Zum 160. Geburtstag von Sigmund Freud

Am 6.5. wäre er 160 Jahre alt geworden. Unser Sigmund Freud. Könnt er sich heute anschauen, was da so in der Politik und der Wirtschaft umeinander rennt und sich für wichtig hält, ihm würde sofort klar werden, dass die Arbeit ihm niemals ausgegangen wäre! Allenthalben nur noch Idioten, die ihre unmaßgebliche Meinung ungefragt in die Welt hinaus posaunen. Überall Rassisten und Hetzer mit unbewältigten sexuellen Problemen, die wahrscheinlich darauf hinaus laufen, dass sie in ihrer Kindheit nicht genug geliebt worden sind. Vermutlich lassen sie deshalb jedes kleinste Maß an Menschlichkeit vermissen, schlagen Flüchtlingen vor der Nase die Türen zu, finden nichts weiter dabei, wenn Kinder, Frauen, Männer und Alte auf der Flucht im Meer ersaufen! Die Prämisse in der globalisierten Welt des Konsums und der Peinlichkeit lautet: „Ich, ich selbst und nur ich!“
Nein, man könnte meinen, es habe auf der Welt noch nicht genug Kriege, Tote, Folter, Hunger und Elend gegeben. Man kann immer noch eine Schippe drauf legen. Kaum 70 Jahre nach dem Ende des letzten Weltkrieges, den die Deutschen zu verantworten haben, stehen sie wieder da, wie Phönix aus der Asche und singen sirenengleich ihr Lied von der Rassereinheit und dem Wert und Unwert von Religionen, vom Wert und vom Lebensrecht von Flüchtlingen, deren Fluchtgründe man ja gut verstehen könne, aber sie sollen doch bitte schön dort bleiben, wo sie herkommen. Denn hier können wir sie nicht gebrauchen. Sie nützen der Wirtschaft nichts, weil ihnen Bildung fehlt und die Sprachkenntnis. Schaut man sich aber das rechte Pack an, das solche Thesen hierzulande verbreitet, dann weiss man ganz genau, wo die Bildung wirklich fehlt. Aber, ich habe das gelegentlich schon das ein oder andere Mal erwähnt: „Mit der Dummheit ist es so: Selber merkt ma nix davo!“ Und ausgerechnet an der Bildung spart das rechte Gesindel, denn nur wer dumm ist, der wählt auch rechts!

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Alles Scheiße oder was?

Ach es ist ein Elend mit den Deutschen. Zuerst gibts keinen Ökodiesel für die Kampfpanzer, dann keinen Biosprit für die Kampfflugzeuge, dafür aber eine blendende Armaturenbrettbeleuchtung in den Eurofightern, die so hell strahlen wie die Atomruine in Tschernobyl und dann wird auch noch die ganze stinkende Kombination aus Scheiße und Pisse, die in der marktkonformen Massentierhaltung entsteht, einfach auf den Acker geschüttet. Hei was gäbe es für ein Gejaule im Hause Nestlé, wenn die ganzen Mineralwasserquellen und das Grundwasser nur schon privatisiert wären. Dann wäre das ja geschäftsschädigend für den größten „Lebens“mittelkonzern der Welt. Aber so…?

Schließlich ist, nach der unmaßgeblichen Meinung des Nestlé-Chefs Peter Brabeck, Wasser kein Menschenrecht! Auf der Homepage von Nestlé begann man nach dieser entlarvenden Aussage herum zu schwurbeln, wie das nun wirklich gemeint gewesen sein und behauptet, der Konzern-Boss habe damit nur sagen wollen, Wasser müsse einen Wert haben! Wenn wir genauer hinschauen wird klar, dass dies auch nichts anderes bedeutet. Nicht umsonst kauft Nestlé überall auf der Welt, vorwiegend in Staaten der Dritten Welt (zum Beispiel Algerien und Pakistan) die gesamten Wasserrechte auf, lässt die Quellen einzäunen und bewachen und verkauft das in Plastikpullen abgefüllte Wasser mit exorbitantem Profit an die Menchen, die auf das Wasser angewiesen sind und sich diese Preise nicht leisten können!

