Vertical Gardens/Vertikale Gärten

Ein sehr wichtiges, weil existentielles Thema ist die Reduktion der CO2-Emissionen, die dazu führen, dass sich unsere Atmosphäre in eine Art Treibhaus verwandelt. Das Ergebnis kann man heute schon beinahe täglich in den Nachrichten sehen: Unwetter bisher unbekannten Ausmaßes, enorme Niederschlagsmengen in kürzester Zeit, die von den steinharten, verfestigten und versiegelten Böden nicht mehr aufgenommen und schon garnicht gespeichert werden können. So reissen die Fluten den noch vorhandenen Boden mit sich fort und sorgen dafür, dass nur nackter Fels, unfruchtbar und ungeeignet für das Gedeihen von Pflanzen zurückbleibt!

Was wollen wir dagegen unternehmen? Oder besser gefragt, was können wir dagegen unternehmen? Nun,  so schwer ist es nicht, hier Lösungen anzubieten. Viel schwerer ist es, die Umsetzung dieser Lösungen und Lösungsansätze auch durchzusetzen. Seit Anfang Juni diesen Jahres lamentieren in Bonn mehr als 3.000 Delegierte aus 190 Nationen über die Rettung des Klimas. Besitzt irgendeiner von Euch genug Mumm, darauf zu wetten, dass sie sich einigen werden? Ich nicht! Greenpeace hat bereits reagiert, als die Konferenz startete, und 100 Jugendliche auf die Teilnehmer losgelassen, um ihnen klar zu machen, dass es um ihre Zukunft geht. Hier ist der Link zu der Petition unser Klima – unsere Zukunft!, die den Delegierten überreicht werden sollte! Seit Kyoto weiss man allerdings, was bei Konferenzen heraus kommt, an denen tausende von Politikern und Wissenschaftlern, und was weiss ich wer noch, teilnehmen – nichts außer noch mehr heißer Luft und die können wir nun wahrhaftig nicht gebrauchen!

Was also tun gegen die Erwärmung des Klimas durch CO2? Fakt ist, dass die Holzindustrie schneller und effektiver die letzten Urwälder vernichtet, als jemals zuvor und Fakt ist ebenfalls, dass die Ölindustrie sich in einer Art und Weise auf die letzten vermuteten Reserven stürtzt, dass einem Angst und Bange wird. Und keiner von diesen Umweltschweinen zeigt auch nur die Spur von Einsicht, oder gar Verständnis für die Ängste, Nöte und Rechte der Menschen, die davon betroffen sind („Peru: Indios geben ihre Blockade auf“, Artikel auf FAZ.NET vom 7.6.2009). Aber das ist noch lange nicht alles. Die Tierwelt stirbt, weil man ihr die Lebensräume entzieht, die Wälder sterben, weil man sie absägt, die Flüsse vergiftet und den Boden beiseite schiebt, um an die letzten Ressourcen zu gelangen!  Ich weiss, ich habe es schon unzählige Male erwähnt, aber jedesmal, wenn ich dieses Thema anschneide, rege ich mich dermaßen darüber auf, dass ich gänzlich aus der Fassung gerate und noch mehr ärgere ich mich darüber, dass es nach wie vor Menschen gibt, die der Meinung sind, die Erde ist ein Platz, der über unerschöpfliche Ressourcen verfügt und es sei scheißegal, wenn man alles, bis auf den letzten Rest dem Boden entreisst und der Gier der Konzerne überlässt!

