Leck im Atommeiler Biblis B…

…meldet am 19.1.2009 Greenpeace in seinen Nachrichten unter „Leck im AKW Biblis B – na und?“. Das passt den Atomkonzernen natürlich ganz und gar nicht ins Konzept, jubeln sie doch die Atomenergie gerade mal wieder in den höchsten Tönen zur „saubersten“ und „sichersten“ und natürlich „umweltfreundlichsten“ Form der Energieerzeugung hoch! Und weil ja alles so sicher und technisch auf dem neuesten Stand ist, wartet man einfach ab, bis die im Januar sowieso fällige Revision ansteht. Vom Herunterfahren des Reaktors zur Behebung des Schadens keine Spur!

Und weil man alles so schön im Griff hat, inspiriert das Leck die  „besonders zuverlässigen“ Betreiber zu einer (passt auf, jetzt kommt ein geniales Wortspiel!) Leck-mich-am-Arsch Einstellung, nach dem Motto: Wird schon nix passier´n und wenn doch, isses nich uns´re Schuld! Versichert gegen die Folgeschäden eines Super-Gau ist sowieso niemand, weil das keiner bezahlen könnte, von wollen kann eh keine Rede sein.

Aber wir sollten uns nicht verschaukeln lassen von den Betreibern. denen sind nicht sie Energieversorgung zu günstigen Preisen, oder gar der Umwelt- und Naturschutz wichtig. Schon garnicht der schutz unserer Mutter Erde. Ich will euch sagen, was denen wichtig ist – der Gewinn ihrer Unternehmen und die Dividenden der Aktionäre, sonst nix. Auch wenn mir wohlmeinende zeitgenossen jetzt wieder vorwerfen werden, ich sei technikfeindlich (was nicht stimmt, sonst säße ich nicht hier vor meinem PC und schriebe an meinem Blogpost) oder ich inge irgendwelchen Weltverschwörungstheorien nach. Nein, das stimmt absolut nicht. Ich weise nur darauf hin, dass der Sinn eines Unternehmens nicht der Schutz der Umwelt oder der Menschen ist, sondern die Gewinnmaximierung! Und Atommeiler sind nun mal echte Geldmaschinen, solange sie laufen. Wenn man sie herunterfahren muss, weil eine revision ansteht, oder irgend so ein lästiger, unbedeutender Schaden repariert werden muss, kosten die Teile aber richtig viel Geld (nämlich das Geld, das verloren geht, wenn man den Strom nicht teuer verkaufen kann, weil er nicht erzeugt werden kann!). Also lässt man es eben. So ein kleines Leck wird schon nicht so schlimm sein, oder?

Problem ist aber folgendes: Meist führt eine kleine und „unbedeutende“ Störung, die falsch eingeschätzt wurde und „eine  Verkettung unglücklicher Umstände“ zu den großen bis katastrophalen Havarien. In der Regel werden Störfälle von den verantwortlichen Betreibern absichtlich als ungefährlich eingestuft, weil sie befürchten müssen, unerwünschten Besuch von Kontrolleuren zu erhalten. Die könnten dann „unglückliche Umstände“ entdecken, die man getrost als Fahrlässigkeit, Nachlässigkeit oder sogar Dummheit einstufen kann. Und das macht sich in den Leitständen eines Atommeilers nun garnicht gut. Homer Simpson, das Sinnbild für den verantwortungslosen, weil dummen und zudem mangelhaft ausgebildeten Mitarbeiter am falschen Ort, ist offensichtlich überall anzutreffen. Vor allem in den Zentralen der Atomkonzerne! Da hilft auch das feigenblatt nicht wirklich viel, wenn sich beispielsweise RWE „intensiv“ und mit viel Staatsknete (das versteht sich von selbst) an Projekten für regenerative Energien beteiligt.

Zur Wiederauffrischung hier einige Links, die zeigen, welche Folgen der leichtsinnige Umgang mit den Gefahren der Atomenergie hat:

  • „Konzernspielchen mit AKW-Laufzeiten“ (Artikel auf Greenpeace vom 20.10.2008).
  • „Chronik: Störfälle in Atomkraftwerken“ (Artikel auf stern.de vom 5.6.2008). Hier sind nur die gravierendsten Störfälle aufgelistet.
  • Das Reaktorunglück von Tschernobyl (Planet Wissen vom 12.4.2006).
  • Strahlenkrankheit (auf MSN Encarta).
  • kernenergie.de (eine Propagandaplattform der Atomkonzerne und hier, beispielhaft der Abschnitt über die Endlagerung des radioaktiven Drecks – die Kosten dafür tragen die Abfallversursacher: im Wesentlichen die Energieversorgungsunternehmen, aber auch die öffentliche Hand (warum eigentlich auch die öffentliche Hand, wenn die Gewinne die Energieversorger für sich behalten?).
  • Hier ein Flyer der zeigt, wie sich die Atomkraftwerksbetreiber selber sehen – als „ungeliebte Klimaschützer“ (das Pamphlet ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten!).

Das Risiko für die Nutzung der Atomenergie ist einfach zu groß, als dass man sie als zukunftsträchtig und umweltfreundlich einstufen könnte. Wenn Störfälle auftreten, können die Folgen derart katastrophal und verheerend sein, dass kein Versicherer bereit wäre, diese Schäden zu versichern – aber wir sollen den Energiekonzernen gestatten, ihre Meiler überall im Land zu bauen, damit mit sie auf Kosten unserer Gesundheit und der Gesundheit unserer Kinder und Enkel und ungezählter Generationen nach uns ihre Gewinne einfahren können? NIEMALS!

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Atomkraft? Na klar!

Wie ernst der Regierung in Deutschland der „Atomausstieg“ ist, zeigt sich gerade jetzt im Moment mit der sommerlochfüllenden Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke.
Allen voran die CDU/CSU mit ihren politischen Kapazitäten beginnt mit einer Vehemenz für die Atomlobby zu fighten, dass es einem Angst und Bange werden kann, ja werden muss!
Das Ergebnis dieses politischen Einsatzes zugunsten der Atomindustrie wird – wenn nicht ein Wunder geschieht – sicher die Verlängerung der Laufzeiten bis zum St. Nimmerleinstagsein, sondern auch der Neubau von Atommeilern in Deutschland. Dagegen gilt es Position zu beziehen, wenn wir nicht hinterher die Leidtragenden sein wollen! Aber das Vorgehen der Union ist typisch für das Demokratieverständnis in unserem Land. Warum? Ganz einfach! Wenn die Regierung beschließt, dass ein bestimmter Weg eingeschlagen werden soll, dann ist das eben so. Unabhängig von den Wünschen der Menschen und erst recht den Bedürfnissen der Natur und Mutter Erde! Nur wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, darf der „mündige“ Bürger abstimmen und seine Meinung kundtun – allerdings nur dann, wenn zu erwarten ist, dass das Ergebnis so ausfällt, wie die Regierung es wünscht! Ist dies nicht der Fall, wird wieder abgestimmt und wieder, bis endlich das erwünschte Ergebnis eintritt.
Ein nicht sehr leuchtendes Beispiel dafür ist die EU-Verfassung. In Deutschland und den anderen EU-Mitgliedsstaaten lässt man die Bevölkerung aus gutem Grund nicht darüber abstimmen, weil jeder weiss, wie das ergebnis ausfallen würde. Und die Iren, die ihre Meinung dazu eindeutig kundgetan haben, werden mehr oder weniger als unzurechnungsfähig bezeichnet, als Menschen, die nur aus Protest gegen die Verfassung gestimmt hätten und nicht aus Überzeugung. Aus diesem Grund will man die Abstimmung nochmal durchführen lassen, nachdem die Bevölkerung ausführlich „aufgeklärt“ (d. h. mit EU-Propagande zugemüllt worden ist, bis ihnen diese zu den Ohren wieder herauskommt!) wurde!
Ist das wirklich Demokratie? Nachdem die Politiker seit Monaten die Bevölkerung in einer Art konzertierten Aktion mit den Wünschen der Atomindustrie für eine Verlängerung der Reaktorlaufzeiten berieseln und nun auch noch die Mähr verbreiten, der Einsatz der Atomkraft sei nicht nur umweltfreundlich, sondern auch notwendig um die Energiepreise niedrig zu halten, kann man in den Nachrichten erfahren, dass nunmehr eine Mehrheit der Bevölkerung für eine intensive Nutzung der Atomenergie ist.
Wie schön! Keiner redet davon, welche Mengen an Energie und CO2-Emissionen vergeigt werden, wenn Uran gewonnen und transportiert wird. Niemand spricht von den ungeheuerlichen Folgekosten, die aufgebracht werden müssen, wenn abgebrannte Brennstäbe aufbereitet oder endgelagert werden müssen. Die Kosten dafür tauchen in keiner Rentabilitätsrechnung der Atomindustrie auf, denn die trägt die Allgemeinheit!
Ich kann mich erinnern, wie in den Siebzigern lauthals verkündet wurde, die Endlagerung von Atommüll sei durch Einlagerung in unterirdischen Salzstöcken auf Jahrzehntausende sicher! Wer das glaubt, ist ein Narr. Niemand kann behaupten, dass solche Endlagerstätten auf Dauer sicher sind. Genauso wenig wie Atomkraftwerke es sind! Nach den Statistiken der Atomlobby passiert ein GAU (ein sogenannter „Größter Anzunehmender Unfall“) vielleicht alle zehntausend Jahre, ist also nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen.
Warum aber bereits nach relativ kurzer Laufzeit, entgegen der berechneten statistischen Wahrscheinlichkeit, der Reaktor von Tschernobyl havarierte und eine Umweltkatastrophe unvorstellbaren Ausmasses für Mensch und Natur verursachte, scheint die Atomlobby nicht weiter zu interessieren. Genauso wie das Atomunglück von Three Mile Island in den USA. Diese Zwischenfälle sind nur zwei aus einer ganzen Reihe von kritischen Ereignissen, die bis in die 1940er Jahre zurückreichen und beweisen, dass nicht nur die Technik der Atomanlagen unsicher ist. Oft sind es aber auch die Menschen, die in diesen Anlagen arbeiten oder sie bedienen die Gefährdungsfaktoren! All diese Vorkommnisse sind offenbar immer noch nicht Warnung genug gewesen, von dieser riskantesten Form der Energiegewinnung endlich die Finger zu lassen! Die politisch Verantwortlichen lässt das alles ebenfalls völlig kalt. Ich möchte ja keine Behauptungen aufstellen, die sich nicht beweisen lassen, aber eine enge Verquickung zwischen Wirtschaft und Politik ist nicht von der Hand zu weisen und für meinen Geschmack ist diese Verbindung viel zu eng! Dagegen müssen wir uns wehren. Wer in den Aufsichtsräten der Energiekonzerne sitzt, darf nicht über die Gesetze entscheiden, die die Interessen der Mutter Erde und der Menschen wahren sollen!

Weitere Informationen:
Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (nukleares Ereignis ist eine eher euphemistische Umschreibung für einen Unfall und wird einzig aus dem Grund verwandt, der Bevölkerung die wahren Gefahren der Atomernegiegewinnung zu verheimlichen!).
Strahlenkrankheit (wer sich schon immer gefragt hat, warum so viel Aufhebens um ein bisschen radioaktive Vertrahlung gemacht wird, der sollte sich hier mal informieren, wie überaus unangenehm die Folgen der Strahlenkrankheit sind!).
Liste der Störfälle in deutschen kerntechnischen Anlagen (wer meint, das deutsche Atomanlagen auf Grund des Verantwortungsbewußtseins der Betreiber besonders sicher seien, der kann sichmal diese Liste hier ansehen!).
Liste der Störfälle in europäischen Atomanlagen (auch auf europäischer Ebene ist die Sicherheit der atomaren Anlagen alles andere als selbstverständlich, hier wird ebenso geschludert und geschlampt wie überall auf der Welt!).
Milliardensubventionen für Atomindustrie (Greenpeace zeigt auf, wie hier und in Europa Politik gemacht wird – im Auftrag und auf Rechnung der Atomindustrie! Geld regiert die Welt und davon haben die Männer von der Atomlobby ja reichlich!).
Störfälle und der GAU – von Brunsbüttel bis Tschernobyl (eine Bilderserie von nt-v.de, die uns den Wahnsinn der Atomkraft vor Augen führt! Schaut Euch das an und urteilt dann selber, ob Ihr Energie wollt, die auf solche Art und Weise erzeugt wird!).