebilde aus rivalisierenden islamischen Milizen, Privatarmeen und religiöse Fundamentalisten wohl nicht mehr bezeichnen) dem Hungertod entgegendämmern, ist zunächst die Versorgung mit Nahrung und sauberem Trinkwasser gefragt. Die herrschenden Gruppen wollen westliche Hilfe nicht ins Land lassen, weil sie vermutlich gern selber als Retter in der Not dastehen wollen. Gibt man ihnen aber Geld um die Menschen zu versorgen, kaufen sie sicher Waffen damit ein! Tausende werden die rettenden Flüchtlingslager nicht mehr erreichen, elend verreckt auf der Flucht vor Hunger und Verzweiflung! Wie lange wollen wir dem Sterben noch zusehen? Bis es zu spät ist, so scheint es, denn es ist nicht 5 vor 12, nein, es ist bereits 5 NACH 12 und die Politik ist Schuld!!!

weiterführende Links:

Die Philosophie des Nichts-tun!

Nachdem ich wieder einige Zeit damit zugebracht habe, Masanobu Fukuokas Werke zu lesen, bin ich nun so weit, mal wieder ein paar Worte darüber zu verlieren. Was machte ihn eigentlich aus, diesen wunderbaren kleinen Mann, den ich gerne Sensei nennen möchte, obwohl er selber sich nie als Lehrer verstand. Er beobachtete die Natur und folgte dem, was er erkannte. Sein Weg war  der Weg des „Nichts-tun“. Und das war und ist ein ganz anderer, als der den die meisten Bauern und die Agrar-Industrie bis heute für den richtigen halten.

Wie funktioniert die industrielle Landwirtschaft?

„Moderne“ Bauern folgen den „Lehren“ der industriellen chemischen Landwirtschaft, die ihnen vorgaukelt, man könne den Hunger der Welt besiegen, indem man immer stärkere, immer größere und immer teurere Maschinen einsetzt, gentechnisch veränderte Pflanzen auf den Äckern in riesigen Monokulturen sät (denn riesige, gleichförmige Äcker mit gleichmäßig in perfektem Abstand zueinander gesäte Pflanzen sind mit den riesigen Maschinen leichter und vor allem schneller zu bearbeiten), diese in regelmäßigen Abständen mit giftigen Chemikalien besprüht (um Pilze, Unkräuter, Schädlinge und was auch immer), um die Ernte zu sichern, die Äcker mit riesigen Mengen Wasser bewässert, damit die Ernte nicht verdorrt (weil auch Pflanzen angebaut werden, die eigentlich gar nicht für die jeweiligen geographischen Bedingungen geeignet sind) und – um das Ganze abzurunden – jede Menge Kunstdünger auf die Felder verteilt, damit die Pflanzen groß und „stark“ werden.

Das bei dieser Art der Bodenbearbeitung die Erde auf den Äckern immer mehr verdichtet wird, versteht sich zwar von selbst, aber um dem entgegen zu wirken, setzt man einfach vor jeder Aussaat wiederum Maschinen ein, die die Scholle aufbrechen, durchlüften, „Unkräuter“ vernichten, aber auch Nützlinge und vermeintliche Schädlinge zerteilen und töten. Die feinkrumige und poröse obere Bodenschicht wird dadurch jedoch keineswegs lockerer, sondern immer mehr verdichtet. Regen kann die Nährstoffe, die darin noch vorhanden sind auswaschen, oder den Boden sogar ganz wegspülen. Das Ergebnis sind unsagbar arme und ausgelaugte Böden. Und die gibts schon über weite Strecken auf unserer Welt.

Weil aber ausgelaugte Böden nicht mehr viel hergeben, versucht man die immer geringere Fruchtbarkeit durch immer höher dosierten Kunstdünger auszugleichen und kippt immer mehr Wasser mit Hilfe aufwändiger Bewässerungsanlagen auf die Felder und freut sich, dass immer noch was wächst. Das die Qualität dabei vor die Hunde geht, braucht nicht gesondert erwähnt zu werden. Ebenfalls klar ist, dass es so nicht weiter gehen kann. Irgendwann ist die Grenze dessen, was der Boden an Chemie, Dünger und mechanischer Bearbeitung vertragen ertragen kann, erreicht. Dann gibt es keine Steigerung der Erträge mehr. Dann ist Schluß mit lustig!

Weit entfernt sind wir heute nicht mehr von diesem „Point of no Return“. Millionen Menschen hungern schon oder immer noch, hunderttausende verhungern jedes Jahr, weil die Böden, auf denen sie versuchen Ackerbau zu betreiben nichts mehr hergeben, oder dafür völlig untauglich sind. Rücksichtsloser Einsatz von Düngemitteln und giftigen Chemikalien „zum Schutz der Ernte“, hat ihn nahezu steril gemacht. Riesige Monokulturen laugen die Böden aus und verursachen Schädlingsinvasionen ungeahnten Ausmasses. Übertriebener Einsatz von Bewässerungstechnik führt zur Versalzung.

