Wie die Stadt Karlsruhe die WWF Earth Hour 2009 sieht!

Nachdem ich hier auf meinem Blog für die WWF Earth Hour 2009 getrommelt habe, schrieb ich einen vorbereiteten Brief an unseren verehrten Herrn Oberbürgermeister Fenrich. Natürlich habe ich nicht ernsthaft damit gerechnet, er würde mir selber antworten, noch sich überhaupt für mein Geschreibsel interessieren. Nun habe ich aber heute doch – ich fasse es nicht – eine Antwort-Mail erhalten und zwar von einer Frau Ulrike Sattler vom Stadtmarketing, Messen und Kongresse, KVVH, Stadtwerke, vom berühmt-berüchtigte Dezernat 4. Diese Email will ich Euch nicht vorenthalten, darum hier der Wortlaut im Original:

Sehr geehrter Herr O.,

vielen Dank für Ihre Mail an Herrn Oberbürgermeister Fenrich vom 20. März,

in dem Sie auf eine Beteiligung an der Aktion Earth Hour ansprechen.

Wir haben eine Beteiligung in der Vergangenheit diskutiert, aber die Idee
letztlich nicht aufgegriffen. Diese Aktion und die damit verbundene
Öffentlichkeitsarbeit des WWF ist sicherlich geeignet, der Diskussion über
den Klimaschutz auf breiter gesellschaftlicher Ebene  Impulse zu geben.
Insbesondere auch, weil die Aktion als solche bei Fachleuten in ihrer
Sinnhaftigkeit umstritten ist (siehe auch aktuellen Artikel bei
Spiegel-Online).

Karlsruhe setzt jedoch auf pragmatischere Ansätze wie eine fundierte
Energieberatung durch die Stadtwerke oder die Energie-Sparlampen Aktion,
ganz im Sinne der von zahlreichen Umweltschutzinitiativen artikulierten
Antwort auf die Earth Hour : „Licht an – aber richtig!“

Wir sind der Überzeugung, hiermit die Karlsruher Bürgerinnen und Bürger in

ihrem Bestreben, sich für den Klimaschutz zu engagieren, nach Kräften und

vor allem auch dauerhaft zu untersützen.

Mit  freundlichem Gruß

Ulrike Sattler

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Stadt Karlsruhe
Dezernat 4

Ulrike Sattler
Stadtmarketing,
Messen und Kongresse,
KVVH, Stadtwerke
Tel. 00 49 (0) 721 133 1043
Fax 00 49 (0) 721 133 1049
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Den genannten Artikel auf Spiegel-Online findet Ihr hier unter „Earth Hour: Mensch, mach das Licht aus!“, erschienen am 24.3.2009. Da wird über die Earth Hour abgelästert, sie sei lediglich Aktionismus, um ein bisschen was für das Klima zu tun – zumindest ein wenig guten Willen zu zeigen. Möglicherweise speilt bei der Ablehnung der Aktion durch den Spiegel auch eine gewisse Animosität gegen die Bild-Zeitung eine Rolle, die sich im Jahre 2007, als die Earth Hour das erste Mal veranstaltet wurde, sehr stark dafür engagierte. Nun ja, folgt man der Email, steht die Stadt Karlsruhe auf dem Standpunkt, dass solche symbolischen Aktionen der reine Schwachsinn sind und man daher lieber „Taten“, also harte Fakten sprechen lässt.
Das diese sich dann leider in einer Energieberatung durch die Stadtwerke erschöpfen (an der die Stadt selber wohl niemals teilgenommen hat. Denn sonst sollte wenigstens auf einigen wenigen öffentlichen Gebäuden mit Dächern in Südlage, eine Solaranlage installiert sein. Aber ich will ja nicht ungerecht sein, schließlich gibt es auf dem Müllberg der Stadt am Rheinhafen eine kleine Solaranlage und immerhin 3 Windkraftanlagen, die zwar nur sehr selten laufen, aber das hat wohl andere Gründe) und in einer Energie-Sparlampen-Aktion , zeigt wenigstens, welchen Stellenwert das Thema Klima in unserer Stadt genießt! Bezeichnend ist aber auch, dass diese „Aktionen zur Rettung des Klimas“ nur Privatleute und Uternehmen betrifft. Welche Sparpotenziale in den maroden Gemäuern der Stadtverwaltung steckt, ist eine andere Sache. Das genug Dachflächen vorhanden sind, um darauf  Solaranlagen zu installieren, dürfte außer Frage stehen. Aber schließlich sitzt ja die EnBW in Karlsruhe (übrigens ein überzeugter Betreiber von Kernkraftwerken) und mit denen will man es sich wohl nicht verderben. Die müssen ja auch von irgendwas leben, damit sie dann ihre Dankbarkeit der Politik gegenüber zeigen können. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!
Sonst noch Fragen? Dann schreibt doch der Dame vom Dezernat 4 und teilt Ihr mit, wie überwältigt Ihr von den Aktionen der Stadt Karlsruhe zum Schutz des Klimas seid! Sicher freut sie sich über Eure Zuschriften.
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Nur weiter so?