Würden in dem gleichen Maß, wie der Wald gefällt wird, neue Bäume gepflnazt  und so die enormen Verluste ausgeglichen, wäre das Problem sicher nicht so groß, wie es sich uns heute darstellt. Aber bedauerlicherweise ist es nun einmal so, dass ein Baum, bis er ausgewachsen ist und Früchte trägt, so dass er sich selber fortpflanzen kann, bis zu mehreren hundert Jahren Zeit benötigt! Abgesägt ist er in 5 Minuten – ein Wunder der Natur, vernichtet in nur 5 Minuten! Aber der Ausgleich für den tragischen Verlust der Wälder, deren gigantische Biomasse unglaubliche Mengen an CO2 bindet, kann nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden. Wir müssen jetzt etwas tun! Nicht morgen oder gar erst übermorgen oder nächstes Jahr. Wir müssen sofort beginnen, oder unser wunderschöner blauer Planet wird in 50 Jahren nur noch eine ferne Erinnerung alter Leute sein!

In unseren Städten gibt es ein Potenzial an Flächen, dass bisher noch kaum ausgeschöpft ist. Die Dächer der Gebäude, die Wände und Fassaden der Häuser und Fabriken, die Plätze und „Parkanlagen“! Ja klar, es gibt hin und wieder ein paar Häuser, an denen ranken Efeu und Wilder Wein an Klettergerüsten herum, aber das war´s dann auch schon. Unten, wo sie aus den Kübeln oder aus dem Boden wachsen, pinkeln die Hunde dran und düngen das Ganze sehr stickstoffreich und der restliche Erdboden, der nicht zubetoniert worden ist, dient als Abfalleimer. Niemand ist zuständig, keinen interessiert´s. Deutschland ist bekanntermaßen ein Land, in dem alles reguliert und geregelt ist. Warum nicht mal eine sinnvolle gesetzliche Regelung schaffen, die die Hausbesitzer verpflichtet, wenigstens Teile der Fassaden und Dächer zu begrünen und/oder mit Solaranlagen zu versehen? Dabei müssen natürlich Kommunen und Behörden mit gutem Beispiel voran gehen, aber das ist auch schon der Haken – es kostet alles Geld und ja, in Zeiten wo alle verfügbaren, ebenso wie die nicht vorhandenen Geldmittel in die „systemrelevanten“ (das ist mein persönliches Unwort des Jahres!) Konzerne und Banken gepumpt werden müssen, hat der Staat nicht mal Geld, um in ein paar Energiesparlampen zu investieren.

Fassadenbegrünungen sind aber nicht nur schön und nützlich, weil CO2-bindend, sie sind auch insofern von nutzen, als sie die Heizkosten senken und das Raumklima verbessern können. Und sie sorgen für ein erheblich besseres Aussehen der Gebäude. Das Blattwerk wirkt gleichzeitig als Staub- und Schadstofffilter für die mit Abgasen belastete Luft der Innenstädte und dürfte so dazu beitragen, dass unsere Städte wieder wesentlich attraktiver werden! Und es gibt da einiges an Möglichkeiten. Schaut Euch mal die Homepage Vertical Garden by Patrick Blanc an. Hier sieht man, welches Potenzial in diesem Prinzip steckt. Das sind tolle Bilder!

Dieses Video zeigt den Typen, der hinter der Idee steckt und einige seiner Arbeiten in Paris…

Wände und Fassaden sind eher zu begrünen als  Dächer, die nicht immer die notwendige Statik aufweisen. Aber zumindest die Installation einer Solaranlage sollte auf keinem Dach ein allzu großes Problem darstellen. Aber auch eine teilweise Begrünung erfüllt schon ihren Zweck und trägt zur Bindung von CO2 bei. Jedes kleine bisschen hilft!

Ein Vertical Garden in Bordeaux

Ein weiterer Punkt, der sehr ärgerlich ist, sind die sogenannten Parkanlagen innerhalb der Städte. Diese sind sehr spärlich und mit irgendwelchem „pflegeleichten“ Gestrüpp bedeckt, dass ausser als Unterkunft für fette Stadtratten, kaum einen nachvollziehbaren Zweck erfüllt. Hier sollten die Stadtverwaltungen dazu gebracht werden, mehr und artenreichere Bepflanzungen vorzunehmen. Um Insekten ein Überleben in unseren Städten zu ermöglichen, sollte man auch davon Abstand nehmen, jeden freien Fleck mit Rasen einzusäen. Hier gibt es keine Blüten und auch sonst nix, woran sich das Auge oder die Insekten erfreuen können. Schnaken und Stechmücken, die einem während der lauen Sommerabende die schlechte Laune verderben, gibt es sowieso, ob wir sie nun wollen oder nicht. Also warum nicht aus jedem Park ein buntes blühendes Paradies machen? Bäume pflanzen in den Parks kann doch nicht so schwer sein, oder? Und warum keine Obstbäume? Warum kein Gemüse, dass sich selber aussät? Blumen, die ihre Samen dem Wind überlassen und sich so verbreiten? Hat man wirklich einen Grund, sich vor der Natur in den Städten zu fürchten? Ich glaube nicht! Denn so sehr wir auch gegen die Natur in unseren Betonwüsten ankämpfen, besiegen können wir sie nicht und auch nicht vollständig verdrängen. Also lassen wir ihr doch mehr Raum und treten ein klein wenig beiseite. Wenn wir dann ein bisschen regulierend eingreifen, können wir selbst in unseren Städten in der Natur und mit ihr leben!

Aber bewegen wird sich nur was in dieser richtung, wenn wir dazu übergehen, einen „Guerillakrieg“ zu führen. Einen „Green Guerilla Gardening War“. Nachts ausschwärmen und Seed Bombs schmeißen, wo man geht und steht und das so lange, bis die Stadtverwaltungen kapitulieren! Kämpfen um jeden einzelnen Baum, der gefällt werden soll, denn die Bäume sind unserer Freunde! Wir müssen die Grüne Revolution ausrufen und dafür sorgen, dass unsere Kinder und Enkel auf dieser Erde noch eine Zukunft haben!

weiterführende Links:

  • EasiestGarden .com (Ist eine Firma aus den USA, die Pläne und DVD´s verkauft. Hier gibt es auch ein Video zu sehen, das zeigt, wie man einen Hydroponic Vertical Garden bauen kann. Sieht ganz interessant aus)
  • Flowall – Pflanzenwand (ein kleines System aus Kunststoff zum an die Wand hängen. Sieht neckisch aus, ist aber meiner Meinung nach mit 49,- € recht teuer geraten. Aber wer Ideen sucht, die er in den eigenen vier Wänden umsetzen kann, holt sich eben ein paar Anregungen zur Inspiration)
  • Bio Tecture Ltd – „Green wall systems and vertical facade greening“ (Ein Unternehmen aus Großbritannien)
  • Grüne Welle (Seed Bombs/Seed Balls-Rezept der GartenPiraten)
  • GuerillaGardening-Forum (hier können sich GuerillaGärtner austauschen und Tips und Trick finden oder veröffentlichen. Is eigentlich in Englisch, es wird aber auch auf deutsch gepostet. schaut mal vorbei!)

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Guerillagärtnern leicht gemacht!

Habe eine nette Seite aus Österreich (guerillagaertner.com) gefunden, die sich dem Thema Guerilla Gardening widmet und handfest Informationen bietet. Die Seite ist nicht sehr umfangreich, aber das kann ja noch werden. Hier findet Ihr auch eine Download-Sektion, wo das Banner, das Logo, Rezepte für Samenbomben (also Seedbombs) oder sogar selbstgemachtes Moosgraffiti. Die pdf-Dateien sind knapp gehalten und leicht verständlich geschrieben und können downgeloaded werden!

Es ist ja schön und gut, wenn die Städte ein paar Grünanlagen anlegen. Das heisst, nein, es ist weder schön, noch gut, weil diese Flächen eigentlich nur als Hundetoiletten für die Anwohner genutzt werden können. Die Bepflanzung ist so angelegt, dass sie möglichst wenig Arbeit macht und besteht deshalb zumeist aus Rasenflächen und einigen Bäumen und Büschen. Gerade in Karlsruhe, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dienen diese Anlagen dem Unterschlupf von Ratten, die ganz erstaunliche Ausmaße haben können. Wer sehr früh morgens durch die Stadt geht, kann sie rascheln hören unter den bodendeckenden Gewächsen, die sich fast überall finden. Und hin und wieder, sieht man das ein oder andere Exemplar über eine Strasse oder Gehwege huschen. Bisweilen hat man den Eindruck, das wären kleine Katzen (um einen Größenvergleich zu haben).

Schaut Euch da mal um und fangt dann gleich mit der Produktion von Seedbombs an, um die Betonwüsten der Städte zu begrünen! Ich frage mich natürlich auch, warum man keine Obstbäume in die Grünanlagen pflanzt. da findet sich vielleicht ein Hebel, um mit der Umgestaltung des städtischen Raumes zu beginnen. Blumen säen, Gemüse anpflanzen, Obstbäumchen setzen und schon wird die Stadt zu einem Garten Eden für die Menschen – jedenfalls ein kleines Stückchen! Und Pflanzen, besonders Bäume binden CO2 und was wäre wichtiger als diese wunderbare Eigenschaft der Bäume, gerade in der heutigen Zeit? Es gibt so viele herrliche Nutzpflanzen (Verein zur erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt VEN)  die nicht nur in ihrer Eigenschaft als Pflanze das CO2 binden und Schmutz aus der Luft filtern, oder das Mikroklima positiv beeinflussen, man kann sich mit ihren Früchten, Nüssen oder Beeren auch noch gesund ernähren! Na wenn das nicht Grund genug ist, sich mit dem Guerillagardening zu befassen?

Nachruf auf einen großen kleinen Mann

Masanobu Fukuoka ist tot. Er ging am 16. August 2008 im Alter von 95 Jahren heim zu Gaia.
Mit ihm ist eine der führenden und prägenden Persönlichkeiten der Permakultur von uns gegangen. Seine ruhige Art und der tiefe Sinn seiner Überlegungen werden der Bewegung sehr fehlen. Er hat uns sein Wissen und seine Art mit Mutter Erde umzugehen in seinen Büchern hinterlassen und viele Menschen haben von ihm gelernt. Masanobu war ein Lehrer, auch wenn er das nie sein wollte. Seiner Ansicht nach sollten die Menschen selbst lernen und nicht nachmachen. Selbst erfahren, selbst erkennen und dann handeln, das war sein Credo!
Er setzte sich für die Natur und die Menschen ein und suchte nach Wegen, wie die Menschen in Würde leben und die Natur schützen und bewahren können. Dabei vertrat er die Ansicht, das der Natur das am meisten nützt, was man nicht tut (den Boden bearbeiten, Düngen, Schädlingsbekämpfung, usw.). Er hat gesehen, was viele verlernt haben zu sehen – die Zusammenhänge in der Natur und ihre Nutzung für die Menschen, ohne auszubeuten und zu plündern!
Sein Einsatz für die Belange der Natur und der Menschen war beispielhaft. Er trat dafür ein – noch in hohem Alter – die entwaldeten Gebirge rund ums Mittelmeer mit Hilfe von Seed Balls, die er von Hand herzustellen lehrte, wieder aufzuforsten. Er wollte die Wüste grünen lassen, indem er Samen ausstreute. All diese Pläne müssen nun andere Menschen zu einem erfolgreichen Ende bringen. Aber Masanobu hat uns gezeigt wie es geht: beobachten und handeln! Seinem Beispiel sollten wir nachfolgen, damit wir auf unserer Mutter Erde als Menschen überleben können.
Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren und seine Ideen und Methoden nicht dem Vergessen überlassen. Seiner „Landwirtschaft des Nichtstun“ gehört die Zukunft!