Guerillagardening in der Schweiz?

Man kann den Schweizern viel nachsagen. Zun Beispiel, dass sie nur dem Gelde verpflichtet sind und dass ihnen ihr Steuergeheimnis heilig sei. Bisweilen wird das Ländli sogar als Steueroase bezeichnet, das davon lebe, unredlich verdientes Schwarzgeld wohlhabender aber keineswegs steuerehrlicher Zeitgenossen (nein, keine Eidgenossen, jedenfalls nicht nur…) anzuziehen.

Für besonders aggressive Maßnahmen zum Umweltschutz erwartet man von den Schweizern meist vergeblich. umso erstaunlicher ist der Kampf der Guerillagärtner in Zürich oder anderswo, die sich nächtens heimlich auf die Socken machen, um Brachflächen zu beackern und zu begrünen, oder gar mit Blumen zu verschönern.

Der Sinn des guerillagärtnerns ist der Kampf gegen die Betonwüsten der Städte, gegen Brachen und verwilderte Verkehrsinseln. Meist wollen die Stadtverwaltungen diese freiwillige Leistung ihrer Bürger aber nicht dulden, denn es ist viel einfacher und billiger, auf den meistn freien Flächen ein paar Grassoden und einige Sträucher zu pflanzen, die als Müllfänger dienen. Hin und wieder lässt man diese Flächen von Ein-Euro-Jobbern (jedenfalls in Deutschland) reinigen, ratzt da Gestrüpp so nachhalötig, dass es mehrere Monate braucht, um wieder auf die Beine, bzw. die Wurzeln zu kommen und lässt dann den lieben Gott einen guten Mann sein.

Guerillagärtner sind Anarchisten. Guerillagärtner sind konspirativ und handeln verdeckt. Nicht, dass es wirklich strafbar wäre, ein paar Samen auf Grünflächen zu verstreuen, solange es sich nciht um Hanf, oder andere Drogenpflanzen handelt, an denen sich die Bürger dann gratis bedienen und berauschen könnten (obwohls das auch schon gegeben haben soll. „Spezielle“ Guerillagärtner pflanzten Hanf in städtische Blumenkübel zwischen die regulären Vergißmeinicht und andere Pissnelken und die Stadtgärtner pflegten diese wochenlang mit und gossen sie eifrig, ohne dass jemand merkelte, was da sauberes heranwuchs – bis ein böser Polizist verdacht schöpfte, weil er die scharf gezackten grünen Blätter seltsam vorkamen…).

Die Übeltäter wurde nie gefunden, wenn ich es recht erinnere und das ist auch gut so!

Dieser spezielle schweizerische Guerillagärtner hier in dem Video hat nun schon mehr als 25 Jahre Kampf auf dem Buckel. Nun schiebt er ein Kochbuch nach, in dem er von ihm gegärtnerte und später wieder eingesammelte Guerilla-Pflanzen kocht und damit seinen Speisezettel ein wenig aufmöbelt…

So weit so gut. Aber der Sinn des Guerillagardening ist es nicht, an die Öffentlichkeit zu gehen und sich zu outen. Handeln ist angesagt und das sich-dran-freuen an dem, was die harten Bedingungen des städtischen Umfelds überlebt und sich vermehrt.

Ich persönlich sehe das Guerillagardening am liebsten in seiner anarchistischen Form – unabahängig von der Duldung und/oder gar Genehmigung dieses Vorgehens durch die städtischen Behörden! Für mich muss eine Stadt essbar sein. Öffentliche Plätze sollten voller Obstbäume und -sträuchern sein, Gemüse (verständlicherweise selbstvermehrend und selbstaussäend) sollten auf allen öffentlichen Plätzen gesät, gesetzt und heimlich gepflegt werden, zur freien Verfügung für die Menschen in der Stadt! Aber man kann ja nicht alles haben. Wir arbeiten aber daran!

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Essbare Städte sichern die Zukunft

Schaut man sich an, wie es in den Städten Deutschland aussieht, dann bietet sich einem meist einziemlich trotsloses Bild. Beton- und Asphaltwüsten, vielstöckige Häuser, Fabriken und autobahnbreite Straßen, gesäumt von schmalen Bürgersteigen, hin und wieder eine Fußgängerzone, die aber auch nicht von Grün überflutet ist, sondern die Leute lediglich in die Geschäfte bringen soll um zu konsumieren und die Wirtschaft anzukurbeln. Man will Profit machen, um jeden Preis, auch um den Preis unserer Gesundheit, weiter nichts! Vielerorts, wie zum Beispiel in Karlsruhe, rauschen Straßenbahnen, wie an einer Schnur gezogen, so dicht nacheinander durch die Mitte der Fußgängerzone, dass man bisweilen kaum von einer Seite auf die andere wechseln kann.

Geld ist der Treib- und Schmierstoff, der unsere Gesellschaft am Laufen hält.

Aber es gibt genug Menschen, die können an diesem Rennen und Streben nach dem Konsum nicht teilnehmen, einfach, weil ihnen das Geld dazu fehlt. Sie sind arbeitslos, gehören zu den Geringverdienern, oder kriegen nur eine sehr bescheidene Rente. Andere wiederum wollen einfach nicht Teil dieses Konsumwahnsinns sein und koppeln sich ab.