Kann Gentechnik den Hunger beenden?

Die Probleme überall auf der Welt gleichen sich. Hochgezüchtete Nutzpflanzen, mit extrem hohem Wasserbedarf, die auf unbearbeiteten Böden gar nicht mehr gedeihen können und auf den ständigen Einsatz von Pestiziden und Herbiziden angewiesen sind, bestimmen heute den Anbau. Sie wurden gezüchtet von großen Saatgutunternehmen, die sich davon Gewinn versprachen (es war nicht ihre Intention, den Hunger audf der Welt zu bekämpfen, sondern Geld zu verdienen). Dieses speziell gezüchtete und gebeizte Saatgut ist teuer und ein normaler Bauer in einem Land der Dritten Welt ist nicht in der Lage dieses Saatgut zu kaufen. Tut er es doch, ist er gezwungen auch noch die notwendigen Spritz- und Düngemittel zu kaufen, die eben derselbe Konzern herstellt und verkauft, der auch das Saatgut erzeugt. In der Folge verschulden sich die Bauern enorm und geraten dadurch in eine immer weiter abwärts führende Spirale der Abhängigkeit. Schließlich werden sie von ihren Ländereien vertrieben und Großgrundbesitzer im Auftrag der Konzerne nehmen die Äcker in Besitz.

Aber das ist noch nicht das eigentliche Ziel der Konzerne. Das wollen sie nun durch den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen erreichen. Diese Pflanzen sind resistent gegen das aus dem selben Hause stammende Sortiment an Pflanzenschutz- und Spritzmitteln, was zur Folge hat, das immer größere Mengen auf die Felder versprüht werden, ohne das die Saat daran zu Grunde geht, wie es eigentlich sein müsste. Im Gegenteil, sie speichert die Gifte in ihren Samen und allen anderen Teilen der Pflanze. Und der Mensch nimmt diesen Dreck dann mit den daraus hergestellten „Nahrungsmitteln“ zu sich.

Regionale Arten, wie sie früher überall verbreitet waren, sterben aus, oder werden von den Konzernen mit Hilfe von Patenten zu deren Eigentum und dürfen weder frei angebaut, noch vermehrt werden. Es sei denn, man entrichtet Lizenzgebühren für den Anbau. Gentechnisch veränderte Pflanzen gehören sowieso den Konzernen und wer sie einmal auf seinen Feldern und Äckern angebaut hat, der wird sie nur schwer bis überhaupt nicht mehr los. Und ob er sie nun haben will oder nicht, die Konzerne sind der Meinung, ihnen stehe die Lizenzgebühr zu, selbst wenn der Bauer die Genpflanzen weder ausgesät hat, noch überhaupt haben will. Es genügt allein schon deren Anwesenheit auf den Feldern des Bauern. Ist das etwa gerecht? Aber auch das ist noch nicht genug. Die Konzerne streben nach der totalen Kontrolle der Nahrungsmittelerzeugung, indem sie an der sogenannten Terminator-Technologie forschen. Diese Technologie führt dazu, das gekauftes, gentechnisch manipuliertes Saatgut nicht mehr in der Lage ist, keimfähige Samen hervor zu bringen. So unterbindet man wirksam und dauerhaft, die Versuche der Bauern, aus der Ernte Saatgut zu gewinnen. Die Samen sind unfruchtbar und können, das ist das perfide daran, durch den Einsatz eines speziellen Spritzmittels (natürlich gegen teures Geld bei den Saatgutkonzernen zu erwerben!) für die nächste Aussaat keimfähig gemacht werden!

Dies ist kein Weg den Hunger zu bekämpfen oder zu beenden. Es ist ein Weg, die gesamte Nahrungserzeugung zu kontrollieren und ungeheure Gewinne zu machen.

Ist natürliche Landwirtschaft eine Lösung der Probleme?

Es ist zumindest einen Versuch wert, oder nicht? Masanobu Fukuoka zeigt uns mit seinem Weg der „Nichts-tun-Landwirtschaft“ eine Möglichkeit auf, wie wir uns zumindest aus der Abhängigkeit der großen Saatgutkonzerne befreien können. Es hat sich gezeigt, dass es nicht sinnvoll ist, Einheitssorten von Nutzpflanzen (egal ob Hybride oder gentechnisch verändert) überall auf Gaia, unter allen nur denkbaren klimatischen Bedingungen anbauen. Der technische Aufwand und die Notwendigkeit des Einsatzes von Dünger, Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln ist unverhältnismäßig hoch und damit teuer.