So übt man wahre Macht aus, zieht das Geld selbst aus den Kreisen, die zu den unterprivilegiertesten Schichten gehören und von Löhnen leben müssen, die nicht zum leben reichen!

Wie heisst es so schön im Kapitalismus? Der Preis regelt sich über Angebot und Nachfrage. Und wenn das nicht reicht, dann verknappt man eben das Angebot. Und das ist ganz einfach, wenn man das Monopol hat!

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The Art of Monkeywrenching

Ja, es ist eine Sache, ob man Recht hat, oder ob man Recht bekommt. In aller Regel ist es in unsererkapitalistischen und vom Geld geprägten Gesellschaft so, dass meist jener Recht bekommt, der sich den besten Anwalt leisten kann und nicht derjenige, der das Recht auf seiner Seite hat.

Wir sollten uns nichts vormachen. Selbst wenn in irgendwelchen Gesetzen in wunderbaren, schön gesetzten und nahezu unverständlich formulierten Sätzen das Recht auf eine saubere Umwelt, eine saubere, geschützte Natur, gesunde Luft, reines Wasser und der Schutz vor Giften und Verschmutzung festgehalten wurde, genießen in unserem System immer wirtschaftliche Interessen den Primat über Menschenrechten. Nicht umsonst nehmen Wirtschaftsverbände mit Hilfe von hochbezahlten und eloquenten Lobbyisten besonders Ernst, um Einfluss auf alle Entscheidungen zu nehmen, die ihre Interessen irgendwie gefährden könnten.

Jeder hat schon mitbekommen, dass Ministerien sich nur allzu gerne, von der Wirtschaft bezahlte Mitarbeiter als ins Haus holen, damit diese ihnen die ungeliebtesten Arbeiten abzunehmen. Dazu gehört auch und vor allem die vermaledeite Arbeit, Gesetze zu formulieren. Der MInisterialbeamte weiß nicht nur nicht, wie der das bewerkstelligen soll, der Lobbyist befürchtet, dass die Gesetzestexte nicht den Erwartungen seines Auftraggebers entsprechen und darum formuliert man die gewünschten Texte außer Haus, um sie dann, mit treuherzigem Augenaufschlag den gestressten Ministerialen zur Verfügung zu stellen. Ganz uneigennützig und nur und ausschließlich im Interesse der Gesellschaft und getragen von der sozialen Verantwortung der Großkonzerne gegenüber dieser Gesellschaft.

Und dann kommt, was kommen muss. Ohne das nötige Verständnis und meist auch ohne die notwendige Aufmerksamkeit gegenüber möglichen Fallstricken in den juristisch ausgefeilten Texten, reicht man diese an die Minister weiter, welche sie dann in die Gesetzgebung einfließen lassen, möglichst unauffällig (und zu Zeiten, zu denen ihnen nur wenig Aufmerksamkeit sicher ist) wo sie dann meist ohne Wenn und Aber durchgewunken werden. Kommt dann dennoch mal der Verdacht auf, es könnte sich um Gesetze handeln, die nicht nur den eigentlichen Sinn und Zweck umkehren und einseitig Wirtschaftsinteressen bevorzugen, findet sich immer ein gut geschmierter Vertreter der Regierung, der sich mit Verve für die Konzerne in die Bresche schmeißt und die Interessen der Wirtschaft mit vorgefertigten, auswendig gelernten Argumenten vertritt.

Ganz genauso und besonders extrem laufen diese Verfahren dann ab, wenn es um Umwelt- und Gesundheitsschutz der Bevölkerung geht. Nehmen wir zum Beispiel das Fracking, wobei unter Einsatz jeder Menge Chemie, Energie und hohem Druck unterirdische Gas- und Ölvorkommen ausgebeutet werden sollen – natürlich mit möglichst geringen Kosten für die daran beteiligten Konzerne und mit möglichst vielen Ausnahmeregelungen, die die Rechte der Bevölkerung drastisch einschränken. Freilich hat man schon in den USA deutlich gesehen, wohin das Fracking ohne Grenzen führt, aber das interessiert hierzulande niemanden. Etwa dass das Grund- und Trinkwasser verseucht wird, weil die paar unbedeutenden Regelungen einfach nicht eingehalten und im Übrigen auch so gut wie garnicht kontrolliert werden. Weil die Betroffenen nachweisen müssen, dass und welche Unternehmen warum Schuld sein sollen. Weil Wasser aus Wasserhähnen kommt, dass man anzünden kann. Weil Menschen in den Gebieten, in denen Fracking betrieben wird, „aus unerklärlichen Gründen“ erkranken und sterben, genauso wie Vieh auf den Weiden, dass aus Bächen oder Seen Wasser trinkt!

Der Versuch, sich dagegen zu wehren, führt meist binnen kurzer Zeit zum völligen Ruin derer, die den Aufstand gegen die mächtige Lobby und die Regierungen wagen, mit denen sie um Bunde stehen. So wird also von allen Seiten verschwiegen, vertuscht und geleugnet, bis die Betroffenen tot oder fort gezogen sind und mit den Spätfolgen ihrer oft schweren Erkrankungen so zu kämpfen haben, dass sie den Widerstand aufgeben. Die Interessen der Natur, der Umwelt, der Wildtiere vertritt sowieso niemand. Ab und zu protestieren vielleicht ein paar umweltbewegte Idealisten, die man gern als Ökospinner bezeichnet, meist aber sogar als Kommunisten (denn die sind ja immer an allem Schuld) verunglimpft, weil sie die rechte der Allgemeinheit gefährdet sehen und gegen die Allmacht der Konzerne ankämpfen.

Aber was soll man tun, wenn man mit seinen beschränkten, friedlichen Mitteln einfach nicht weiter kommt? Was hat man für Möglichkeiten, sich gegen die Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen und den Konzernen das Leben schwer zu machen? Zunächst einmal muss man sich organisieren, am Besten dezentral und möglichst breit aufgestellt. Graswurzelbewegung heisst das Schlagwort. Und wie Gras wächst und sich ausbreitet, unterirdisch und unbemerkt, können solche Bewegungen wachsen und am Ende werden sie zur Graswurzelrevolution – hoffentlich.

Wir können uns auch noch gut an die Anti-Atomkraft-Bewegung erinnern, die in Wackersdorf auf die Barrikaden ging, die gegen das Kernkraftwerk in Wyhl kämpften, gegen Atommülltransporte und gegen die Startbahn-West in Frankfurt. Die Menschen standen auf gegen die Stationierung von Atomraketen in Deutschland und Europa. Die Protestbewegung hat eine lange und kämpferische Geschichte! Und immer kämpfte sie nicht nur gegen das Unrecht und die Großkonzerne, die von der Willfährigkeit der Politik profitierten, sondern auch gegen die Politik selbst, die die Protestbewegung kriminalisierte, dämonisierte und mit Repression malträtierte. Immer und seit dem Anfang der Bundesrepublik standen die jeweiligen Regierungen auf Seiten und in Diensten der Wirtschaft und ihrer Interessen. Manchmal mehr, manchmal weniger. Meist aber mehr, so wie heute!

Darum muss der Kampf gegen die Profiteure der Umwelt- und Naturzerstörung auf allen Ebenen und mit fast allen Mitteln geführt werden! Guerilla Gardening in den Städten, Graffiti (am Besten mit Moos-Graffiti, das ist umweltfreundlich und lässt sich von den benutzten Oberflächen wieder ohne Probleme entfernen). Natürlich kann und will ich hier nicht der Gewalt das Wort reden, weder gegen Dinge, noch erst Recht gegen Menschen. Aber man kann sich über Aktionen informieren, mit denen man die Aktivitäten weitgehend, oder doch teilweise unterbinden kann, die Mensch und Tier gefährden, schädigen und krank machen, deren Lebensräume zerstören und Umwelt und Natur verschmutzen. Manchmal ist ein wenig Nachhilfe nötig. Ein wenig Druck. Informiert Euch hier…

Ecodefense: A Field Guide to Monkeywrenching

…was ihr alles tun könnt. Und ich betone nochmals eindringlich, sich keiner illegalen Aktivitäten zu bedienen, um unsere Ziele zu erreichen. Damit schadet man unserer Sache. Aber es gibt genug Aktionen, die man durchführen kann, um sich gegen die Konzerne zur Wehr zu setzen, die Aufmerksamkeit erregen und mehr Menschen für den Kampf gegen die totale Ökonomisierung der Welt zu mobilisieren. Wer möchte kann den Field Guide ausdrucken und an Mitstreiter verteilen. Der Link darf auch geteilt werden, um zu verhindern, dass die Informationen irgendwie verloren gehen. Besonders gefragt dürfte der Field Guide in Ländern sein, die unter einem totalitären Regime zu leiden haben. Also macht was daraus!

Grüne Revolution

Theoretisch ist ja jetzt gerade Frühling. Auch wenn uns die Realität eines Besseren belehrt und uns neuerlich an der Behauptung zweifeln lässt, die Erde befände sich in einer Phase der menschengemachten Klimaveränderung, bzw. Klimaerwärmung. Überall sind leere Flächen zu finden – Beete, Rabatten, Waldränder, Brachen, Blumenkästen und Pflanzgefäße, sowie Verkehrsinseln. Macht Euch einen Sack voll Samenbomben (in Fachkreisen Seed Bombs genannt), nehmt immer ein, zwei Hände voll in der Tasche mit, wenn ihr das Haus verlasst und schmeisst sie dort hin, wo ihr gerne Blumen oder Gemüsepflanzen sehen und gelegentlich mal abernten wollt! Es kostet nicht viel und ist gut für Eure Seelen und die Umwelt.

Wer besonders rabiat und revolutionär eingestellt ist, der kann sich des nachts, oder in der Dämmerung auf die ungewaschenen Socken machen und sich im Guerilla Gardening versuchen. Pflanzt Obstbäumchen, Beerensträucher, oder andere Gehölze dorthin, wo es Euch gefällt. Aber lasst Euch nicht erwischen, denn es ist illegal sinnvolle Dinge für Natur und Umwelt, oder gar für sich und seine Mitmenschen zu tun!

Probierts einfach mal aus! Rebelliert gegen den Beton und die Betonköpfe in den Stadtverwaltungen! Sucht nach Mitstreitern in Eurer Nachbarschaft oder führt Euren Kampf allein und aus dem Untergrund heraus…

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Jute statt Plastik oder doch besser Papier?

Ja nä? Wenichstens tragen die Leute, die sich bei Primark mit Wegwerfklamotten eindecken bis das Schwein pfeift, ihren Textilmüll in Papiertaschen nach Hause, deren Wert den des Inhalts vermutlich um ein Vielfaches übersteigt! So geht Umweltschutz heute!

Dabei vernachlässigen wir ganz einfach mal die Tatsache, dass Tragetaschen aus Papier meistens aus Holz gewonnen werden, das man irgendwann einmal irgendwo gefällt hat – am Besten im Regenwald. Denn da ist das Gestrüpp sowieso nur im Weg, wenn man wundervoll monokulturelle Plantagen für Palmöl oder Naturkautschuk anlegen möchte. Was sich nicht zu teuren Teakholzmöbeln oder anderem Kram für Haus und Garten verwerten lässt, wird ja nach altbewährtem Muster für Papiertüten geschreddert, oder zu edler Holzkohle gebrannt. Wer sich da ein wenig verkohlt fühlt, liegt richtig. Andererseits ist ein klodeckelgroßes T-Bone-Steak von garantiert BSE-freien und mit Gen-Soja gefütterten Rindviechern vom Typ Angus aus Käfighaltung ein Genuß, den man nie mehr missen möchte, wenn man es einmal versucht hat!

In den Siebzigern war man cool, wenn man seine Klamotten vom Supermarkt mit einem Jutebeutel nach Hause schleppte. Heute hat das irgendwie ein wennig von Nostalgie. Das ist so Hippie, aber keinesfalls hipp. Und dennoch sind es vermutlich gerade diese Tragetaschen aus Jute, die unsere Umwelt weniger belasten, als der ganze andere Krempel. Mit schickem Aufdruck, am Besten mit Ökofarben, könnte man da schon was für Natur und Umwelt tun. Und wenn die Beutel irgendwann dann doch mal den Geist aufgeben, kann man sie getrost auf den Kompost werfen und darauf warten, bis sich die Natur das wieder holt, was man ihr abgepresst hat.

Plastik, in die Natur geworfen, oder ins Meer, schädigt nicht nur Tiere, die die Tüten womöglich für Nahrung halten könnten und sich so ihre Eingeweide verstopfen, oder Gliedmaßen abschnüren, sondern auch den Menschen. Plastik in der Größe von Nanopartikeln, wie sie bei dem Zersetzungsvorgang durch Wasser, Salzwasser, UV-Strahlung und so weiter entstehen, gelangen in die Nahrungskette und überwinden auf Grund ihrer Größe locker die Blut-Hirn-Schranke. Außerdem geben sie bei der weiteren Zersetzung im Körper noch weiter allerlei andere Chemikalien ab, von denen a.) keiner weiß welche und b.) erst recht niemand sagen kann, wie schädlich sie sind!

Jedes Jahr gelangen weiter hunderttausende von Tonnen an Plastikabfällen ins Meer, wo sich an einigen Stellen bereits riesige Wirbel gebildet haben (sogenannte Garbage Patches), an denen sich – strömungsbedingt – ungeheure Mengen an Plastikabfällen sammeln und einen regelrechten Teppich aus Plastikabfällen in den verschiedensten Stadien der, teils Jahrhunderte dauernden, Zersetzung bilden.

Aber auch in den Binnengewässern findet sich Plastikmüll in jeder Menge und Größe. Dort wird er unter anderem durch Kosmetika eingetragen, die zum Zwecke des Sonnenschutzes oder der Pflege vom Menschen selbst auf die Haut aufgetragen und dann vom Wasser abgewaschen. Über die Folgen ist man sich bis heute nicht im Klaren. Üblicherweise verbreitet die Kosmetikindustrie und in ihrem Fahrwasser natürlich auch der Großteil der Politiker die Behauptung, dies sei nicht richtig, nicht bewiesen und außerdem völlig ungefährlich für Mensch, Tier und Umwelt. Auf der anderen Seite engagieren sich besorgte Umweltschützer und versuchen die Gefährdungen nachzuweisen und die Politik dazu zu bringen, dem Treiben des industriellen Komplexes einen wirksamen Riegel vorzuschieben. Bislang von wenig Erfolg gekrönt!

Daher lasst uns wenigstens den ersten Schritt tun, um das Plastik aus unserer Umgebung und der Umwelt zu verbannen und lasst uns unsere Einkäufe mit ökologisch sinnvollen und akzeptablen Behältnissen vom Laden nach Hause zu tragen. Dabei bricht sich bestimmt keiner einen Zacken aus der Krone! Danke!

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Tschernobyl und kein Ende

Heute feiern wir! Und dafür gibt es einen Grund. Ein Jubiläum quasi. Denn vor nunmehr 30 Jahren flog der Reaktor in Tschernobyl in die Luft und verseuchte ein Gebiet so groß wie Polen. Obwohl das ja eigentlich unmöglich war, weil die Wahrscheinlichkeit so verschwindend gering war (und nach Aussage der Atomkraftbefürworter noch immer ist), dass eine solch verheerende Havarie nur alle 10.000 Jahre – oder so – möglich ist.

Nun gut, dann haben wir also die nächsten zehntausend Jahre Ruhe? Brauchen wir keine Angst vor einem Atomdesaster mehr zu haben, weil wir das ja sowieso nicht erleben werden? Jedenfalls nicht persönlich, weil wir dann schon längst tot sind (und weil wir auf Grund des unter das Existenzminimums abgesenkten Rentenniveaus bereits deutlich vorher verhungert sein werden)? Das Problem mit der Wahrscheinlichkeit ist halt, dass nicht nur in zehntausend Jahren das nächste Atomkraftwerk in die Luft fliegen muss, sondern dass dies auch schon morgen (und woanders) passieren kann. Aber lassen wir uns davon nicht irre machen. Glauben wir einfach dem Geschwätz der Wissenschaftler, die die Kernenergie für eine sichere Sache halten, weil sie dafür bezahlt werden. Und sicher ist sie ja auch – todsicher.

Also feiern wir am 26. April das 30-jährige „Jubiläum“ von Tschernobyl und den dreißigsten Geburtstag des atomaren Desasters. Sicher werden wir nicht allein sein. Ehrwürdige Wissenschaftler, mit stolz geschwellter Brust in blendend weißem Laborkittel feiern sicher mit und beteuern ein um´s andere Mal, dass man das so ja nie hatte voraus sehen können und dass letztlich alles nicht nur unmöglich, sonden außerdem eine äußerst unglückliche Verkettung unglücklicher Umstände gewesen sei, die noch dazu durch menschliches Versagen ausgelöst und aus dem wohl kalkulierten Ruder gelaufen war. Ganz genau so, wie zum Beispiel die unsinkbare Titanic, die eigentlich garnicht hätte sinken können, nein dürfen, wenn nicht menschliches Unvermögen dazu gekommen wäre. Aber das kann man ja mathematisch nicht ausreichend genau kalkulieren, weswegen man es erst garnicht versucht. Oder es doch zumindest so manipuliert, dass dieses Risiko vertretbar erscheint.

Wieviele Kinder wurden missgebildet geboren und starben unter Qualen nach einem mehr oder weniger kurzen und dennoch kaum erträglichen Leben als Zombies der nuklearen Apokalypse? Wie viele Menschen erkrankten in der Folge an Krebs und siechten dahin, bis sie jämmerlich verröchelten, ohne dass die Regierung jemals die Verantwortung dafür übernommen hätte und sich um die Heilung und wo das nicht (oder nicht mehr) möglich war, wenigstens um eine Linderung der Leiden und eine angemessene Versorgung der Opfer und Hinterbliebenen gekümmert hätte?

Nun ja, man hängte den mutigen Männern und Frauen, die mit lumpigen Blechschaufeln bewaffnet in die havarierten Reaktorblöcke geschickt wurden, um die hoch radioaktiven Abfälle, den Schutt und die Brennstäbe zusammen zu schaufeln mit Orden aus purem Blech und überließ sie anschließend der Strahlenkrankheit. Das Gebiet um den Reaktor wurde großflächig zur Sperrzone erklärt und im Nachhinein gesehen ist das ja ein wahres Glück gewesen. Jedenfalls für den bald im Ostblock eingezogenen Kapitalismus. Denn so kann man heute für satte 80 € pro Nase einen Tagesausflug in die Stadt am Prypjat machen, zum sich gruseln. Das schafft wenigstens ein paar Arbeitsplätze und der morbide Charme der Ruinen ist sicher eine passende Kulisse für jeden Zombiestreifen.

Was das Thema Wahrscheinlichkeit in Theorie und Praxis angeht, so können wir, um das ganze dumme Geschwätz der Energiekonzerne auf der ganzen Welt zu entlarven, noch kurz auf ein paar weitere mehr oder weniger große Havarien verweisen, die nach der Wahrscheinlichkeit auch noch nicht hätten passieren dürfen – und trotzdem eintraten…

  • am 28.3.1979 kam es im Atomkraftwerk Three-Miles-Island bei Harrisburg in Pennsylvania/USA zu einer partiellen Kernschmelze. Die Katastrophe wurde mit INES 5 eingestuft (INES von International Nuclear and Radiological Event Scale). Es gibt 7 INES-Stufen, wobei INES 7 die höchste Stufe ist, mit der katastrophale Unfälle in atomaren Anlagen eingeschätzt werden. Ursache war menschliches Versagen!
  • am 26.4.1986 ereignete sich im Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine/UdSSR ein katastrophaler Unfall (oder ein Super-GAU), der nach INES 7, also der höchsten Stufe eingestuft wurde – mit den oben geschilderten katastrophalen Auswirkungen. Aber das war noch nicht alles. Bereits im Jahr 1982 hatte es eine Havarie der Stufe INES 5 gegeben. Hier, wie auch bei dem genannten Super-GAU, waren neben technischen und konstruktiven Mängeln in erster Linie menschliches Versagen die Ursachen!
  • am 11. März 2011 kam es im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi in Japan infolge eines Seebebens mit anschließendem Tsunami zu einer katastrophalen Havarie der gesamten Atomanlage wegen Stromausfalls. Das Unglück wurde zunächst in INES 5 eingestuft, musste später aber auf INES 7 erhöht werden.

Dies sind nur die allerschwersten atomaren Katastrophen der letzten Jahrzehnte weltweit. Die komplette Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen kann auf Wikipedia eingehend studiert werden. Wer sich das antut, kann sich wirklich nur verwundert die Augen reiben, ob der Dummheit der menschlichen Spezies. Es handelt sich um eine Aneinanderreihung menschlichen Versagens, oft gepaart mit technischer Unzulänglichkeit und am Anfang mit schlichtem Unwissen und bodenlosem Leichtsinn. Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass die Folgen zum einen durch ein totalitäres System zu verantworten waren, zum anderen durch den Kapitalismus und das damit verbundene grenzenlose Profitstreben.

Die Propaganda der Energiewirtschaft machte aus der hochgefährlichen Atomenergie eine „saubere“, „effiziente“ und „umweltfreundliche“ Form der Energiegewinnung und verschwieg geflissentlich, dass a.) die Entwicklung, der Bau und der Betrieb von Atomkraftwerken staatlich gefördert und damit hoch subventioniert wurde, b.) die Gewinne des künstlich verbilligten Atomstroms in die Kassen der Konzerne flossen und c.) die finanziellen Risiken (für Rückbau, Entsorgung, Wiederaufarbeitung und Endlagerung), sowie die Folgen für Gesundheit und Umwelt auf die gesamte Gesellschaft abgewälzt wurden und werden!

Gerade heute, wo regenerative Energien immer konkurrenzfähiger werden und die Bundesregierung (zumindest in Deutschland) den Atomausstieg, nach langem Hin und Her und gegen den verzweifelten Widerstand der Energiekonzerne, bis zum Jahr 2022 beschlossen hat, versuchen sich die Energiekonzerne aus ihrer finanziellen und gesellschaftlichen Verantwortung für ihre atomaren und radioaktiv verseuchten Hinterlassenschaften zu stehlen, in der Regel durch betriebswirtschaftliche Tricks!

In anderen Ländern ist man lange noch nicht so weit, sondern baut eifrig weiter aus, was sich als verheerender Fehler der technologischen Entwicklung erwiesen hat – mit genau denselben Begründungen wie das die Energiewirtschaft in Deutschland jahrzehntelang auch getan hat. Die Unfälle, die sich bis heute ereignet haben und deren Folgen über die Jahrzehnte und bis in die ferne Zukunft hinein kaum einer abzuschätzen vermag, werden bagatellisiert und geleugnet. Noch jeder Energiekonzern behauptet bis heute, steif und fest den Stein der Weisen gefunden zu haben (nämlich das sichere Atomkraftwerk) und noch immer verweist man auf die „Wahrscheinlichkeit“, die es nur einmal alle zehntausend Jahre zulasse, dass es zu einem schweren Unfall in einem Atomkraftwerk kommen könne. Und man verschweigt mit einer ans Unverschämte grenzenden Frechheit, dass dieser Unfall (auch nach der Wahrscheinlichkeit) schon morgen geschehen kann und nicht erst in zehntausend Jahren.

Wieviele Menschenleben wird es noch kosten, bis man bereit ist zuzugeben, dass die Entwicklung und der Bau von Atomkraftwerken ein fataler fehler war? Wieviele weitflächige Gebiete müssen noch zur Sperrzone werden, bis klar wird, dass unsere Erde ein Planet mit Grenzen ist? Nur zwei Dinge scheinen grenzenlos zu sein auf unserem Planeten – die Gier nach Profit und die menschliche Dummheit!

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Kleidung aus Müll?

Warum eigentlich nicht? Stellt sich nur die Frage, welchen und wieviel Sinn es macht, z. B. aus alten Plastiktüten das Rohmaterial zur Herstellung von Kleidung zu gewinnen?

Zuerst muss man dazu bemerken, dass es eigentlich ein Witz ist, ein paar hundert Plastiktüten so zu verspinnen, dass daraus so etwas wie Garn herzustellen ist. Betrachtet man die unglaublichen Mengen an Plastik, die mittlerweile im Meer schwimmen und setzt die paar recycelten Tüten dazu in Relation, dann kann man das ganze Zeug eigentlich sofort wieder dorthin schmeißen, wo man es hergeholt hat. Ins Meer, oder auf die Müllkippe! Aber wenn man diese Idee als einen recht geschickten Marketinggag einer jungen DesignerIn versteht, kann man der Sache schon einiges mehr abgewinnen.

Natürlich sind wir uns alle darüber im Klaren, dass diese Form des Upcycling keine Lösung für das gigantische Problem der Meeresverschmutzung u. a. durch Millionen von Tonnen Plastikmülls sein kann. Es ist allenfalls eine Randnotiz auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Lösung, die da nur lauten kann – kein Plastikmüll mehr in die Ozeane! Aber immerhin ist es ein bemerkenswerter Ansatz. Denn es macht ja durchaus Sinn, Materialien mehrfach zu nutzen, wenn ein aus einem bestimmten Rohstoff hergestelltes Produkt seinen Lebenszyklus durchlaufen und seinen Zweck, mehr oder weniger zufriedenstellend, erfüllt hat.

Bei Platiktüten ist es meist so, dass sie nach einmaliger Verwendung nicht mehr weiter verwendet werden (können) und darum sofort in den Abfall geworfen werden, nachdem man mit den Waren, die man darin transportiert hat, zu Hause angekommen ist.

Überhaupt ist das Upcycling nach der Erst- oder Zweitnutzung sicher deutlich sinnvoller und umweltverträglicher, als die „thermische Behandlung“ in der Müllverbrennungsanlage, die derzeit noch das Maß aller Dinge ist. Und für alle, die sich fragen, was denn Upcycling eigentlich sein soll, hier die einfache Antwort – man nutzt Abfallstoffe so, dass aus ihnen neue Produkte hergestellt werden können und diese Produkte dann höherwertig sind, als das ursprüngliche Produkt! Grundsätzlich keine schlechte Idee, wie ich persönlich finde.

Ein Aspekt steht noch im Raum, der bislang unbeantwortet ist. Wie sieht es beispielsweise mit der Schadstoffbelastung von Kleidungsstücken aus, die aus re-, bzw. upgecycelten Plastiktüten hergestellt werden? Wie sieht es mit der Produkthaftung aus, wenn es zu gesundheitlichen Problemen kommt? Wer ist dann dafür verantwortlich? Vermutlich derjenige, der aus upgecyceltem Kunststoff Kleidung herstellt. aber kann er wissen, was in den von ihm verwerteten Plastiktüten eigentlich wirklich drin ist?

Einen wirtschaftlichen Faktor sieht wohl außer den enthusiastischen Upcyclern selbst derzeit niemand darin, ausgesonderte Produkte zur Rückgewinnung von Rohstoffen zu nutzen. Okay, Metaal, Glas, Papier und dergleichen war schon immer eine Geschäftsidee, die sich große Unternehmen gern unter den Nagel rissen, um sich daran zu bereichern. Wäre das Recycling in absehbarer Zeit eine Sache, mit der man eine Menge Geld verdienen könnte, hätten sich die Rohstoffkonzerne längst in dieser Branche breit gemacht und kleine Recycler und Menschen, denen weniger der Profit am herzen liegt, als die Nachhaltigkeit, längst aus dem Markt gedrängt.

So lange der Rohölpreis nicht deutlich über hundert Dollar je Barrel liegt, wird es wohl auch keine Änderung in dieser Einstellung geben.

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