Und während sich die meisten Menschen gut dabei zu fühlen scheinen, wenn sie ihr Geld in die Geschäfte tragen (jedenfalls redet man ihnen das täglich ein) und es dort für Dinge ausgeben, die sie eigentlich nicht brauchen (was die Werbeleute natürlich ganz anders sehen), kämpfen die anderen um´s Überleben mit den wenigen Ressourcen, die sie zur Verfügung haben.

Bekanntermaßen leiden Menschen mit geringen Einkommen häufiger unter ernährungsbedingten Erkrankungen, starkem Übergewicht und anderen Begleiterscheinungen eines Lebens am Rande des Existenzminimus, was vermutlich auf die Tatsache zurück zu führen ist, dass sie sich nur die allerbilligsten Nahrungsmittel (wenn man die überhaupt so nennen kann) kaufen können und die sind in aller Regel viel zu fett, enthalten ungeheure Mengen Zucker und chemische Zusatzstoffe und sind qualitativ derart minderwertig, dass bei ihrer entsorgung eigentlich die Gesetze und Regelwerke zur Behandlung und Entsorgung von Sondermüll angewenet werden müssten.

Obst gehört meist nicht zum Speiseplan der unterprivilegierten Schichten, nicht nur, weil sie es sich kaum leisten können, wenn sie es nicht gerade bei einer Tafel erhalten (so spart sich der „Spender“ die Entsorgung als Restmüll und verschafft sich ein „gutes Gewissen“), sondern weil sie auch oft garnicht darüber im Bilde sind, welche wichtige Funktionen Obst und Gemüse in einer ausgewogenen Ernährung spielen. Und was nciht in Form von Obst und Gemüse auf dem Esstisch landet, das wird durch Fast Food, Chips und Süßigkeiten ersetzt, mit den bekannten Folgen für aussehen, Wohlbefinden und Gesundheit!

Der Wunsch nach gutem, ausgewogenem Essen, wird einem nicht in die Wiege gelegt. Essen ist eine frage der Erziehung, besonders richtiges essen und wer sich mangels ausreichendem Einkommen nicht angemessen nähren kann, der gibt das damit verbundene Mangel- und Halbwissen an seine Kinder weiter. Adipositas und Diabetes, sowie Herz- und Kreislauferkrankungen schon in jungen Jahren, sind die tragischen Folgen!

Und wie kann man dem entgegen wirken, frage ich mich schon seit geraumer Zeit und ich habe darüber sehr intensiv nachgedacht. Das brachte mich auf einen, na sagen wir mal etwas unkonventionellen Gedanken, den man als „essbare Stadt“ bezeichnet. Natürlich ist damit keine wirklich „essbare Stadt“ gemeint, nach dem Motto „knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an mei´m Häuschen?“ Schließlich sind wir keine Hexen und Zauberer, die kleine Kinder fressen, oder sich von aufsässigen Bälgern in den Backofen stecken lassen, um ein grausiges Ende zu finden.

Eine „essbare Stadt“ könnte aussehen wie eine ganz normale Stadt. Jedenfalls in weiten Teilen, nur nicht in den Grünanlagen, oder dem, was die Stadtverwaltungen als solche bezeichnen. Warum, diese Frage stelle ich mir immer wieder, warum pflanzt man in den Grünanlagen, statt irgendwelchen Gestrüpps und anderem nutz- und sinnlosem Grünzeug, nicht einfach Obstbäume (Äpfel, Birnen, Quitten usw.), Obstbüsche mit allerlei leckeren Beeren (Johannisbeeren, Stachelbeeren usw.), oder gar ein- und mehrjärige Gemüse darunter und drumherum? Sicher finden sich Menschen, die sich nebenbei ein wenig um diese Gewächse kümmern und sie gelegentlich schneiden und pflegen. Damit das Ganze aber auch einen ökologischen Sinn hat, kann man für diese Bepflanzung Obstsorten verwenden, die früher regional weit verbreitet waren und heute durch die industriell angebauten Einheitssorten beinahe ausgestorben sind.

Besonders anbieten würden sich Halb- und Hochstämme, die eine Größe erreichen, die sie davor schützt, einfach von Vandalen umgetreten, oder ausgerissen zu werden. Die blühenden Bäume und Pflanzen würden Bienen und andere Insekten anziehen, die in oder um die Städte mit ihren ausgeräumten Fluren kaum noch Nahrung finden und so die Biodiversität erhöhen. Die Ernten könnte man den Bewohnern der umliegenden Gegenden kostenlos für den Eigenbedarf zur Verfügung stellen, ebenso Menschen, die es sich auf Grund ihres geringen Einkommens nicht leisten können, diese wunderbaren und gesunden Gaben der Natur im Laden zu kaufen.