Die Lösung ist der Anbau regionaler und an die klimatischen Bedingungen durch jahrhundertelange Zucht und Auswahl angepasster Sorten. Diese haben sich zwar als nicht so ertragreich erwiesen, wie die neuartigen Hybridsorten, aber sie sind kräftig und gesund und bedürfen nicht der dauernden Hege und Pflege.

Kombiniert man das ganze dann mit den Lehren Masanobu Fukuokas, ergeben sich völlig neue Perspektiven. Folgen wir den tiefen Einsichten des Fukuoka Sensei, erkennen wir, dass er recht hat, wenn er sagt: „Wieso muss der Boden bearbeitet werden, bevor man die Saat ausbringt? In der Natur wird nicht gepflügt und geeggt, gefräst oder umgegraben. Der samen fällt auf den Boden, wird vielleicht ein wenig in die oberste Schicht  hinein gedrückt und das war´s dann schon. Alles andere geschieht von ganz allein. Man kann das sogenannte Unkraut solange von den keimenden Pflanzen fern halten, bis sie kräftig genug geworden sind, dass sie mit den Wildkräutern allein fertig werden, ganz einfach dadurch, dass man den Boden mulcht! Eine beeindruckend schlichte, ja geradezu simple Methode, um eine Ernte zu erzielen. Denn es ist fast die einzige Tätigkeit, die nach Fukuoka Sensei erforderlich ist – das Mulchen

Fukuoka Sensei vermeidet auch den Anbau in Monokultur, sondern er nutzt die unzähligen Vorteile der Mischkultur. Bisweilen baut er Getreide oder Reis (sogar im Trockenanbau) unter Bäumen an. Natürlich erübrigt sich dann der Versuch, die Ernte mit Hilfe großer Maschinen einbringen zu wollen – aber so what?

Er nimmt einfach die Natur zum Vorbild für ein sich selbst erhaltendes System, mit dem Nahrungsmittel angebaut werden können.

Ein Wald zum Bespiel. Niemand hat den Boden, auf dem er gedeiht, jemals gepflügt. Ein Samenkorn fand den Weg dahin und als die Umgebungsbedingungen stimmten, keimte es und wuchs heran. In seinem Schatten keimten andere Samen von unzähligen Pflanzen und allmählich entstand ein Wald. Niemand kam auf den Gedanken, hier düngen zu müssen. Die Fruchtbarkeit des Bodens entstand aus dem Wald selbst heraus. Bäume starben, Blätter fielen im Wechsel der Jahreszeiten zu Boden, verrotteten und bildeten über Jahrtausende und Jahrmillionen hinweg eine Humusschicht, die dem Wald alles gab, was er zum Überleben brauchte. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Samen, die zur Erde fallen, nicht in den Boden eingebracht werden müssen. Es reicht, wenn sie zu Boden fallen und sie werden keimen. Nur der Mensch glaubt, er müsse den Boden bearbeiten und damit das „besser“ machen, was Gaia für gut befunden und darum geschaffen hat. Aber mal ehrlich, kann wirklich irgend etwas besser sein als das, was die Natur erschuf? Der Mensch westlich-industrieller Prägung ist dieser Meinung. Darum schafft er durch sein Eingreifen in die Ökologie Bedingungen, die anschließend den Einsatz von Chemikalien, Dünger, Maschinen und Bewässerung notwendig machen, um überhaupt etwas ernten zu können. Das es dessen eigentlich nicht bedarf, zeigt dieTatsache, dass Fukuoka mit seiner Methode der natürlichen Landwirtschaft nahezu die gleichen ha-Erträge  (bis zu 1.700 kg Reis erzeugt Fukuoka Sensei, gegenüber 1.700-2.500 kg Reis in der industriellen Landwirtschaft – aber mit was für einem Aufwand?) erwirtschaftet, wie die moderne industrielle Landwirtschaft, allerdings mit wesentlich weniger Aufwand.

Ist das nicht eine lebenswerte Idylle? So möchte ich auch leben können. Oder ist dies hier wirklich der richtige weg, der Weg der Industrialisierung der Landwirtschaft. Der Erzeugung von Überschüssen, nur um sie anschließend weg zu schmeißen? Glaubt wirklich jemand, dass das Problem der Unterernährung durch den Einsatz von Gentechnik gelöst werden kann? Nein, es gibt keinen Mangel an Nahrungsmitteln, es gibt nur ein Verteilungsproblem und das Problem, dass sich viele Menschen die teuren Produkte nicht leisten können!

weiterführende Links:

Gentechnik-Konzerne: