An die Bienen

Alle diejenigen unter Euch, die diesem Blog schon ne Weile folgen, werden mittlerweile bemerkt haben, dass ich ein echter Bienenfan bin und ganz besonders liebe und schätze ich meine dicken, bepelzten Freunde, die Hummeln. Zwar nicht in dem Sinne, dass ich mich der Imkerei hingegeben hätte, aber ich bin doch der Meinung, dass man diesen lieben, fleissigen Tierchen viel zu wenig Achtung entgegen bringt. Es wird einfach nicht genug gewürdigt, welche wichtige Rolle sie in unserem Ökosystem spielen. Das dies auch anders geht, habe ich nun beim Blättern in einem kleinen Büchlein erfahren, dass mir meine Frau neulich schenkte und ich möchte Euch das Gedicht, das ich darin fand, nicht vorenthalten…

…es heisst:

An die Bienen

Bienen! Immen! Sumseriche!

Wer sich je mit euch vergliche,

der verdient, dass man ihn töte!

Dass zumindest er erröte!

Denn, wie ihr in Tal und Berg schafft

ohne Zutun der Gewerkschaft,

ohne dass man euch bezahle,

ohne Streik und Lohnspirale,

täglich, stündlich drauf bedacht,

dass ihr für uns Honig macht,

ihr seids wert, dass man euch ehre!

Wobei vorzuschlagen wäre –

ob nun alt ihr, ob Novizen –

euch von heute ab zu siezen!

Unser Dank, unser Applaus

säh in etwa so dann aus:

„Sehr geehrte Honigbienen!

Wir Verbraucher danken Ihnen!“

(dieses Gedicht entsprang der Feder des
 unvergleichlichen Heinz Erhardt - wem sonst)

Dabei ist zwar nicht die Bedeutung der Bienen für die Landwirtchaft und die Natur überhaupt berücksichtigt. Aber es ist mal ein guter Anfang gewesen, findet Ihr nicht auch?

Biene im Anflug auf die Blüte

Biene im Anflug auf die Blüte (Das Foto stammt von Theresa F., die es bei Flickr eingestellt hat. Wenn Ihr auf das Bild klickt, könnt Ihr mehr Bilder von Ihr sehen)

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Die Natur er-leben, auch in der Stadt?

Was mich kolossal stört in unseren Städten, ist die Betonwüste, die sich überall ausbreitet, sind die blassgrünen Rasenflächen und die nichtssagenden Hecken, Sträucher und Bäume. Was den Menschen in der Stadt so als „grüne Lunge“ oder „Naherholungsräume“ und Parks zugemutet wird, ist ja unter aller Kanone. Da könnt Ihr hinschauen wo Ihr wollt. Nicht jeder kann es sich leisten und auf dem Lande wohnen, wo er ein Häuschen mit Garten abstottern und an der zunehmenden Zersiedelung der Landschaft und der Versiegelung der Flächen mitwirkt. Aber hat man deshalb keinen Anspruch auf Natur, überhaupt keinen Anspruch?

Ich weiss natürlich, dass es Städte gibt, in denen sieht es noch viel grausamer aus, was die Natur und Pflanzen angeht, als dies zum Beispiel hier in Karlsruhe der Fall ist. Aber auch wenn man die Stadt hier als grün und freundlich ansieht – jedenfalls von Seiten der Stadtverwaltung – kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier Grünanlagen nur angelegt werden, wenn sie ausgesprochen „pflegeleicht“ sind. Und darunter versteht man eben dieses bodendeckende Gesträuch, unter dem sich die Ratten heimisch fühlen, die aber sonst keinen für den Menschen erkenntlichen Nutzen zu haben scheinen. Rasenflächen mit grünem Einheitsborstenschnitt, den man alle 3-4 Wochen mit dem Mäher überfährt, reisst es jetzt nun wirklich nicht raus. Die Sträucher und Gebüsche scheinen nur deswegen in der Stadt verteilt worden zu sein, damit man im Sommer zwei oder dreimal die Hartz -IV-Empfänger zum „Unkraut“ jäten und zum einsammeln von Müll und Leergut durch jagen kann. Was soll das also?

Haben die städtischen Anlagen überhaupt irgend eine Aufgabe? Es kann doch nicht sein, dass sie einfach nur nach dem Kriterium:“kost wenig oder nix – dann ist es gut gerade gut genug für unsere städtischen Anlagen!“ ausgewählt werden. Den Eindruck gewinnt man aber. Ich frage mich, warum in den Anlagen nicht Obst- und Nussbäume stehen, Beerensträucher und dazwischen Wildblumenwiesen, die auf Grund ihrer spezifischen Eigenheiten an das Leben im Beton-Dschungel angepasst sind? Wieso werden irgendwelche Osterglocken und Vergißmeinicht gepflanzt, die aussehen, als wucherten sie auf einem Friedhof? Warum schafft man nicht gezielt in den Städten kleine Wildnisse, die kleineren Tieren eine Heimat geben könnten?