2008 war das – nach Aussage des Nationalen Klima-Daten Zentrums der USA – achtwärmste Jahr seit 1880 (schreibt Spiegel-Online am 17.1.2009). Die Temperatur stieg im Jahresdurchschnitt um 0,49° C über den Jahresdurchschnitts des 20. Jahrhunderts, der bei 13,9° C lag. Bezeichnenderweise wurden die 10 wärmsten Jahre seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen im Zeitraum seit 1997 bis heute registriert: Also heisst das soviel wie: Jedes Jahr seit 1997 ist zu warm gewesen, auch wenn sich einem das regional nicht so sehr aufgedrängt haben muss, wie zum Beispiel bei uns hier in Deutschland!

Nach Informationen des Klimazentrums nahm die Durchschnittstemperatur der Erde nach 1880 zunächst jährlich um 0,05° C zu. Jedoch beschleunigte sich der Temperaturanstieg in den letzten 30 Jahren deutlich und legt deshalb einen ursächlichen Zusammenhang mit der zunehmenden Emission u. a. des Treibhausgases CO2 nahe.

In den letzen Jahren seit 1997 nahm vor allem die Verbrennung fossiler Energieträger besonders in den Ländern der Dritten Welt und den sogenannten Schwellenländern dramatisch zu („Energiestudie: China erzeugt 2010 mehr CO2 als die USA“, Artikel auf Spiegel-Online vom 8.11.2006 – hat aber nicht s von seiner Aktualität verloren!). Eine Senkung innerhalb der nächsten Jahre oder auch nur eine Stagnation der Treibhausgas-Emission von dieser Seite ist jedoch nicht zu erwarten.

Was also tun? Eine technische Revolution hier in den Industrieländern ist notwendig – kein kleckern, (wie im Zuge der Finanzkrise gerade geschehen, nach dem Motto: allen wohl und keinem wehe!) klotzen heisst die Devise! Aufbau einer dezentralen Energieversorgung mit einem hohen Grad durch regenerative Energieträger. Solarenergie heisst meiner bescheidenen Meinung nach das Gebot der Stunde! Auch wenn wir hier in einer Gegend der Welt leben, wo es nicht üblich ist, dass die Sonne 24 Stunden am tag und 365 Tage im Jahr scheint, so ist doch einen gewaltige Energieausbeute möglich, wenn man nur alle nutzbaren Dachflächen mit Solaranlagen ausstatten würde. Ich habe schon in früheren Posts darauf hingewiesen, dass ich es als vorbildlich von Seiten des Staates ansehen würde, wenn man alle öffentlichen Gebäude mit Solaranlagen ausgestatte. Natürlich ist das eine riesige Investition. Aber ist eine saubere Umwelt das nicht wert? Und ist es nicht viel besser, Steuergelder in die Erzeugung sauberer energien zu stecken, als in die Fässer ohne Boden, die man früher fälschlicherweise als Banken bezeichnet hat?

Genauso wichtig ist natürlich die Gewinnung alternativer Energien im privaten Bereich, beispielesweise durch Solaranlagen auf dem Dach, oder einem Windrad auf dem Grundstück. Wer sich über die nahezu unerschöpflichen Möglichkeiten informieren will, dem möchte ich einmal mehr die Seite energynet.de (eine sehr kompetente und informative Seite zu den Themen energiesparendes Bauen, Energieeffizienz und erneuerbare Energien – und mit umfangreicher Linklist/Blogroll! Schaut mal vorbei!).

Interessante Aspekte und Entwicklungen zeigt auch Achmed Kammas in seinem „Buch der Synergie“ auf, der der Sonnenenergie ein eigenes Kapitel widmet.