Man kann Kindern die Natur nahe bringen und sie darüber aufklären, wie wichtig es ist, die Ernährung abwechslungsreich und mit viel Obst und Gemüse, anstatt mit Pommes und Ketchup zu gestalten. Vielleicht bietet ein solcher großer öffentlicher Obstgarten auch die Möglichkeit, die Nachbarschaften zusammen zu bringen, sie zu solidarischem Handeln zu ermuntern und sich mit ihrer Stadt und ihrem Stadtteil auseinander zu setzen. So kann eine Gemeinschaft zusammen wachsen, die heute eher als Ausnahme, denn die Regel zu betrachten ist!

Gleichzeitig kann man mit Guerilla Gardening-Aktionen ungenutzte und brach liegende Flächen in kleine Gärten verwandeln, die Nahrung liefern, Raum zum entspannen bieten und ebenfalls eine wichtige ökologische Funktion erfüllen, manchmal eben auch nur für eine kurze Zeit. Schlecht zu erreichende, eventuell hoch liegende Flächen, bombardiert man heimlich mit Seedbombs/Seedballs, deren Inhalt eine Mischung aus Blumen- und Gemüsesamen enthalten kann. Sie sind leicht selbst herzustellen, unauffällig zu transportieren und jederzeit einsatzbereit.

Zusammen mit einem Netzwerk aus Kleingärten (das einzige störende am Kleingärtnern ist die damit einher gehende Vereinsmeierei, die sicher nicht jedermann´s Sache ist) rund um die Städte herum, kann ein dichtes soziales Netzwerk entstehen, von dem alle, ganz besonders aber die ärmeren Schichten und die Bedürftigen profitieren können! so weckt man sicher mehr Verständnis für die Notwendigkeit des Natur- und Umweltschutzes, als durch abstrakte Gesetze gegen den Klimawandel, der insbesondere Menschen betrifft, die ein Auto fahren und sich bei einer Neuanschaffung ein sparsameres Modell zulegen sollten (was allerdings den deutschen „Premium“-Marken“ wenig bis garnicht gefällt). Wer als Geringvedeiner ein Auto fährt, leistet sich aus nahe liegenden Gründen keinen Neuwagen, sondern kauft gebrauchte CO2-schleudern und fährt sie, bis sie auseinander fallen, ganz genau so, wie wir früher die getragenen Klamotten unserer älteren Geschwister auftragen mussten, oder anderer naher und ferner Verwandter.

Lasst uns also beginnen, unsere Städte grüner, gesünder und eßbarer zu machen, zu Oasen für Pflanzen und Tiere, zu echten grünen Lungen und zu Orten der Erholung und ausgewogener Ernährung.

weiterführende Links:

Guerillagärtnern leicht gemacht!

Habe eine nette Seite aus Österreich (guerillagaertner.com) gefunden, die sich dem Thema Guerilla Gardening widmet und handfest Informationen bietet. Die Seite ist nicht sehr umfangreich, aber das kann ja noch werden. Hier findet Ihr auch eine Download-Sektion, wo das Banner, das Logo, Rezepte für Samenbomben (also Seedbombs) oder sogar selbstgemachtes Moosgraffiti. Die pdf-Dateien sind knapp gehalten und leicht verständlich geschrieben und können downgeloaded werden!

Es ist ja schön und gut, wenn die Städte ein paar Grünanlagen anlegen. Das heisst, nein, es ist weder schön, noch gut, weil diese Flächen eigentlich nur als Hundetoiletten für die Anwohner genutzt werden können. Die Bepflanzung ist so angelegt, dass sie möglichst wenig Arbeit macht und besteht deshalb zumeist aus Rasenflächen und einigen Bäumen und Büschen. Gerade in Karlsruhe, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dienen diese Anlagen dem Unterschlupf von Ratten, die ganz erstaunliche Ausmaße haben können. Wer sehr früh morgens durch die Stadt geht, kann sie rascheln hören unter den bodendeckenden Gewächsen, die sich fast überall finden. Und hin und wieder, sieht man das ein oder andere Exemplar über eine Strasse oder Gehwege huschen. Bisweilen hat man den Eindruck, das wären kleine Katzen (um einen Größenvergleich zu haben).

Schaut Euch da mal um und fangt dann gleich mit der Produktion von Seedbombs an, um die Betonwüsten der Städte zu begrünen! Ich frage mich natürlich auch, warum man keine Obstbäume in die Grünanlagen pflanzt. da findet sich vielleicht ein Hebel, um mit der Umgestaltung des städtischen Raumes zu beginnen. Blumen säen, Gemüse anpflanzen, Obstbäumchen setzen und schon wird die Stadt zu einem Garten Eden für die Menschen – jedenfalls ein kleines Stückchen! Und Pflanzen, besonders Bäume binden CO2 und was wäre wichtiger als diese wunderbare Eigenschaft der Bäume, gerade in der heutigen Zeit? Es gibt so viele herrliche Nutzpflanzen (Verein zur erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt VEN)  die nicht nur in ihrer Eigenschaft als Pflanze das CO2 binden und Schmutz aus der Luft filtern, oder das Mikroklima positiv beeinflussen, man kann sich mit ihren Früchten, Nüssen oder Beeren auch noch gesund ernähren! Na wenn das nicht Grund genug ist, sich mit dem Guerillagardening zu befassen?