Wie würde sich die Stadt verändern, wenn in den Anlagen Bienen von Blüte zu Blüte summten und den Pollen sammeln, wenn Hummeln ihre dicken, pelzigen Hintern durch die Lüfte bewegen würden? Herabfallendes Obst und Früchte locken Ratten an? Die sind sowieso schon da, mitten in der Stadt. Man braucht nur mal im Sommer sehr früh durch die Straßen zu streifen, dann kann man sie durch die Rinnsteine huschen sehen – und die Teile sind fett wie Karnickel, echt! Wäe die Luft in unseren Städten nicht um Klassen besser, wenn es mehr Vegetation gäbe? Oder hält man es wirklich für ausreichend, wenn sich die Flora in einigen wenigen Arten erschöpft, die um Gottes Willen keine Früchte tragen dürfen, denn wenn die runterfallen, muss sie die Stadtreinigung ja wegräumen!

Ich bin fest davon überzeugt, dass es auch anders gehen würde. Man müsste nur wollen. Vielleicht sollte man eine Guerilla-Gardening-Group hier in Karlsruhe ins Leben rufen und mit gezielten, straff durchorganisierten Aktionen den „Krieg der Natur in die Städte tragen“, damit wieder etwas Leben dorthin zurück kehrt. Wer die Betonwüsten bekämpfen will, der braucht keinen Presslufthammer, der braucht auch keinen Sprengstoff, der braucht nur eine Schaufel und Samen oder einige Seedballs im Täschchen, die er immer bei sich hat und überall dort fallen lässt, wo Brache, freie Flächen, vollgeschissene Baumscheiben oder eben nur graugrüne Rasenwüste ist!

So allmählich sollte es auch dem dümmsten Menschen dämmern, dass es kein gegen, sondern nur ein „mit der Natur“ geben kann, wenn die Menschheit überleben will. Gehen wir zurück zu unseren Ursprüngen, gehen wir zurück zur Natur. Jeder Baum den wir pflanzen, bindet CO2 und gerade in unseren Städten ist das dringend notwendig! Aber nicht nur da. Wir müssen den Wäldern wieder das geben, was wir ihnen seit Jahrtausenden streitig machen – den Platz, den sie benötigen, um ihre von der Natur vorgesehene Aufgabe zu erfüllen. Nein, es ist nicht ihre Aufgabe uns mit köstlichen und gesunden Früchten zu versorgen, obwohl sie das natürlich auch können, vorausgesetzt man verändert sie nicht mit Hilfe der Gentechnik und manipuliert an ihren Eigenschaften herum. Ihre Rolle in der Natur ist es CO2 zu binden, indem sie Holzmasse bilden und mit ihren Blättern die Luft zu filtern. Daneben halten sie mit ihrem weitreichenden Wurzelsystem die Erde fest und sorgen dafür dass der Grundwasserspiegel stabil bleibt- Was will man mehr? Diese Geschöpfe Gaias sind wahre Wunderwerke der Natur und niemand hat das Recht, ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen. Wohl kann man sie nutzen, wenn sie ausgewachsen sind, aber nie darf man sie fällen, ohne für ausreichend Ersatz zu sorgen.

Holt die Natur, holt den Wald in die Städte und die Bäume werden Euch mit ihren Früchten belohnen und mit sauberer Luft, mit dem wunderbaren Summen der Bienen und Hummeln und nicht mit den trippelnden Schritten umher rennender Ratten unter den „pflegeleichten“ Bodendeckern! Also tut was und gestaltet die Städte mit Hilfe der Natur zu Orten der Erholung und zwar mit einheimischen Gehölzen, denn aggressive und invasive Exotenpflanzen gibt es hierzulande bereits genug! Und viele Menschen verstehen unter dem Guerilla Gardening auch einen Protest gegen Gentechnik, die Profitgier der Agrarkonzerne und die industrielle Landwirtschaft.

  • The Guerilla Gardening Homepage (Guerilla Gardening ist mittlerweile weltweit eine Bewegung von Menschen mit politischem Hintergrund, die einen gewissen Anarchismus zum Ausdruck bringen wollen, oder sich einfach als eine Art Protestbewegung verstehen. Und wie kann man besser seinen Protest gegen die bestehenden Verhältnisse zum Ausdruck bringen, als mit dem stiften von ein wenig Chaos, durch das „wild“ und unkontrollierte säen von Pflanzensamen? Die Städte gehören den Menschen, die darin wohnen. Darum heisst eine der Parolen, die im Guerilla Gardening häufiger gebraucht wird: It´s your city – dig it! – die Stadt gehört Euch – grabt sie um!)
  • Grünt Mit! (deutsche Version des Guerilla Gardening. Homepage mit guten Tips für Aktionen)

Wird es wieder ein stummes Frühjahr?

Menschen, die wie ich im eigentlich schönen Baden leben, werden sich noch mit Schrecken an die ungewohnte Stille im letzten Jahr erinnern. Kein Summen, kein Brummen, keine Bienen und auch keine Wespen und nur hin und wieder eine der niedlichen, dicken, haarigen Hummeln, die in alle Gemütsruhe von einer Blüte zur nächsten brummten, schwer beladen mit Pollen. Es gibt nach Angaben des NABU vom 10.2.2009 einen Hoffnungsschimmer für Bienen, nachdem das Nervengift Chlothianidin auch weiterrhin nicht für die Beize von Maissaatgut eingesetzt werden dürfe.

Es war ein fast stummer Frühling und nach einigen Wochen wurde der interessierte Umwelt- und Naturschützer von der Nachricht geschockt, dass tausende von Bienenvölkern von einer „seltsamen Krankheit“ befallen seien, unter der mehr als 12.000 Honigbienenvölker zu Grunde gingen. Eine Katastrophe nicht nur für die direkt betroffenen Imker, sondern auch für die Landwirtschaft – die Obsternten gingen spürbar zurück, die Preise für Obst nach oben, weil die Blüten nicht wie gewohnt von fleissigen Bienen bestäubt werden konnten. Wie viele Wildbienenvölker dem biologischen Angriff der Koalition aus Chemiekonzernen und Landwirten  auf unsere Natur zum Opfer fielen, ist unklar. Wildbienen sterben einsam still und leise! (Artikel des NABU vom 14.5.2008).

Wie üblich wuschen sich alle potenziellen Verursacher die Hände in Unschuld, obwohl relativ früh der Verdacht aufkeimte, es könne sich um die Auswirkungen eines im Maisanbau eingesetzten Beiz- und Pflanzenschutzmittels handeln. Dieses Mittel wird unter dem Namen Poncho Pro von Bayer CropScience hergetellt und vertrieben, um Maispflanzungen in Monokultur vor dem Maiswurzelbohrer zu schützen. Allein schon die Umstellung auf Fruchtwechsel, könnte dazu beitragen, den Maiswurzelbohrer effektiv zu bekämpfen. Aber davon steht in der Produktinformation natürlich nichts drin. Schließlich geht´s hier um´s Geschäft und Geschäfte macht man nur, wenn man sein Gift auch verkaufen kann. Wen interessiert da schon das Schicksal von ein paar tausend Bienenvölkern? Bayer CropScience jedenfalls nicht.

In der Produktinformation steht übrigens ganz weit oben, das Produkt sei Gesundheitsschädlich und Umweltgefährlich, allerdings würden Bienen nicht gefährdet. Macht man sich allerdings die Mühe und liest noch weiter, so kann man sich darüber informieren, dass das Mittel „schwach schädigend“ (was auch immer das heisst) auf die Populationen der Wolfsspinnen, Kurzflügler und Laufkäfer sei (dabei wird verschwiegen, dass es sich dabei um Nützlinge handelt, die durch ihre Lebensweise Pflanzenschädlinge dezimieren – aber auch hier verdient der Chemiekonzern nicht, wenn man seine Gifte nicht einsetzt). Das das Gift toxisch für Wasserorganismen ist und längerfristige Schäden verursachen kann, versteht sich fast von selbst. Merkwürdigerweise gibt es aber keine Auflagen in Bezug auf Wasserschutzgebiete!

Wer Mutter Erde ins Handwerk pfuscht…

…braucht sich nicht wundern, wenn das in die Hose geht! Nahe Toronto setzt man in kommerziellen Gewächshäusern, zur Bestäubung, eigens gezüchtete Hummeln ein. Diese Zuchthummeln tragen aber einen Parasiten in sich, der von Tieren, die aus den Gewächshäusern entweichen, über Blüten an ihre wild lebenden Artgenossen übertragen werden. In der Nähe der Gewächshäuser ist ein Großteil der Hummeln bereits infiziert und es droht ein Massensterben.
Forscher der Universität Toronto weisen darauf hin, dass dieser Parasit auch auf Bienen übertragen werden kann und verantwortlich für ein massenhaftes Bienensterben in Nordamerika sein könnte (so wird dann der Rest der Völker gekillt, der die „Giftanschläge“ der chemische Industrie mit Herbiziden, Pestiziden und Fungiziden, die Aussaat gentechnisch veränderter Sorten und die Behandlung des Saatgutes mit giftigen Beizmitteln geschwächt überlebt haben)! Das auch Hummeln auf Krankheit und Stress reagieren, zeigt der Artikel „Wenn Hummeln krank feiern möchten“. Schließlich sind auch Insekten Lebewesen und Lebewesen reagieren abhängig von ihrer körperlichen und psychischen Verfassung. Das hat jetzt auch die Wissenschaft – überflüssiger weise, wie ich hinzufügen möchte – bewiesen!
Dabei ist die Hummel – wie die Biene auch – ein wahres Wunderwerk der Natur (trotz gegenteiliger Behauptungen, kann die Hummel doch nach den Gesetzen der Aerodynamik fliegen) und für die Bestäubung sämtlicher Pflanzen unersetzbar. Ohne Hummeln und Bienen sterben zuerst die Pflanzen und dann der Mensch!

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